Die Bundeswehr plant den Bau eines zweiten Marinestützpunkts an der Nordseeküste in Emden. Verteidigungsminister Boris Pistorius und Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil unterzeichneten in Emden eine Absichtserklärung für das Vorhaben. Das als Milliardeninvestition bezeichnete Projekt soll Anfang der 2030er Jahre fertiggestellt werden und, laut Pistorius, die operativen Möglichkeiten der Marine erhöhen.
Zudem soll Deutschland im Ernstfall schwerer ausrechenbar werden.
Der geplante Stützpunkt in Emden soll die Marine in ihren operativen Möglichkeiten erweitern. Pistorius betonte, Deutschland werde dadurch im Ernstfall schwerer ausrechenbar. Emden war bereits bis 1997 Marinestandort. Der frühere Stützpunkt wurde am 31. März 1997 aufgelöst.
Die Entscheidung für Emden begründet sich mit der Verfügbarkeit großer Flächen auf dem Rysumer Nacken. Dieser Nacken ist eine Hafenerweiterungsfläche westlich der Stadt Emden. Als strategischer Vorteil gilt zudem die gute Erreichbarkeit des Atlantiks und des Hohen Nordens.
Strategische Notwendigkeit und Kapazitätsausbau
Die Errichtung eines zweiten Marinehafens an der Nordsee ist eine Reaktion auf gestiegene Anforderungen an die deutsche Marine und die NATO. Wilhelmshaven gilt aktuell als einziger großer Marinestützpunkt an der Nordseeküste. Nach Angaben der Beteiligten kann dieser Standort den prognostizierten Bedarf an Liegeplätzen, Pierlängen und Versorgungskapazitäten bei einem geplanten Aufwuchs der Streitkräfte nicht allein decken.
Marine-Experten wie Johannes Peters von der Universität Kiel betonen die Notwendigkeit von Redundanz. Fällt die Infrastruktur eines einzelnen Hafens aus, entstünden erhebliche Probleme. Ein zweiter Hafen soll die Absicherung und Flexibilität der Marine erhöhen.
Der neue Stützpunkt soll Platz für sieben Fregatten, zehn Minensuchboote und zehn Schlepper bieten. Langfristig sind bis zu 2.000 Dienstposten, militärisch und zivil, in Emden vorgesehen. Das Land Niedersachsen signalisierte seine Bereitschaft, die benötigte Fläche am Rysumer Nacken, die sich in Landesbesitz befindet, an den Bund zu veräußern.
Für den Rysumer Nacken gab es zuvor Pläne für eine zivile Nutzung. Ministerpräsident Stephan Weil verwies auf die maritime Tradition Emdens und betonte, Niedersachsen könne „schnell entscheiden, zügig genehmigen und verlässlich bauen“.
Umfang und potenzielle Auswirkungen
Die Bundeswehr nennt einen Flächenbedarf von bis zu 450 Hektar. Dieser Wert wurde in Berichten mit rund 630 Fußballfeldern veranschaulicht. Andere Quellen nennen hingegen 40 Hektar mit einer Option auf weitere 10 Hektar. Diese Differenz ist im weiteren Planungsprozess zu klären.
Naturschützer bezeichnen den Rysumer Nacken als Hotspot der Artenvielfalt mit seltenen Pflanzen- und Tierarten. Anwohner schätzen das Gebiet als Naherholungsgebiet. Der Nabu Ostfriesland warnte vor den ökologischen Folgen einer Bebauung.
Der Emder Oberbürgermeister Tim Kruithoff bezeichnete die Entscheidung als „außergewöhnliche Chance für den Hafen, Arbeitsplätze und die wirtschaftliche Entwicklung der gesamten Region“. Die IHK für Ostfriesland und Papenburg hatte zuvor für 1.500 Soldaten und Zivilpersonen geworben. Florian Keisinger, Chef des Zentralverbands der deutschen Seehafenbetriebe (ZDS), sagte: „Wer Deutschland als militärische Drehscheibe Europas stärken will, braucht leistungsfähige Seehäfen.“
Nächste Schritte und Herausforderungen
Die unterzeichnete Absichtserklärung ist rechtlich nicht bindend. Sie markiert jedoch den offiziellen Startpunkt für die Planungen. Die detaillierte Planung und die notwendigen Genehmigungen werden voraussichtlich mehrere Jahre in Anspruch nehmen. Offene Fragen zum genauen Flächenbedarf und zur finalen Konfiguration des Stützpunktes sind noch zu klären.
Naturschützer warnen vor einer Zerstörung des Ökosystems am Rysumer Nacken. Entsprechende Bedenken sind im Genehmigungsprozess zu behandeln. Die Fertigstellung Anfang der 2030er Jahre setzt eine zügige Umsetzung der kommenden Planungs- und Bauphasen voraus.
Der Verkauf der Flächen an die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben und die anschließende Entwicklung der Infrastruktur sind weitere Schritte im Prozess.







