Die Kreditvergabe an den deutschen Mittelstand gerät zunehmend ins Stocken, während strengere Eigenkapitalvorschriften traditionelle Banken zur Zurückhaltung zwingen. Laut einer Erhebung von KfW Research melden im zweiten Quartal 2026 rund 40 Prozent der Kredit suchenden mittelständischen Betriebe Hürden beim Kreditzugang. In diese Finanzierungslücke stoßen spezialisierte Nichtbanken: Private-Credit-Fonds etablieren sich als Finanzierungsquelle für größere Unternehmen, die trotz hoher Zinskosten auf flexibles Kapital für Übernahmen und Transformationen zurückgreifen.

Restriktive Banken treiben das Marktwachstum

Der Rückzug klassischer Kreditinstitute aus risikoreicheren Engagements hat regulatorische Ursachen. Vorgaben aus dem Regelwerk von Basel III und Basel IV verpflichten Banken, Kredite mit mehr Eigenkapital zu unterlegen. Sparkassen, Landesbanken und Großbanken finanzieren fremdfinanzierte Akquisitionen sowie komplexe Unternehmensnachfolgen daher immer seltener.

Private-Debt-Fonds füllen dieses Vakuum zügig. Das im deutschen Private-Credit-Segment verwaltete Vermögen liegt bei über 25 Milliarden Euro. Das entspricht circa 15 bis 18 Prozent des europäischen Gesamtmarkts, den die Erhebung auf rund 400 Milliarden US-Dollar beziffert.

Mit jährlichen Wachstumsraten zwischen 15 und 18 Prozent wächst der deutsche Markt schneller als der britische. Auf Deutschland entfallen inzwischen 15 bis 20 Prozent aller europäischen Direct-Lending-Transaktionen. Rund 70 Prozent des hiesigen Geschäfts dominieren US-amerikanische Fondsgesellschaften. Anbieter nach deutschem Recht spielen am Markt hingegen kaum eine Rolle.

Flexible Konditionen verlangen hohe Risikoaufschläge

Ein wesentlicher Vorteil der Kreditfonds liegt in der Transaktionsgeschwindigkeit und Strukturierungsfreiheit. Entscheidungen fallen in schlanken Investmentkomitees, wodurch langwierige Abstimmungen in Bankenkonsortien entfallen. Fonds passen Tilgungsstrukturen direkt an Cashflows an oder stellen kurzfristig zusätzliche Liquiditätslinien bereit.

Gefragt sind diese Modelle vorrangig bei Unternehmen mit stabilen Erträgen, etwa IT-Dienstleistern, Firmen im Gesundheitssektor oder industriellen Servicegesellschaften.

Für diese Flexibilität verlangen Fonds allerdings spürbare Risikoaufschläge. Die Kredite sind variabel verzinst und mit hohen Margen versehen. Bei Ticketgrößen von 50 bis 300 Millionen Euro fordern paneuropäische Direct Lender Margen von Euribor plus 500 bis 650 Basispunkten.

Für Finanzierungen zwischen 15 und 75 Millionen Euro liegen die Margen regelmäßig bei Euribor plus 600 bis 800 Basispunkten.

Miriam Vogel, Divisional Head Financial Engineering bei der Commerzbank, ordnet die Entwicklung ein: „Private Debt ist in der Regel deutlich teurer als ein klassischer Bankkredit. Vergütet werden insbesondere zusätzliche Flexibilität und Risikotragfähigkeit.“ Die variablen Zinsen verteuern den Schuldendienst in Phasen hoher Leitzinsen unmittelbar.

Verschlechtern sich die Geschäftszahlen, greifen zudem strikte Vertragsklauseln: Bei Verletzung vereinbarter Finanzkennzahlen werden Waiver Fees fällig, die typischerweise bei rund einem Prozent der Kreditsumme liegen.

Komplexe Sicherheiten und steuerliche Schranken

Neben den Zinskosten stellen rechtliche und steuerliche Rahmenbedingungen operative Hürden dar. Im deutschen Recht existiert keine pauschale Unternehmenssicherheit wie die anglo-amerikanische „Floating Charge“. Kreditfonds müssen Sicherheiten aufwendig über Anteilsverpfändungen, Forderungsabtretungen, Sicherungsübereignungen und Grundschulden strukturieren.

Das erhöht den juristischen Prüfungsaufwand und verlängert die Transaktionsdauer bei der Erstvergabe.

Zudem begrenzt die Zinsschranke die steuerliche Abzugsfähigkeit der Finanzierungskosten: Ab einem Nettozinsaufwand von drei Millionen Euro ist der steuerliche Abzug auf maximal 30 Prozent des steuerlichen EBITDA gedeckelt. Parallel dazu greift die gewerbesteuerliche Hinzurechnung von 25 Prozent der Dauerschuldzinsen. Diese Faktoren verringern den Hebeleffekt teurer Private-Credit-Tranchen, weshalb Kreditnehmer ihre künftige Ertragslage genau kalkulieren müssen.

Kooperation statt Verdrängung im Mittelstand

Private Credit bleibt vorerst ein Instrument für ein abgegrenztes Segment. Der deutsche Mittelstand umfasst rund 3,3 bis 3,5 Millionen Unternehmen, von denen rund 99 Prozent weniger als 50 Millionen Euro Jahresumsatz erzielen. Für die breite Masse kleinerer Betriebe bleiben Haus- und Förderbanken die zentralen Ansprechpartner, da die Margen der Kreditfonds für dieses Volumengeschäft wirtschaftlich nicht tragfähig sind.

Entsprechend konzentriert sich Direct Lending auf größere Transaktionen: 55 bis 65 Prozent des deutschen Dealvolumens entfallen auf fremdfinanzierte Übernahmen mit Private-Equity-Beteiligung. Weitere 35 bis 45 Prozent fließen in Refinanzierungen, Nachfolgen und Wachstumsfinanzierungen von Familienunternehmen ohne Finanzinvestoren.

In der Praxis zeichnet sich daher keine Verdrängung der traditionellen Institute ab, sondern eine zunehmende Arbeitsteilung. Banken und Kreditfonds strukturieren Finanzierungen vermehrt gemeinschaftlich: Ein vorrangig besichertes Bankdarlehen wird dabei mit einer nachrangigen, höher verzinsten Tranche eines Private-Credit-Fonds kombiniert. Marktbeobachter gehen davon aus, dass dieses hybride Modell weiter an Bedeutung gewinnt, solange regulatorische Hürden das Bankgeschäft belasten und der Transformationsbedarf im Mittelstand alternatives Kapital erfordert.