Die Digitalkonferenz Bits & Pretzels in München bot nicht nur eine Plattform für Netzwerke, sondern auch Anlass für Berichte über Finanzierungsrunden und die Expansion von Fintechs. Das Kreditkarten-Start-up Pliant sicherte sich jüngst rund 5,5 Millionen Euro Kapital. Unter den Beteiligten befindet sich auch Carsten Maschmeyer.
Zugleich rückt das jährliche Ranking des manager magazin zu den 500 reichsten Deutschen neue Gesichter in den Fokus. Darunter sind Gründer aus der Fintech-Branche, die auf dem Papier reicher erscheinen als viele traditionelle Industriellenfamilien.
Pliant expandiert in die USA
Das Berliner Kreditkarten-Start-up Pliant, 2020 gegründet, hat eine Finanzierungsrunde über rund 5,5 Millionen Euro abgeschlossen. Beteiligt sind Carsten Maschmeyer über seinen Fonds Alstin Capital, PayPal und Motive Ventures. Ferner sind Main Incubator, Saber und seed+speed als Investoren genannt. Nach dieser Runde bewerten Experten das Fintech auf etwa 8 bis 9 Millionen Euro.
Pliant bietet Geschäftskunden Firmenkreditkarten mit hohen Limits, Cashback-Programmen und Services an. Dazu zählen der Zugang zu Flughafen-Lounges und automatische CO2-Kompensation. Malte Rau, Mitgründer und CEO von Pliant, hebt hervor: „Es ist nicht notwendig, die gesamte Buchhaltung oder das Reisekostenmanagement neu aufzusetzen, ehe Mitarbeiter die Karte nutzen können.
In der Regel sind unsere Karten nach ein bis zwei Arbeitstagen einsatzbereit, während es anderswo schon einmal einen ganzen Monat dauern kann."
Das Unternehmen plant eine Expansion in die USA. Malte Rau verbrachte bereits ein halbes Jahr in New York City zur Vorbereitung. Die Berichterstattung deutet zudem an, Rau könne sich vorstellen, seine nächste Firma in den USA zu gründen.
In diesem Kontext zitiert man Carsten Maschmeyer mit den Worten: „Der Blick geht zunehmend in die USA. Malte könnte sich sogar vorstellen, seine nächste Firma dort zu gründen. Die Businessvorteile der USA gegenüber dem Gründerstandort Deutschland würden schlicht schwerer wiegen als die politischen Risiken."
Pliant könnte aktuellen Angaben zufolge bis Ende 2026 den Großteil seines Geschäfts aus dem US-Markt erzielen. Im vergangenen Jahr verdoppelte Pliant seinen Umsatz laut Berichten.
Fintech-Gründer auf der Reichenliste
Das manager magazin veröffentlicht jährlich die Liste „Die 500 reichsten Deutschen". Die aktuelle Auswertung nennt neben bekannten Unternehmerfamilien und Industriellen auch zehn Gründer aus drei Fintechs. Diese Gründer sind, basierend auf ihren Firmenbewertungen, auf dem Papier reicher als viele etablierte Industriellenfamilien.
Analysten greifen bei der Einschätzung großer Vermögen auf eine Vielzahl von Quellen zurück. Dazu gehören Unternehmensberichte, Jahresabschlüsse, öffentlich zugängliche Finanzdaten, Interviews, Medienberichte sowie Schätzungen von Finanzexperten und Vermögensbewertungsfirmen. Bewertet werden demnach unter anderem Unternehmensanteile, Immobilien, Kunstsammlungen, Liquidität, Investitionen und geschätzte künftige Einkünfte.
Zu den weiterhin in der Liste genannten Namen gehören Dieter Schwarz, Susanne Klatten und Stefan Quandt. Auch Moritz und Tim Hoppe, Erben von Ritter Sport, sind aufgeführt. Forbes listet Carsten Maschmeyer mit einem Vermögen von 1,9 Milliarden US-Dollar.
Beim schrittweisen Verkauf seiner AWD-Anteile an Swiss Life erzielte Maschmeyer Berichten zufolge mindestens 500 Millionen Euro. Die Beteiligung an Pliant steht in der Kontinuität seiner Investmenttätigkeit.
Branchentrends und Marktentwicklungen
Weitere Meldungen aus der Finanz- und Tech-Branche betreffen Personalien und Marktanteile. Jessica Holzbach Ursinus, Fintech-Mitgründerin und Deutschlandchefin von 0TO9, zieht in den Aufsichtsrat der Kölner SozialBank ein. Medienberichten zufolge kontrolliert sie zudem seit 2023 die Fürstlich Castell’sche Bank.
Im Zahlungsverkehr sind PayPal und Apple Pay breit genutzt. Eine Auswertung zeigt, dass 96,3 Prozent der 1000 größten Onlineshops in Deutschland PayPal anbieten. Apple Pay ist in 49 Prozent der 1000 größten Onlineshops vertreten, ein Anstieg von 11,2 Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr.
Parallel dazu bieten etablierte Finanzinstitute neue Produkte an. Die Deutsche Bank führt ein Altersvorsorgedepot ein, und der Frankfurter Onlinebroker FlatexDegiro präsentierte sein Preismodell für die Altersvorsorge. Im Kontext von Konsolidierungen und Marktbewegungen führt die brasilianische Neobank Nubank Gespräche über eine mögliche Übernahme der Londoner Digitalbank Monzo.
Berichten zufolge wird Monzos Bewertung zuletzt mit umgerechnet rund 9,3 bis 11,6 Milliarden Euro angegeben. Beobachter erwarten in diesem Segment weitere Fusions- und Übernahmeaktivitäten, da Neobanken ihre Marktpositionen festigen oder erweitern möchten.







