Die Prada Group hat die Übernahme des italienischen Luxuslabels Versace abgeschlossen. Mit einem Kaufpreis von 1,25 Milliarden Euro (rund 1,4 Milliarden US-Dollar) übernimmt der Luxuskonzern das Modehaus von der US-amerikanischen Capri Holdings Ltd. Ziel der Übernahme ist die Stärkung der italienischen Luxusindustrie und die Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit gegenüber großen französischen Konzernen wie LVMH und Kering.

Die Transaktion umfasst zudem personelle Veränderungen in der Führung von Versace.

Strategische Neuausrichtung im Luxussegment

Die Übernahme von Versace durch die Prada Group ist ein bedeutsamer Schritt in einer Phase zunehmender Konsolidierung im Luxusgütermarkt. Prada reagiert damit auf ein Marktumfeld, in dem Konzerne wie LVMH mit einem jüngsten Umsatz von fast 85 Milliarden Euro und Kering eine führende Rolle spielen. Mit der Übernahme will Prada ein italienisches Gegengewicht zu diesen Giganten aufbauen.

Patrizio Bertelli, Chairman und Executive Director der Prada Group, äußerte sich zur Übernahme: „We are ready and well-positioned to write a new page in Versace’s history.“ Die Prada Group hat seit 2019 rund 200 Millionen Euro in ihre Lieferkette investiert, allein in diesem Jahr 60 Millionen Euro. Dies unterstreicht die strategische Bedeutung operativer Exzellenz.

Zur Prada Group gehören neben der Kernmarke Prada auch Miu Miu sowie weitere Marken wie Church's und Marchesi 1824. Die Gruppe erzielte im Jahr 2024 einen Umsatz von 5,4 Milliarden Euro, ein Anstieg von 17 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Miu Miu verzeichnete 2024 ein Retail-Wachstum von 93 Prozent.

Pro-forma würde Versace 13 Prozent des Umsatzes der erweiterten Gruppe ausmachen, Prada selbst 64 Prozent und Miu Miu 22 Prozent.

Personelle Weichenstellungen und Marktumfeld

Im Zuge der Übernahme kommt es zu personellen Änderungen bei Versace. Lorenzo Bertelli, Sohn von Miuccia Prada und Patrizio Bertelli, wird Executive Chairman von Versace. Er ist bereits Chief Marketing Officer und Head of Corporate Social Responsibility der Prada Group.

Bertelli betonte, die Übernahme stärke die Gruppe, da es keine Überschneidungen in Kreativität oder Kundenkreis gebe. Er ergänzte: „We are buying a brand with huge potential, with a very recognizable aesthetic.“

Donatella Versace, Schwester des Gründers Gianni Versace, wechselte von der Rolle der Kreativdirektorin zur Position des Chief Brand Ambassador. Zudem kündigte sie ein neues Mode- und Beauty-Projekt in einem Joint Venture mit der kalifornischen Gruppe Revolve an. Erste Produkte werden für 2027 erwartet.

Dario Vitale, zuvor Head of Design bei Miu Miu, ist der neue Kreativdirektor von Versace. Vitale begann seine Laufbahn 2010 bei Miu Miu. Seine erste Versace-Kollektion wird im Frühjahr 2026 in die Läden kommen. Emmanuel Gintzburger bleibt CEO von Versace.

Das Geschäftsumfeld von Versace war zuletzt herausfordernd. Der Umsatz von Versace sank im Fiskaljahr bis März 2024 um 6,6 Prozent auf 1,03 Milliarden US-Dollar. Capri Holdings hatte Versace 2018 für 2 Milliarden US-Dollar erworben.

Damals nannte Capri Umsatzziele für seine Marken, darunter 2 Milliarden US-Dollar für Versace, 1 Milliarde US-Dollar für Jimmy Choo und 5 Milliarden US-Dollar für Michael Kors. Der Umsatz von Capri Holdings lag 2024 bei 5,2 Milliarden Euro. Neil Saunders von Globaldata bemerkte dazu: „Versace is a big name, but still a relatively small business that should be bigger.“

Ausblick auf Integration und Marktpositionierung

Analysten sehen in dem Zusammenschluss eine mögliche Konsolidierung des italienischen Luxussegments. Milton Pedraza vom Luxury Institute kommentierte: "The Prada-Versace pact marks 'the beginnings of a luxury fashion conglomerate that is Italian-owned and Italian-driven'."

Morningstar-Analystin Jelena Sokolova erwartet kurzfristigen Druck auf die Margen der Prada Group. Sie führt an: „I do expect early pressures on [Prada Group’s] margins, given that, currently, Versace is unprofitable, it needs reinvestment, and revenue needs to pick up.“

Lorenzo Bertelli äußerte sich zur Produktions- und Fertigungsseite. Er betonte, dass Versace nun die Möglichkeit erhalte, vollständig in Pradas industrielle Produktion einzusteigen. Dies bedeute nicht nur den Zugang zu einem strukturierteren und anspruchsvolleren Fertigungsökosystem, sondern auch die Nutzung von Prozessen, Fachwissen und Kapazitäten, die die Handwerkskunst und operative Stärke der Marke verbessern könnten.

Der nächste Gewinnaufruf der Prada Group im März 2026 wird voraussichtlich erste Einblicke in die finanziellen Auswirkungen der Übernahme geben. Offene Fragen bestehen weiterhin, etwa zu Spekulationen über einen möglichen Verkauf von Jimmy Choo durch Capri Holdings. Diese Spekulationen folgen unter anderem auf die Ablehnung eines geplanten Zusammenschlusses mit Tapestry durch US-Behörden.

Die Übernahme von Versace durch Prada ist Teil einer Phase verstärkter Übernahmen und Neuausrichtungen im globalen Luxusgütermarkt. Sie könnte die Konsolidierung im Segment weiter beschleunigen und die Machtverhältnisse neu ordnen.