Der Chiphersteller Qualcomm und der Chip-Architekt Arm stehen sich aktuell in einem Rechtsstreit vor einem Bundesgericht in Delaware gegenüber. Im Kern der Auseinandersetzung stehen Qualcomms Vorwürfe, Arm habe vertraglich zugesicherte Chip-Testwerkzeuge zurückgehalten. Zudem soll Arm eine Kündigungsdrohung an die Presse weitergegeben haben.
Der Ausgang des fünftägigen Geschworenenprozesses beeinflusst Lizenzzahlungen und den Markt für KI-gestützte PCs.
Ein komplexer Streit eskaliert
Qualcomm behauptet, Arm habe den kalifornischen Chiphersteller vertragsbrüchig bei der Bereitstellung von Testwerkzeugen für Chip-Designs behindert. Weiterhin sagt Qualcomm, die gezielte Weitergabe einer Kündigungsandrohung an die Presse habe Geschäftsbeziehungen geschädigt. Qualcomm verlangt unter anderem, bis zu fünf Jahre lang keine Lizenzgebühren an Arm zahlen zu müssen.
Dies würde Lizenzzahlungen in Milliardenhöhe betreffen. Richterin Maryellen Noreika prüft, ob eine entsprechende Vertragsbestimmung zur Begrenzung der Schadensersatzforderungen anwendbar ist.
Arm weist die Vorwürfe des Vertragsbruchs zurück und hält die behaupteten Schäden an Qualcomms Chip-Deals für zu spekulativ. Gregg LoCascio, Arms Anwalt, bezeichnete die Klage Qualcomms im Wesentlichen als Versuch, ein Gerichtsverfahren als Druckmittel in einem geschäftlichen Konflikt einzusetzen. Zudem argumentiert Arm, Qualcomm habe selbst vertrauliche Informationen über kartellrechtliche Untersuchungen gegen Arm an Reporter weitergegeben.
Eine Entschädigung für Leaks könne Qualcomm daher nicht geltend machen.
Vorgeschichte und die Nuvia-Causa
Der aktuelle Rechtsstreit ist das jüngste Kapitel einer umfangreichen juristischen Auseinandersetzung zwischen den beiden Unternehmen. Ein zentraler Punkt war die Übernahme des Chip-Startups Nuvia durch Qualcomm im Jahr 2021 für 1,4 Milliarden US-Dollar. Arm reichte 2022 eine Klage gegen Qualcomm ein, in der es unter anderem um den Transfer von Nuvia-Lizenzen nach der Übernahme ging.
Arm argumentierte, Nuvias Lizenzen seien nach der Übernahme erloschen, da ein Transfer ohne Zustimmung von Arm nicht zulässig sei. Nuvia hatte laut Arm eine vergünstigte Lizenz für Server-Prozessoren. Diese betrachtete Arm nach der Übernahme nicht automatisch als auf Qualcomm übertragbar und forderte eine neue Lizenz.
Qualcomm hielt demgegenüber fest, es besitze breite, etablierte Lizenzrechte, die seine angepassten CPUs abdecken.
Im Dezember 2024 entschied eine Jury in Delaware zugunsten von Qualcomm in zentralen Punkten des Nuvia-Streits. Ein US-Bundesgericht bestätigte dieses Ergebnis im September 2025. Damit darf Qualcomm die Oryon-Kerne weiter nutzen, ohne neue Lizenzvereinbarungen abzuschließen.
Ann Chaplin, General Counsel und Corporate Secretary bei Qualcomm, sprach nach den Urteilen von einem „vollständigen und endgültigen Sieg“. Gerard Williams III, Senior Vice President of Engineering bei Qualcomm und Nuvia-Mitgründer, sagte, die Oryon-Kerne enthielten „ein Prozent oder weniger“ Technologie von Arm.
Auswirkungen auf den Markt und Geschäftszahlen
Die Auseinandersetzungen haben das Potenzial, den Markt für KI-gestützte PCs zu beeinflussen. Ein Sieg von Arm könnte nach Einschätzung von Quellen die Auslieferung neuer Laptops mit Snapdragon-X-CPUs behindern. Betroffene PC-Hersteller sind unter anderem Microsoft, Asus, Acer, Lenovo, HP und Dell.
Arm schreibt in seinem Jahresbericht, man könne keine Zusicherungen über den Ausgang der Rechtsstreitigkeiten oder deren Auswirkungen auf die Beziehung zu Qualcomm geben. Qualcomm trug im Geschäftsjahr bis zum 31. März 2026 rund neun Prozent zu Arms Gesamtumsatz bei.
Anfang des Prozesses am 5. Oktober 2026 reagierten die Aktienmärkte. Die Qualcomm-Aktie fiel an diesem Tag um 2,21 Prozent, die Arm-Aktie um 1,49 Prozent. Im bisherigen Jahresverlauf bis dahin verzeichnete Qualcomm etwa sechs Prozent Kurszuwachs, Arm lag bei über 168 Prozent. Der iShares Semiconductor ETF (SOXX) legte im gleichen Zeitraum fast 88 Prozent zu.
Ausblick und offene Fragen
Der fünftägige Geschworenenprozess in Delaware soll ein erstes Urteil in der aktuellen Streitigkeit bringen. Parallel läuft ein separates Verfahren, in dem Richterin Noreika prüfen wird, ob Arm bei Verhandlungen über die nächste Generation seiner Chip-Architektur in gutem Glauben gehandelt hat. Die betreffende Lizenzvereinbarung bleibt bis 2033 in Kraft.
Die Entscheidungen können die Finanzbeziehungen zwischen den Unternehmen verändern. Zugleich können sie Auswirkungen auf Innovation und Wettbewerb im Bereich von Prozessoren für KI-PCs haben. Für Hersteller oder Investoren ist eine Klärung der Lizenzrechte wichtig für die Planungssicherheit künftiger Produkte.







