Das Berliner B2B-Kreditkarten-Fintech Pliant sichert sich in einer neuen Wachstumsfinanzierungsrunde 80 Millionen US-Dollar (rund 71 Millionen Euro). Die Runde führen die Wagniskapitalgesellschaft Seaya Nova und der Bestandsinvestor Speedinvest an. Über ihren Investmentarm Citi Ventures beteiligt sich zudem erstmals die US-Großbank Citigroup an dem Berliner Unternehmen.

Wall Street trifft Berliner Herausforderer

Der Einstieg von Citi Ventures setzt ein deutliches Signal im europäischen Fintech-Sektor. Bislang traten die New Yorker Großbank und das 2020 von Malte Rau und Fabian Terner gegründete Unternehmen im Markt für B2B-Reisekarten teilweise als direkte Konkurrenten auf. Buchungsportale und Reisebüros setzen virtuelle Firmenkreditkarten gezielt ein, um Kontingente für Flüge und Hotels vorzusteuern.

Citi bedient dieses Segment vorrangig über Co-Branding-Modelle mit Partnern wie Booking.com und setzt dabei auf virtuelle Karten von Mastercard. Pliant etablierte sich hingegen mit Visa-Lösungen und gewann Kunden wie Intertours und Urlaubspiraten. Mit dem Einstieg von Citi Ventures wandelt sich das bisherige Konkurrenzverhältnis nun in eine strategische Beteiligung.

Pliant-CEO Malte Rau bezeichnete Citi als weltweit hervorragenden Infrastrukturanbieter für Fintechs und betonte die Aussicht auf eine beiderseitig vorteilhafte Partnerschaft. Neben Citi Ventures, Seaya Nova und Speedinvest beteiligen sich auch die Bestandsinvestoren Illuminate Financial, Motive Partners und Molten Ventures an der Runde. Der Frühphaseninvestor Alstin Capital von Carsten Maschmeyer legt indes kein frisches Kapital nach, wodurch seine Anteile verwässern.

Die Transaktion zählt zu den größeren Fintech-Finanzierungsrunden in Deutschland im aktuellen Marktumfeld, vergleichbar mit den jüngsten Abschlüssen von Upvest über 105 Millionen Euro oder Taktile über 110 Millionen US-Dollar. Vor der aktuellen Runde nahm Pliant bereits 100 bis 116 Millionen US-Dollar Eigenkapital auf, zuletzt im Rahmen einer Series B über 40 Millionen US-Dollar im April 2025 sowie einer Series A über 26 Millionen Euro im Februar 2023.

Offensive im US-Markt und Schnittstellen für KI-Agenten

Einen wesentlichen Teil des frischen Kapitals plant das Management für den Ausbau der US-Präsenz ein. Der Markt jenseits des Atlantiks steuert gegenwärtig bereits mehr als 20 Prozent der jährlich wiederkehrenden Umsätze (ARR) bei. Für den dortigen Rollout kooperiert Pliant mit der Sponsorbank Coastal Community Bank und setzt für die technische Skalierung des Embedded-Finance-Modells auf den Infrastrukturpartner Thredd.

Parallel dazu treibt das Unternehmen die Weiterentwicklung seiner Kernplattform voran. Pliant verknüpft physische und virtuelle Kreditkarten direkt mit Buchhaltungs- und ERP-Systemen wie DATEV oder Lexoffice. Das Erlösmodell stützt sich auf monatliche Software-Nutzergebühren sowie Margen aus der Zahlungsabwicklung.

Zudem entwickelt das Fintech Schnittstellen zu KI-Laboren, um künftig autonome Software-Agenten an Firmenkarten anzubinden und regelbasierte Transaktionen vollständig zu automatisieren.

Starkes Umsatzwachstum verschiebt Profitabilitätsziel

Nach eigenen Angaben überschritt Pliant kürzlich die Marke von 100 Millionen US-Dollar ARR. Zum Vergleich: Ende 2024 lag der wiederkehrende Jahresumsatz nach Schätzungen noch bei 25 bis 28 Millionen Euro. Über die mehr als 3.500 Unternehmenskunden, darunter Auxmoney, Clark und Jung von Matt, läuft mittlerweile ein Transaktionsvolumen von mehreren Milliarden US-Dollar pro Jahr.

Zur operativen Refinanzierung greift Pliant auf eine Kreditkartenlinie über 200 Millionen Euro zurück, die eine Partnerschaft mit der Vereinigten Volksbank Raiffeisenbank absichert.

Berichte aus dem Unternehmensumfeld, wonach das operative Geschäft bereits Ende 2024 profitabel gewesen sei, decken sich nicht mit den publizierten Finanzkennzahlen. Der Jahresfehlbetrag belief sich 2023 auf rund 11,5 Millionen Euro und lag 2024 bei etwa 11,8 Millionen Euro. Das Führungsteam um CEO Malte Rau und den seit September 2025 amtierenden CFO Paul Harrald verschob das Erreichen der Gewinnschwelle folglich von 2027 auf das Jahr 2028.

Zur aktuellen Bewertung machten weder das Unternehmen noch die Investoren offizielle Angaben. Im Rahmen der Series A Anfang 2023 taxierten Marktteilnehmer das Unternehmen noch auf knapp unter 100 Millionen Euro, während interne Schätzungen Ende 2024 eine Spanne von 250 bis 300 Millionen Euro nannten. Ausgehend von branchenüblichen Multiples des zwei- bis sechsfachen ARR ergibt sich rechnerisch ein Korridor von 200 bis 600 Millionen US-Dollar.

Ausblick auf Marktposition und Integration

Mit dem Einstieg des neuen Großinvestors wachsen die operativen Anforderungen an das Berliner Fintech. Neben dem forcierten organischen Wachstum steht Pliant vor der Aufgabe, frühere Übernahmen wie den Cash-Management-Dienst Friday Finance und das im April 2025 zugekaufte österreichische Startup hi.health vollständig in die bestehende Infrastruktur zu integrieren.

In den Vereinigten Staaten trifft Pliant auf kapitalstarke Platzhirsche wie Brex und Ramp, die den Markt für B2B-Karten dominieren. Für Marktbeobachter wird entscheidend sein, ob die Beteiligung von Citi Ventures tatsächlich zu konkreten Vertriebskooperationen oder gemeinsamen Produktlinien führt. Davon hängt maßgeblich ab, ob Pliant das hohe Umsatztempo beibehalten kann, ohne den Zeitplan für die Profitabilität im Jahr 2028 erneut korrigieren zu müssen.