Das Berliner Fintech Pliant, im Mai 2020 gegründet, hat sich mit seiner B2B-Kreditkartenplattform etabliert. Das Unternehmen erhielt unter anderem Investitionen von Carsten Maschmeyer über seine Beteiligungsgesellschaften Alstin und Seed+Speed. Pliant meldet eine Umsatzverdopplung und prognostiziert für 2024 einen Annual Recurring Revenue (ARR) von mindestens 25 Millionen Euro, mit Potenzial auf bis zu 28 Millionen Euro.

Ein strategischer Fokus liegt auf der Internationalisierung, insbesondere dem Eintritt in den US-Markt.

Internationalisierung und Akquisitionen

Pliant verfolgt ein internationales Wachstum, das auch durch Akquisitionen gestützt wird. In der Series B Finanzierungsrunde im April 2025 sammelte das Unternehmen 40 Millionen US-Dollar, rund 37 Millionen Euro. Die Runde wurde von Illuminate Financial und Speedinvest geführt, während Bestandsinvestoren wie PayPal Ventures sich beteiligten.

Die Mittel aus dieser Runde sollen vorrangig für die US-Expansion verwendet werden.

Pliant gibt an, Visa-Kreditkarten in elf Währungen in über 30 Ländern auszugeben. Im April 2025 übernahm das Fintech das österreichische Insurtech hi.health, um den Versicherungsmarkt zu erschließen. Zuvor hatte Pliant bereits Friday Finance akquiriert.

Medienberichten zufolge prüft das Unternehmen zudem weitere Übernahmekandidaten, darunter im Vereinigten Königreich. Pliant positioniert sein Angebot als Embedded Finance- und Kartenplattform, die physische und virtuelle Visa-Karten sowie Cards-as-a-Service und Banking-as-a-Service bereitstellt.

Umsatzentwicklung und Profitabilität

Im Februar 2023 meldete Pliant eine Vervierfachung des Umsatzes und eine nahezu Versechsfachung des Kundenportfolios. Für 2024 prognostiziert das Unternehmen einen ARR von mindestens 25 Millionen Euro, mit einem möglichen Anstieg auf bis zu 28 Millionen Euro. Im ersten Halbjahr 2024 wurde Pliant als umsatzstärkstes Unternehmen im Portfolio von Alstin ausgewiesen.

Die Geschäftsleitung um CEO und Mitgründer Malte Rau gibt an, das Geschäft sei seit November 2024 profitabel. Dem stehen jedoch die ausgewiesenen EBIT-Zahlen der vergangenen Jahre gegenüber: minus 4,1 Millionen Euro im Jahr 2021, minus 12,5 Millionen Euro im Jahr 2022 und minus 11,5 Millionen Euro im Jahr 2023. Der ARR und der klassische Umsatz werden unterschiedlich berechnet; ARR ist eine Projektion wiederkehrender Einnahmen, während EBIT den operativen Gewinn ausweist.

Pliant macht öffentlich nicht transparent, welche genaue Maßzahl mit dem Begriff „profitabel“ gemeint ist.

Finanzierungsrunden und Bewertung

Pliant hat in mehreren Finanzierungsrunden Kapital aufgenommen: Die Seed-Runde im August 2021 belief sich auf 5,5 Millionen Euro. Eine Erweiterung der Seed-Runde im Dezember 2021 brachte 18 Millionen Euro. Es folgte eine Series A-Runde im Februar 2023 über 28 Millionen US-Dollar und die Series B im April 2025 über 40 Millionen US-Dollar.

Nach Angaben aus April 2025 liegt die Gesamtfinanzierung bei über 100 Millionen US-Dollar. Andere Quellen nennen eine Gesamtsumme von 205 Millionen Euro inklusive Fremdkapital.

Interne Angaben beziffern die Bewertung von Pliant im November 2024 auf 250 Millionen bis 300 Millionen Euro. Das Unternehmen hat das Ziel formuliert, eine Unicorn-Bewertung von einer Milliarde Euro zu erreichen. Dies ist an die Bedingung geknüpft, eine Zielmarke von 100 Millionen Euro ARR zu erzielen. Für die Erreichung dieses Ziels wird eine Zeitspanne von zwei bis drei Jahren genannt.

Das Angebot von Pliant umfasst physische und virtuelle Visa-Karten mit hohen Limits sowie digitale Tools zur Ausgabenkontrolle und Zahlungsoptimierung. Das Fintech zählt mehr als 3.500 Unternehmenskunden und über 20 Partner, darunter die Commerzbank, Auxmoney und Candis.

Ausblick auf die nächste Phase

Mit der Series B Finanzierung und Akquisitionen wie hi.health beabsichtigt Pliant, seine Expansionspläne voranzutreiben, insbesondere im US-Markt. Das Management unter Malte Rau betont dabei den Fokus auf weiteres Wachstum.

Marktbeobachter werden die weitere Entwicklung genau verfolgen. Die prognostizierten Umsatzzahlen und die angegebene Profitabilität müssen sich in den operativen Ergebnissen bestätigen. Dazu gehört die erfolgreiche Integration akquirierter Unternehmen und der Ausbau in neuen Märkten.

In den kommenden Berichtsperioden werden insbesondere die Entwicklung des ARR und die ausgewiesenen Ergebniskennzahlen entscheidend für die Beurteilung der Nachhaltigkeit des Wachstumskurses sein.