Der deutsche Drohnenhersteller Quantum Systems weitet seine Präsenz in den Vereinigten Staaten aus. Maßgeblich unterstützt wird diese Expansion durch den Investor In-Q-Tel (IQT), der dem Unternehmen den Zugang zu US-Behörden wie CIA und FBI erleichtert. Die Entwicklung verdeutlicht, wie europäische Deep-Tech-Unternehmen Allianzen und Lokalisierung nutzen, um den US-Markt zu erschließen.
Strategische Partnerschaft mit weitreichender Wirkung
Quantum Systems, ein Münchener Entwickler von Aufklärungs- und Kampfdrohnen, profitiert beim Markteintritt in den USA von der Unterstützung durch In-Q-Tel. IQT, gegründet von ehemaligen Geheimdienstmitarbeitern, investiert in Technologien, die für die nationale Sicherheit der USA relevant sind. Insidern zufolge liegen viele IQT-Investments oft unter drei Millionen US-Dollar.
Der Wert dieser Beteiligungen liegt weniger in der reinen Kapitalhöhe als in den Netzwerken und dem Zugang, den IQT vermittelt.
Sven Kruck, Co-CEO von Quantum Systems, bestätigt: „Es hat uns den Startpunkt in den USA in Richtung Kunden wie CIA und FBI bestimmt erleichtert.“ Er bezeichnet das Geschäft aus einem Aufklärungsvertrag mit US-Geheimdiensten als „bescheiden“. Gleichwohl betont Kruck, es habe geholfen, die Glaubwürdigkeit des Unternehmens aufzubauen und den Weg in die USA zu ebnen.
Die Rolle von IQT geht damit über die eines reinen Finanzinvestors hinaus. Jennifer Nelson, Executive Vice President International bei IQT, erklärt: „Europas Deep-Tech-Ökosystem ist eine entscheidende Quelle für missionsrelevante Innovationen“ und „Deutschland ist ein besonders wichtiger Innovationspartner und strategischer Verbündeter.“ IQT beabsichtigt, seine Investitionen in deutsche Dual-Use-Innovatoren auszuweiten, „damit alliierte Regierungsteams bahnbrechende Fähigkeiten schneller bewerten und einführen können.“
Marie-Agnes Strack-Zimmermann, Vorsitzende des Sicherheits- und Verteidigungsausschusses des Europäischen Parlaments, warnt, dass Akteure wie In-Q-Tel Kapital und Zugang zu staatlichen Bedarfsträgern mit einem sicherheitspolitischen Auftrag verknüpfen. „Über Beteiligungs- und Beobachterrechte, Entwicklungs- und Lizenzvereinbarungen sowie den Zugang zu Regierungsaufträgen kann strategischer Einfluss entstehen, der über das US-Geschäft hinausgeht“, sagt sie.
Wachstum und Lokalisierung in den USA
Quantum Systems wird in der Recherche mit einer Bewertung von rund acht Milliarden US-Dollar genannt und zählt damit zu den größeren Rüstungs-Startups in Europa. Das Unternehmen liefert Aufklärungs- und Kampfsysteme unter anderem an die Ukraine und an Deutschland. Für die Ukraine sind etwa 3.000 Systeme vorgesehen.
Im März 2026 erhielt Quantum Systems einen Vertrag der U.S. Army für sein Mittelstrecken-Aufklärungsprogramm. Bis Ende Juli wurden 88 Systeme ausgeliefert.
Um die Nähe zu Verteidigungskunden zu verstärken und US-Ingenieurskapazitäten auszubauen, eröffnete Quantum-Systems Inc., die US-Tochter, am 24. August 2026 ein Engineering- und R&D-Büro in Huntsville, Alabama. Die Einrichtung misst 3.200 Quadratfuß und soll zunächst rund zehn bis 15 Ingenieure und Unterstützungspersonal beherbergen.
Huntsville, bekannt als „Rocket City“, gilt als Zentrum für Verteidigungs- und Raumfahrtinnovationen.
Dave Sharpin, CEO von Quantum-Systems Inc., erklärt, das Büro ermögliche, „näher an unseren Kunden zu sein, unsere Ingenieursbasis zu erweitern und die Entwicklung von unbemannten Systemen der nächsten Generation zu beschleunigen.“ Er führt weiter aus: „Wir werden alle unsere Anstrengungen im Bereich Counter-UAS hier in Huntsville konzentrieren. Wir fangen in diesem Bereich gerade erst an.“
Sharpin unterstreicht zudem die Notwendigkeit, an mehreren Standorten präsent zu sein: „Ich hatte immer die Vision, dass wir nicht nur ein kalifornisches Unternehmen sein können. Wir mussten verschiedene Standorte haben, die nah an unseren Kunden sind.“
Marktposition und Perspektiven
Quantum Systems nennt als Reaktion auf Vorgaben der US-Regierung für ausländische Rüstungslieferanten die lokale Produktion und Personal in den USA als Gründe für die Verlagerung. „Deswegen haben wir Fabriken in den USA und Personal dort“, so Sven Kruck.
Der Markteintritt und die schnelle Etablierung in den USA durch Quantum Systems veranschaulichen, wie sich Kapital, Netzwerkzugang und Lokalisierung kombinieren lassen. Die Rolle von IQT wird in der Recherche wiederholt als entscheidend für den Zugang zu US-Behörden beschrieben. Analysten beobachten, wie sich Bewertungen und Marktanteile europäischer Rüstungs-Startups entwickeln und ob weitere Unternehmen diesem Modell folgen, um ihre Position in den USA zu stärken.
Eine solche Strategie könnte neue Wege für europäische Deep-Tech-Unternehmen eröffnen, birgt aber auch Implikationen hinsichtlich des strategischen Einflusses nicht-staatlicher Akteure in der Verteidigungsindustrie.







