Das Münchner Startup Quantum Systems gibt an, mit seiner Technologie russische „Geran“-Drohnen erfolgreich abfangen zu können. Die Meldung verweist auf den strategischen Wandel des Unternehmens und seine Ambitionen, sich als relevanter Akteur in der europäischen Verteidigungsindustrie zu positionieren. Quantum Systems agiert damit in einem Markt für Rüstungstechnologie, der durch den Ukraine-Krieg und veränderte geopolitische Rahmenbedingungen an Bedeutung gewinnt.

Von der Vermessung zur Drohnenabwehr: Ein strategischer Schwenk

Quantum Systems, 2015 von Florian Seibel, Armin Busse und Tobias Kloss gegründet, spezialisierte sich ursprünglich auf zivile Drohnenanwendungen wie Kartierung und Überwachung. Mit dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine vollzog das Unternehmen eine strategische Neuausrichtung. Der Fokus verschob sich auf die Entwicklung und Produktion von Drohnen für Verteidigungs- und Aufklärungszwecke.

Seit April 2022 sind die Aufklärungsdrohnen vom Typ Vector in der Ukraine im Einsatz. Diese absolvierten 2025 über 19.000 Missionen in der Ukraine.

Berichte nennen ein Abfangsystem von Quantum Systems, das in verschiedenen Quellen als „Jäger“ oder „Strila“ bezeichnet wird. Dieses System wurde zusammen mit dem ukrainischen Partner WIY entwickelt und ist zur Abwehr moderner „Geran“-Varianten mit Jetantrieb vorgesehen. Das System arbeitet nach dem Hit-to-Kill-Prinzip, nutzt elektrischen Antrieb und kombiniert Feststoffraketentechnologie.

Es wird aus einer kompakten Startbox abgefeuert. Der Stückpreis liegt im niedrigen vierstelligen Bereich. Die Bundesregierung finanziert die Serienproduktion von Abfangsystemen in der Ukraine.

Im März 2026 bestellte die Ukraine 15.000 Einheiten der als „Strila“ bezeichneten Abfangdrohne.

Starkes Wachstum und ambitionierte Finanzierungsziele

Der strategische Wandel spiegelt sich in Finanzzahlen und Expansionsplänen wider. Quantum Systems berichtet von dreistelligem Umsatzwachstum und Profitabilität. Für 2025 prognostizierte das Unternehmen einen Umsatz von rund 300 Millionen Euro. Für 2026 werden in den Quellen rund 700 Millionen Euro genannt.

Die Mitarbeiterzahl lag im Oktober 2025 bei knapp 1.000. Das Unternehmen spricht von einer Verfünffachung der Belegschaft seit Beginn des Ukraine-Kriegs.

In den vergangenen Jahren hat Quantum Systems mehrere Finanzierungsrunden abgeschlossen. Das insgesamt eingeworbene Kapital beziffern die Quellen mit rund 340 Millionen Euro. Anfang 2025 meldete das Unternehmen nach einer Finanzierungsrunde über 160 Millionen Euro den Einhorn-Status mit einer Bewertung von über einer Milliarde Euro.

Zu den Investoren zählen Balderton Capital, Airbus, Hensoldt, Porsche, Project A sowie Blackstone, Advent, Noteus, Fidelity, Wellington Management und die A.P. Moller Holding. Die Beteiligung von Peter Thiel wird ebenfalls genannt.

Eine Series-D-Runde im Juli 2026 brachte 1,2 Milliarden US-Dollar frisches Kapital ein und führte zu einer Bewertung von 8 Milliarden US-Dollar. Zuvor schloss das Unternehmen eine Investorenrunde über 180 Millionen Euro ab, nach der eine Bewertung von rund 3 Milliarden Euro erreicht wurde. Zudem war die Planung einer weiteren Finanzierungsrunde genannt, mit der eine Bewertung von etwa 5 Milliarden Euro angestrebt werden sollte.

Konkurrenz im Bereich Defencetech und internationale Expansion

Quantum Systems betreibt Produktionsstätten in Deutschland, der Ukraine, den USA, Australien, Rumänien, Großbritannien und im Baltikum. Das Unternehmen gibt an, Drohnensysteme ohne Bauteile aus China fertigen zu wollen.

Als strategischer Partner agiert Airbus. Die Zusammenarbeit dient unter anderem der Entwicklung souveräner europäischer Verteidigungstechnologien.

Im Wettbewerbsumfeld stehen andere Defencetech-Startups wie das ebenfalls in München ansässige Unternehmen Helsing. Helsing fokussiert sich auf KI-gesteuerte Drohnen und tätigte Übernahmen wie die von Grob Aircraft und Blue Ocean. Das Unternehmen wird mit etwa 12 Milliarden Euro bewertet.

Der Markt für militärische KI-Technologien wird für 2024 auf über 13 Milliarden US-Dollar geschätzt und soll langfristig auf rund 35 Milliarden US-Dollar wachsen. Die Ausgaben für Defencetech-Startups stiegen 2024 um 24 Prozent auf 5,2 Milliarden US-Dollar.

Ein Beschaffungsplan der Bundeswehr listet einen Auftrag über 520 Aufklärungssysteme des Typs Falke für 210 Millionen Euro im Jahr 2026 mit Optionen für weitere 500 Systeme bis 2032. Dieser Auftrag stellt eine Größenordnung dar, die einen erheblichen Anteil am prognostizierten Umsatz von Quantum Systems für 2025 ausmachen würde.

Ausblick: Ein „Neo-Prime“ für die nächste Generation

Quantum Systems verfolgt die Vision, einen „Neo-Prime der nächsten Generation“ aufzubauen und in mehrere Geschäftsbereiche – Luft, Land, See und Software – zu expandieren. Das Unternehmen tätigte mehrere Übernahmen, darunter den Copterdrohnen-Hersteller Airrobot, den polnischen Sensortechnikspezialisten Weles Acoustic und den britischen Drohnenhersteller Nordic Unmanned UK.

Die gemeldeten Abwehrerfolge stehen vor dem Hintergrund steigender Nachfrage und wachsender Investitionen im Defencetech-Bereich. Der Ausbau von Fertigungskapazitäten und die strategischen Akquisitionen dokumentieren eine klare Wachstumsstrategie des Unternehmens in den zivilen und militärischen Drohnensegmenten. Offen bleibt, wie sich der Wettbewerb im immer dichter werdenden Markt für Verteidigungstechnologien entwickelt und welche Rolle Quantum Systems dabei langfristig einnehmen kann.

Analysten werden die Umsetzung der Expansionspläne und die weitere Marktdurchdringung des Unternehmens genau beobachten.