Die traditionsreiche Luxushotelmarke Raffles expandiert mit einem neuartigen Konzept nach Südflorida. Gemeinsam mit den Entwicklern Mast Capital und BH Group realisiert die zum französischen Accor-Konzern gehörende Marke in Coconut Grove ihr weltweit erstes reines Wohngebäude ohne Hotelbetrieb. Das Projekt an der Biscayne Bay umfasst 35 Eigentumswohnungen zu Einstiegspreisen ab 4,5 Millionen US-Dollar und zielt auf langfristige Eigennutzer sowie Familien ab.
Reines Wohnen statt Hotelbetrieb
Mit dem Projekt an der Adresse 2545 South Bayshore Drive bricht Raffles mit dem branchenüblichen Modell gemischter Hotel- und Residenztürme. Das Gebäude verzichtet vollständig auf wechselnde Übernachtungsgäste. Das Konzept sieht vor, dass keine Hotelgäste ein- und auschecken.
Ziel sei ein privates Wohnhaus mit Service, kein Hotelzimmer im Privateigentum, betont Omer Acar, CEO von Raffles und Orient Express.
Geplant sind Einheiten mit zwei bis viereinhalb Schlafzimmern sowie eine limitierte Anzahl an Penthouses mit privaten Dachterrassen-Pools. Der Entwurf stammt von dem britischen Architekten Brandon Haw.
Da entlang des South Bayshore Drive kaum freie Baugrundstücke existieren, erwarb das Entwicklerkonsortium einen älteren Bestandskomplex und löste die bisherige Eigentümergemeinschaft auf. Durch die Begrenzung auf 35 Einheiten entsteht nach Angaben der Entwickler ein überdurchschnittlich hohes Verhältnis von Gemeinschafts- und Serviceflächen pro Wohneinheit. Die Ausstattung umfasst ein hauseigenes Restaurant, ein Spa- und Fitnesscenter sowie ein Pooldeck auf dem Dach.
Den Vertrieb übernimmt Douglas Elliman Development Marketing.
Steuergetriebene Kapitalflüsse stärken den Markt
Das Vorhaben spiegelt einen strukturellen Wandel des Immobilienmarktes in Südflorida wider. Laut einer Analyse der Miami Association of Realtors auf Basis von IRS-Daten verzeichnete Florida zwischen 2019 bis 2023 einen Nettozufluss an steuerbarem Einkommen in Höhe von 137 Milliarden US-Dollar. Als wesentlichen Treiber nennt die Auswertung Zuzügler aus Hochsteuer-Bundesstaaten wie Kalifornien und Washington.
Dieser Kapitalzufluss verändert die Käuferstruktur nachhaltig. Die Entwickler positionieren das Objekt ausdrücklich für langfristig orientierte Eigennutzer statt für kurzfristige Spekulation. Coconut Grove, das älteste Viertel Miamis, profitiert spürbar von diesem Trend.
Mit dichtem Baumbestand, Segelclubs und einer fußläufigen Struktur gilt Coconut Grove als maritimes Dorf am Wasser. Prominente Zukäufe belegen das wachsende Interesse aus Tech- und Finanzkreisen. Citadel-Gründer Ken Griffin zahlte 2022 einen Rekordpreis von 106,9 Millionen US-Dollar für ein Anwesen im Viertel.
Ende 2025 bis Anfang 2026 erwarb Google-Mitgründer Larry Page zwei benachbarte Ufergrundstücke für zusammen rund 173,4 Millionen US-Dollar.
Verdichtung im Ultra-Luxussegment
Der Einstieg von Raffles erweitert das Angebot im Premiumsegment von Coconut Grove. In direkter Nachbarschaft formieren sich weitere markengebundene Residenzprojekte: die Four Seasons Private Residences Coconut Grove mit 70 Wohneinheiten und Einstiegspreisen ab 5,62 Millionen US-Dollar sowie das Projekt THE WELL mit 194 Einheiten. Beide Vorhaben peilen eine Fertigstellung für das Jahr 2028 an.
Ergänzt wird der Markt durch fertiggestellte oder im Bau befindliche Objekte wie den 2024 übergebenen Mr. C Residences Bayshore Tower und die Arbor Residences mit 45 Einheiten, deren Bezug für 2026 terminiert ist.
Gegenüber den großvolumigen Konkurrenten setzt das Raffles-Konsortium gezielt auf Verknappung. Nach Angaben des Vermarkters lagen bereits vor dem offiziellen Verkaufsstart rund 40 konkrete Interessensbekundungen für die 35 Einheiten vor. Zugleich erhöht die begrenzte Baulandverfügbarkeit zwischen der Bucht und Coral Gables die Markteintrittsbarrieren für künftige Neubauten in diesem Teil Miamis.
Zeitplan und offene Bewertungsfragen
Der Baubeginn für die Raffles Residences ist für 2027 avisiert. Wesentliche Finanzkennzahlen des Vorhabens bleiben bislang unter Verschluss: Mast Capital und die BH Group veröffentlichen keine validierten Angaben zum gesamten Investitionsvolumen oder zum erwarteten Gesamtverkaufserlös. Konkrete Quadratmeterpreise für die verschiedenen Wohnungstypen fehlen in der Erstankündigung ebenso wie ein verbindliches Datum für die finale Fertigstellung und Schlüsselübergabe.







