Das Münchner Unicorn Personio, Anbieter einer intelligenten HR-Plattform, automatisiert HR-Prozesse mittels künstlicher Intelligenz. Das Unternehmen um CEO und Mitgründer Hanno Renner erreichte im Juni 2022 eine Bewertung von 8,5 Milliarden US-Dollar.

KI transformiert Personalmanagement

Personio entwickelte sich seit der Gründung 2015 von einer reinen HR-Software zu einer umfassenden People-Plattform. KI kommt dabei zur Automatisierung von HR-Prozessen zum Einsatz. Ein Beispiel ist die Funktion „People Workflow Automation", die fragmentierte Personalprozesse in automatisierte Abläufe überführt. Die Produktbeschreibungen des Unternehmens betonen die Effizienzsteigerung durch KI.

Hanno Renner vertritt eine Führungskultur, die Mitarbeitende befähigt, eigenständig Entscheidungen zu treffen und unternehmerisch zu agieren.

Personios Aufstieg zum globalen Player

Personio wurde im August 2015 in München gegründet. Die Gründer Hanno Renner, Roman Schumacher, Arseniy Vershinin und Ignaz Forstmeier lernten sich am Center for Digital Technology und Management (CDTM) in München kennen. Ihr Ausgangspunkt war die Beobachtung, dass Personalverantwortliche in vielen kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) noch manuelle Prozesse nutzten, während größere Unternehmen bereits digitale Lösungen einsetzten.

Strategisch konzentriert sich Personio auf den europäischen KMU-Markt, der nach Unternehmensangaben 1,7 Millionen Unternehmen mit 10 bis 2.000 Mitarbeitenden umfasst. Davon haben demnach etwa 1,2 Millionen Unternehmen ihre HR-Prozesse noch nicht digitalisiert. Eine Expansion in die USA oder nach Asien steht laut vorliegenden Angaben derzeit nicht auf der Agenda.

Die Plattform digitalisiert den gesamten Mitarbeiter-Lebenszyklus, vom Recruiting über die Gehaltsabrechnung bis zum Performance Management. Dieser Fokus auf KMU und die Ausrichtung als ganzheitliche Plattform bilden zentrale Bestandteile der Unternehmensstrategie.

Exponentielles Wachstum und Milliardenbewertung

Personio verzeichnete in den vergangenen Jahren ein signifikantes Kunden- und Mitarbeiterwachstum. 2018 zählte das Unternehmen rund 500 Kunden. Im Oktober 2021 waren es 5.000, im Mai 2023 10.000 und aktuell 16.000 Kunden, die zusammen über eine Million Mitarbeitende betreuen.

Auch die Mitarbeiterzahlen stiegen kontinuierlich an: von etwa 70 Mitarbeitenden im Jahr 2018 auf rund 500 im November 2020 und über 1.000 im November 2021. Aktuell beschäftigt Personio nach eigenen Angaben 1.500 Mitarbeitende aus 88 Nationalitäten an acht Standorten weltweit. Dazu gehören München als Hauptsitz, London, Dublin, Madrid, Amsterdam, Berlin, Barcelona und New York.

Die Finanzierungsgeschichte des Unternehmens ist gut dokumentiert: Eine Seed-Runde im Juli 2016 brachte etwa 2,2 Millionen US-Dollar ein. Eine Series D im Januar 2021 umfasste 125 Millionen US-Dollar bei einer Bewertung von 1,7 Milliarden US-Dollar. Im Oktober 2021 folgte eine Series E mit 270 Millionen US-Dollar und einer Bewertung von 6,3 Milliarden US-Dollar.

Eine zweite Series E im Juni 2022 sicherte weitere 200 Millionen US-Dollar und erhöhte die Bewertung auf 8,5 Milliarden US-Dollar.

Führung, Prozesse und gesellschaftliches Engagement

Hanno Renners Führungsansatz betont Empowerment. Er möchte Mitarbeitende befähigen, die richtigen Entscheidungen zu treffen und unternehmerisch zu handeln. Renner hob die Herausforderungen bei der Einführung der Personio Payroll hervor und unterstrich die Bedeutung einer korrekten Gehaltsabrechnung für HR-Abteilungen.

Die ITG-Zertifizierung der Payroll-Funktion bezeichnete er als besonders anspruchsvollen Prozess.

Überdies engagiert sich Personio gesellschaftlich: Die 2021 gegründete Personio Foundation hält ein Prozent der Unternehmensanteile für Klimaschutz und Bildung. Dieser Anteil hat derzeit einen angegebenen Wert von 85 Millionen US-Dollar. Personio ist zudem als Certified B Corp gelistet, was ein Bekenntnis zu sozialen und ökologischen Standards unterstreicht.

Öffentliche Angaben zur internen Steuerung eines KI-Budgets oder zu Maßnahmen gegen einen vermeintlichen „Wildwuchs“ von Software-Agenten liegen in den recherchierten Materialien nicht vor. Als Wettbewerber nennt das Unternehmen unter anderem Hibob, SAP und Salesforce. Für größere Unternehmenskunden treten zudem Workday und ServiceNow auf.

Der weitere Weg von Personio dürfte sich auf die kontinuierliche Expansion innerhalb des europäischen KMU-Marktes und die Vertiefung der KI-Integration in seine HR-Plattform konzentrieren. Beobachter erwarten, dass die Entwicklung in Richtung einer noch stärker vernetzten und automatisierten Personalarbeit fortschreitet. Dabei muss sich das Unternehmen weiterhin im Wettbewerb mit etablierten Softwareanbietern und aufstrebenden Startups behaupten, um seine Marktposition zu sichern.