Der US-Halbleiterkonzern Qualcomm leitet nach anhaltender Geschäftsschwäche einen weltweiten Personalabbau ein. Das Management reagiert damit auf eine Abkühlung im Markt für Smartphone-Prozessoren sowie auf beschleunigte Umsatzverluste beim Großkunden Apple. Gleichzeitig vollzieht der Chiphersteller einen strategischen Umbau hin zu Rechenzentren und KI-Anwendungen, während ein Rechtsstreit mit dem britischen Lizenzpartner Arm Holdings andauert.
Schwächelndes Smartphone-Geschäft erzwingt Stellenabbau
Konzernchef Cristiano Amon stimmt die Belegschaft in einem internen Rundschreiben auf Einschnitte ein. Die Streichungen folgen direkt auf die jährlichen Leistungsbeurteilungen und laufen intern unter der Bezeichnung einer leistungsorientierten Reduzierung („performance-focused reduction“). Das Unternehmen beschäftigt weltweit rund 52.000 Mitarbeiter, überwiegend in Vollzeit.
Die Benachrichtigungen an betroffene Angestellte beginnen im November. Den genauen Umfang der Kündigungen lässt das Management im Schreiben vorerst offen.
Der Schritt markiert die Zuspitzung einer seit Monaten erkennbaren Schieflage im Kerngeschäft. Stark gestiegene Speicherpreise belasten die weltweite Nachfrage nach Unterhaltungselektronik und dämpfen die Verkäufe von Mobilgeräten. Zudem verliert Qualcomm das Geschäft mit Apple schneller als ursprünglich prognostiziert.
Apple treibt die Entwicklung eigener Modems und Prozessoren voran, was Qualcomms Erlösbasis bei einem seiner wichtigsten Großkunden schmälert. Bereits im Juli prognostizierte das Management für das Folgequartal Gewinne, die unter den Erwartungen der Analysten lagen.
In seinem Memo betont Amon, dass die Ausweitung der Geschäftsfelder neue Kompetenzen erfordert. Qualcomm müsse die passenden Personen in den entsprechenden Positionen einsetzen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Zugleich nimmt der Vorstandschef jene Unternehmensbereiche ins Visier, die zuletzt wiederholt hinter den internen Vorgaben zurückblieben.
Strategische Neuausrichtung auf das Rechenzentrum
Hinter dem Personalabbau steht eine Umschichtung der Konzernressourcen. Qualcomm arbeitet daran, die Abhängigkeit vom zyklischen Smartphone-Markt nachhaltig zu verringern. Bis zum Geschäftsjahr 2027 plant das Management, die Mehrheit der Chip-Umsätze außerhalb des Segments für Mobiltelefone zu erwirtschaften.
Im Zentrum dieser Strategie stehen Prozessoren für künstliche Intelligenz und Rechenzentren.
Als technologisches Fundament für diesen Schwenk dienen die sogenannten Oryon-Kerne. Diese Architektur basiert auf der Übernahme des Chip-Startups Nuvia, das Qualcomm im Jahr 2021 für rund 1,4 Milliarden US-Dollar kaufte. Mit den Hochleistungskernen will der Konzern direkt gegen etablierte Anbieter im Servermarkt antreten und Hyperscalern spezialisierte Siliziumlösungen für rechenintensive KI-Workloads liefern.
Die Neuausrichtung verlangt tiefgreifende Veränderungen in der Qualifikation der Belegschaft. Entwickler für mobile Funkmodems genügen allein nicht für den Einstieg in den Markt für Serverplattformen. Der Konzern baut Stellen in klassischen Bereichen ab, um finanzielle Mittel gezielt in Entwicklungskapazitäten für Cloud-Infrastruktur und KI-Beschleuniger zu lenken.
Formeller Sieg gegen Arm mit offenem Milliardenrisiko
Parallel zur operativen Restrukturierung endete ein Prozess vor einem US-Bundesgericht in Delaware mit einem Teilerfolg gegen den Lizenzpartner Arm. Eine Geschworenenjury stellte Mitte Oktober fest, dass Arm bestehende Lizenzvereinbarungen mit Qualcomm brach. Demnach hielt Arm essenzielle Software- und Testwerkzeuge zurück und störte durch gezielte Indiskretionen Verhandlungen zwischen Qualcomm und Meta Platforms.
Die Jury sprach Qualcomm einen symbolischen Schadenersatz von insgesamt zwei US-Dollar zu, jeweils ein US-Dollar für die verweigerte Softwareunterstützung und die Störung des Meta-Geschäfts. Arm wertet den Richterspruch dennoch als Bestätigung, im Kern rechtmäßig gehandelt zu haben.
Der juristische Konflikt reicht indessen deutlich tiefer. Nach der Übernahme von Nuvia entstand Streit darüber, ob Qualcomm die Nuvia-Entwürfe ohne gesonderte Lizenzvereinbarungen mit Arm nutzen darf. Im Verfahren fordert Qualcomm ein fünfjähriges Moratorium auf Lizenzzahlungen an Arm.
Dieses Moratorium hätte einen Gegenwert von mehreren Milliarden US-Dollar. Die Entscheidung darüber obliegt US-Bezirksrichterin Maryellen Noreika, die ihr Urteil in den kommenden Monaten fällt.
Anleger reagieren verhalten auf die Transformation
An den Finanzmärkten dominiert Zurückhaltung. Während der Philadelphia Semiconductor Index im bisherigen Jahresverlauf um fast 60 Prozent zulegte und der breite Leitindex S&P 500 um über 12 Prozent stieg, verzeichnet die Qualcomm-Aktie lediglich ein Plus von 1,5 Prozent. Der Konzern kommt derzeit auf eine Marktkapitalisierung von rund 210 Milliarden US-Dollar.
Der britische Lizenzgeber Arm bringt es an der Börse zeitgleich auf eine Bewertung von rund 243 Milliarden US-Dollar.
Investoren bewerten Qualcomms Position im gegenwärtigen Halbleiterzyklus mit Skepsis. Während Konkurrenten wie Nvidia von den massiven Ausgaben für generative künstliche Intelligenz profitieren, leidet Qualcomm weiterhin unter der schwächelnden Konsumnachfrage. Zudem erschwert der beschleunigte Wegfall der Apple-Erlöse das Erreichen der mittelfristigen Wachstumsziele.
In den kommenden Quartalen entscheidet sich, ob Qualcomm den Übergang zum Infrastrukturanbieter bewältigt, bevor die Einnahmen aus dem Smartphone-Geschäft weiter einbrechen. Marktbeobachter warten auf die Bekanntgabe der konkreten Entlassungszahlen im November sowie auf den Richterspruch von Noreika. Scheitert das Lizenzmoratorium, muss Qualcomm weiterhin Milliardenbeträge an Arm überweisen – ausgerechnet an jenen Partner, dessen Architektur der Konzern im lukrativen Servergeschäft herausfordern will.







