Das Berliner Fintech Pliant expandiert mit frischem Kapital in internationale Märkte. Eine Series-B-Finanzierungsrunde über 40 Millionen US-Dollar sowie eine strategische Partnerschaft mit der VVRB, die die Refinanzierungskapazität auf 200 Millionen Euro erhöht, unterstreichen das Wachstum des Unternehmens. Pliant bietet B2B-Kreditkartenlösungen und Ausgabenmanagement an.

Das Fintech strebt eine stärkere Präsenz in den USA an.

Wachstumskurs in Europa und Expansion nach Übersee

Pliant wurde 2020 gegründet. Das Unternehmen ist im europäischen B2B-Zahlungsverkehr tätig und bietet Firmenkreditkarten sowie digitale Lösungen für das Ausgabenmanagement an. Das Fintech mit Sitz in Berlin stellt physische und virtuelle Visa-Kreditkarten bereit.

Diese sind nach Angaben des Unternehmens in elf Währungen verfügbar. Die Plattform lässt sich in Finanzworkflows integrieren. Pliant beschreibt sein Angebot als API-first und bietet Embedded-Finance- und White-Label-Optionen an.

Zu den mehr als 3.500 Unternehmenskunden in Europa zählen Auxmoney, Clark und Jung von Matt.

Die Series-B-Runde im April 2025 führten Illuminate Financial und Speedinvest an. Auch bestehende Investoren wie PayPal Ventures und Motive Ventures beteiligten sich. Insgesamt liegt das Gesamtfunding von Pliant nach mehreren Quellen bei über 100 Millionen US-Dollar. Einzelne Quellen nennen 116 Millionen US-Dollar über sechs Runden.

Die Finanzierung soll die strategische Expansion unterstützen, insbesondere in den US-Markt.

Strategische Partnerschaften und finanzielle Kapazitäten

Neben der Series-B sichert sich Pliant im September 2024 eine Refinanzierungskapazität von 200 Millionen Euro. Dies geschieht durch eine Partnerschaft mit der VVRB. Diese Vereinbarung erweitert nach Unternehmensangaben die Refinanzierungsbasis und ermöglicht es Pliant, das Kreditkartenangebot zu skalieren.

Malte Rau, CEO und Mitgründer von Pliant, plant eine längere Lernphase mit einem kleinen Team. Damit will er den Product-Market-Fit sicherstellen, bevor größere Investitionen erfolgen. Ein offizieller Start in den USA ist nach Angaben der Unternehmenskommunikation für Juli 2026 vorgesehen. Dies soll über eine Partnerschaft mit der US-Sponsorbank Coastal geschehen.

Thredd wird Pliant bei der Implementierung des Embedded-Finance-Modells in den USA unterstützen. Pliant meldete, im Juli 2026 einen jährlichen wiederkehrenden Umsatz (ARR) von 100 Millionen US-Dollar erreicht zu haben.

Infrastruktur als Wettbewerbsvorteil

Carsten Maschmeyer, dessen Investmentgesellschaft Alstin Capital zu den frühen Investoren zählt, lobt die Fintech-Erfahrung der Gründer Malte Rau und Fabian Terner. Er hebt deren Detailwissen über Regulatorik hervor. Malte Rau beschreibt, dass Pliant bewusst Zeit in den Aufbau einer robusten Infrastruktur investierte.

Tom Filip Lesche, Partner bei Speedinvest, erklärt, Pliant baue nicht nur ein Kreditkartenprodukt, sondern eine Infrastruktur für Unternehmenszahlungen. Konstantin Koenig von Illuminate Financial bezeichnet B2B-Zahlungen als einen unterversorgten und ineffizienten Bereich. Er beschreibt Pliants Plattform als eine Schicht, die Automatisierung, Flexibilität und Intelligenz in Unternehmenszahlungen bringen soll.

Blick in die Zukunft

Die jüngsten Finanzierungsrunden und Partnerschaften stärken Pliants Ausgangslage für die geplante Expansion. Dies gilt insbesondere für den Eintritt in die Vereinigten Staaten. Offene Fragen bestehen weiterhin bei der genauen Mitarbeiterzahl; Quellen nennen unterschiedliche Werte zwischen knapp 200 und über 300. Auch einzelne Zeitpunkte und Meilensteine der US-Markteinführung bleiben noch unklar.

Das Fintech startete zudem ein Pilotprojekt mit sechs deutschen Genossenschaftsbanken. Die Entwicklung dieser Projekte könnte zukünftige Strategien des Unternehmens beeinflussen. Beobachter warten auf konkretere Angaben zu den erwarteten Umsatzzielen und dem Zeitplan für die vollständige Markterschließung in den USA.