Prada schafft in der Mailänder Galleria Vittorio Emanuele II ein erweitertes Luxus-Einzelhandelserlebnis namens „Prada Galleria“. Das Projekt integriert bestehende Geschäfte und neue Konzepte zu einem achtstöckigen Komplex; die öffentliche Eröffnung ist für September 2026 geplant. Damit reagiert Prada auf die wachsende Bedeutung des Markenerlebnisses jenseits des reinen Produktverkaufs.

Historische Verankerung in Mailand

Die Verbindung zwischen Prada und der Galleria Vittorio Emanuele II reicht bis ins Jahr 1913 zurück. Mario und Martino Prada eröffneten dort das erste Geschäft unter dem Namen Fratelli Prada. Die 1877 fertiggestellte Galleria, entworfen von Giuseppe Mengoni, verbindet den Dom mit der Scala.

Prada nutzt diese historische Verankerung, um das neue Angebot in der Galleria zu platzieren. Die Eröffnung der erweiterten „Prada Galleria“ erfolgt parallel zur Mailänder Modewoche.

Der neu konzipierte Komplex erstreckt sich über acht Etagen und nimmt eine Gesamtfläche von 5.000 Quadratmetern ein. Prada fusioniert dabei das historische Womenswear-Geschäft „Prada Donna“ mit dem bestehenden Menswear-Geschäft „Prada Uomo“. Ein unterirdischer „Passaggio Segreto“ verbindet die beiden Standorte und dient zugleich als Ausstellungsfläche für Objekte aus dem Archiv sowie weniger bekannte Episoden der Unternehmensgeschichte.

Im „Prada Donna“-Store sind weiterhin die originalen Mahagoniregale von Mario Prada erhalten. Die Ausstellungsfläche verdoppelt sich und wird um Bereiche für Reisen, Schönheit und Home-Produkte erweitert.

Von der Pradasphere bis zum privaten Appartamento

Im Herzen der „Prada Galleria“ entsteht die „Pradasphere“, eine permanente Ausstellung, die die Geschichte des Hauses Prada von seiner Gründung bis heute nachzeichnet. Archivartefakte werden teilweise erstmals öffentlich gezeigt. Die obersten Ebenen des Komplexes nimmt das „Osservatorio Fondazione Prada“ ein, eine Plattform für visuelle Experimentation, Technologie und Medien.

Prada integriert zudem die Pasticceria Marchesi 1824, die 2014 von der Prada Group übernommen wurde und seit September 2016 mit einer Filiale in der Galleria vertreten ist. „The Studio“ im zweiten Stock über der Pradasphere bietet intime Salon-Räume für Einkäufe nach Terminvereinbarung und einen zentralen Saal für private Veranstaltungen. Das auf Einladung zugängliche „Appartamento“ wurde von Miuccia Prada als hypothetischer Wohnraum konzipiert.

Es beherbergt eine von Andreas Gursky kuratierte Ausstellung und kombiniert antike italienische Möbel mit zeitgenössischer Kunst. Zu den Angeboten zählen private Hospitality-Leistungen und ein exklusiver Privatkunden-Salon.

Strategie im Wandel: Markenerlebnis statt reiner Verkauf

Miuccia Prada und Patrizio Bertelli prägen das Unternehmen seit den späten 1970er Jahren. Lorenzo Bertelli, CMO und Head of Corporate Social Responsibility der Prada Group, bezeichnet die Galleria als einen sentimentalen Ort für die Familie und betont, dass es nicht nur um das Store-Konzept gehe, sondern darum, die Unternehmensgeschichte zu erzählen. Andrea Guerra, Konzernchef von Prada, beschreibt den Standort als eine Destination aus Kultur, Kreativität und Handel.

Die Neuausrichtung spiegelt einen breiteren Trend im hochwertigen Handel wider: Das gesamte Erlebnis aus Beratung, Markenidentität und Kundenbeziehung gewinnt als Differenzierungsfaktor an Bedeutung. Die Prada Group erzielte im vergangenen Jahr einen Gruppenumsatz von 5,7 Milliarden Euro und betreibt weltweit 423 direkt geführte Boutiquen. Das Projekt gilt in der Berichterstattung als klares Statement der Marke.

Die Prada S.p.A.-Aktie notierte am 21. September 2026 vorbörslich 3,5 Prozent schwächer bei 4,17 Euro. Seit Jahresbeginn beträgt das Minus 16 Prozent.

Anleger wägen die Investitionen in Prestigeprojekte und Markenpräsenz gegen die aktuelle Konsumdynamik im globalen Luxussegment ab.