Das Raffles Family Office baut sein Dienstleistungsangebot für Inhaber großer digitaler Vermögen aus. Über die spezialisierte Plattform Revo Digital Family Office bedient der Vermögensverwalter Unternehmer und vermögende Privatkunden, deren Kapital primär in Digitalwährungen und Stablecoins gebunden ist. Mit neuen aufsichtsrechtlichen Zulassungen in Hongkong reagiert das Multi-Family-Office auf eine Marktlücke, da traditionelle Privatbanken diese Kundengruppe häufig abweisen.
Einlagenstau bei digitalen Großvermögen
Während etablierte Institute digitale Dollar-Äquivalente wie Tether oder USD Coin weiterhin mit regulatorischer Zurückhaltung behandeln, wächst in Asien das Volumen privat gehaltener Krypto-Assets. Raffles-Gründer und Group CEO Chi-Man Kwan verweist auf das strukturelle Problem am Markt: Vermögende mit Beständen von beispielsweise 100 Millionen US-Dollar in Stablecoins finden bei klassischen Geschäftsbanken kaum adäquate Kontenstrukturen. Gleichzeitig beziffert die Boston Consulting Group das weltweite grenzüberschreitende Finanzvermögen für das Jahr 2025 auf 15,7 Billionen US-Dollar.
Parallel dazu verschiebt sich die Vermögenskonzentration nach Asien. Laut der Hurun Global Rich List 2026 zählt China 1.110 Milliardäre, während die USA auf 1.000 Milliardäre kommen. Asiens Selfmade-Vermögende aus dem Technologiesektor und der Blockchain-Industrie sind im Durchschnitt etwa zehn Jahre jünger als traditionelle Vermögensinhaber in Nordamerika oder Europa.
Diese Generation fordert modernere Strukturen für Liquiditätsmanagement, Steueroptimierung und Nachfolgeplanung.
Regulierte Infrastruktur für Fiat- und Krypto-Werte
Raffles gründete die Plattform Revo Digital Family Office im Jahr 2022 gemeinsam mit dem Partner Huobi Technology Holdings, während die Charoen Pokphand Group als früher Investor einstieg. Mittlerweile verfügt das operative Geschäft über ein solides regulatorisches Fundament. Im Februar 2026 erteilte die Securities and Futures Commission in Hongkong Revo die Lizenz für professionelles Portfoliomanagement im Bereich virtueller Vermögenswerte.
Bereits im April 2025 hatte die Tochtergesellschaft Raffles Assets Management die Genehmigung erhalten, einen aktiv verwalteten Krypto-Fonds für professionelle Investoren aufzulegen.
Das Produktportfolio umfasst institutionelle Verwahrung, Wallet-Konsolidierung, Portfoliomanagement für liquide Digitalwährungen sowie Nachfolgemodelle. Über ein integriertes Dashboard können Kunden Fiat- und Krypto-Bestände konsolidiert steuern. Chi-Man Kwan rechnet damit, dass Transaktionen binnen eines Jahrzehnts vorwiegend in Stablecoins abgewickelt werden, und fordert die Branche auf, ihre Infrastruktur entsprechend anzupassen.
Hohe Nachfrage trifft auf zögerliche Privatbanken
Marktanalysen belegen den Trend zur Krypto-Allokation bei vermögenden asiatischen Kunden. Laut einer Erhebung von Accenture interessieren sich 75 Prozent der wohlhabenden Investoren in Asien für digitale Anlageklassen, wobei mehr als die Hälfte bereits investiert ist. Eine Studie des Dienstleisters Ocorian zeigt, dass 86 Prozent der befragten Family-Office-Führungskräfte Digital Assets in ihre Anlagestrategien integrieren.
Campden Wealth beziffert den Anteil der Single Family Offices im Asien-Pazifik-Raum, die Krypto-Investments als attraktiv einstufen, auf 53 Prozent – gegenüber 43 Prozent in Nordamerika und 33 Prozent in Europa.
Gleichzeitig verfügen zwei Drittel der Vermögensverwalter in Asien über keine strategischen Konzepte für den Umgang mit Krypto-Assets. Während institutionelle Akteure Stablecoins primär zur Handelsliquidität nutzen, verlangen vermögende Privatkunden zunehmend nach sicheren Verwahrungslösungen, Renditestrukturen sowie erbrechtlichen Modellen für ihre Bestände.
Personeller Ausbau und internationale Expansion
Raffles begegnet der Marktentwicklung mit personeller Aufstockung und internationaler Expansion. Die Gruppe beschäftigt zwischen 201 und 500 Mitarbeitende und führt Niederlassungen in Hongkong, Singapur, Peking, Shanghai, Taipeh und Bangkok sowie eine Repräsentanz in Kigali. Ende August 2026 ernannte das Family Office Ken Peng zum ersten Chief Investment Officer der Unternehmensgruppe.
Zudem verpflichtete das Unternehmen im September 2026 den früheren ruandischen Staatsminister Jean de Dieu Uwihanganye als Verantwortlichen für Schwellenländer und Geschäftsentwicklung. Im Oktober 2026 folgte ein Partnerschaftsabkommen mit dem Rwanda Development Board. Die Kooperation zielt darauf ab, privates Auslandskapital im dreistelligen Millionen-US-Dollar-Bereich zu mobilisieren und Verbindungen zu lokalen Unternehmerfamilien aufzubauen.
Institutioneller Wandel im Private Banking
Die Initiativen des Raffles Family Office markieren einen weiteren Schritt hin zur Institutionalisierung digitaler Vermögenswerte im Private-Wealth-Sektor. Politische Vorstöße in den USA rücken den Stablecoin-Markt zunehmend in den regulierten Finanzraum, während die Hongkonger Behörden mit gezielten Lizenzvergaben für Rechtssicherheit sorgen.
Dennoch bleiben offene Fragen bestehen: Raffles veröffentlicht bislang keine exakten Zahlen zu den tatsächlich verwalteten Krypto-Vermögenswerten. Zudem müssen die Verwahr- und Treuhandstrukturen ihre Tragfähigkeit bei potenziellen regulatorischen Differenzen zwischen Hongkong und dem chinesischen Festland unter Beweis stellen. Für die etablierte Privatbankenbranche erhöht sich der Handlungsdruck spürbar, da traditionelle Häuser ohne Krypto-Infrastruktur Marktanteile an spezialisierte Family Offices verlieren.







