Die US-Fintech-Firma Ramp sichert sich eine Finanzierungsrunde von 1,85 Milliarden US-Dollar. Die Runde bewertet das in New York ansässige Startup mit rund 60 Milliarden US-Dollar Pre-Money. Die Finanzierung steht im Zusammenhang mit dem Ausbau von KI-Angeboten im Bereich Finanzmanagement.

Starkes Wachstum durch KI-Fokus

Ramp, 2019 gegründet, hat sich auf Firmenkreditkarten und automatisiertes Ausgabenmanagement spezialisiert. Die aktuelle Bewertung von 60 Milliarden US-Dollar bedeutet einen deutlichen Anstieg gegenüber der letzten Runde im Juni 2026. Damals bewertete der Markt das Unternehmen mit 44 Milliarden US-Dollar – ein Zuwachs von 16 Milliarden US-Dollar innerhalb von vier Monaten.

Insgesamt hat Ramp nach eigenen Angaben rund 5 Milliarden US-Dollar an Kapital eingesammelt.

Die jüngste Runde führten die Dragoneer Investment Group, Thrive Capital und Founders Fund an. Weitere beteiligte Investoren sind unter anderem Sands Capital und Fidelity Management & Research Company.

Ramp gibt einen annualisierten Umsatz (ARR) von über 2 Milliarden US-Dollar an. Das Unternehmen berichtet zudem von einem Umsatzwachstum, das 25 Prozent schneller ausfällt als im Vorjahr. Das annualisierte Einkaufsvolumen liegt nach Angaben des Unternehmens bei über 275 Milliarden US-Dollar, ein Anstieg von 175 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Ramp zählt 85.000 Kunden, nach 70.000 im Juni 2026 und 50.000 Anfang 2026. Das Unternehmen berichtet außerdem, seit Anfang 2025 Cashflow-positiv zu sein.

Strategische Ausweitung auf KI-Infrastruktur

Laut Investoren und dem Unternehmen hängt der Bewertungssprung eng mit Rams Expansion in den Bereich Künstliche Intelligenz zusammen. Ramp positioniert sich zunehmend als Infrastruktur-Anbieter für Teile der entstehenden KI-Ökonomie. Dabei integriert das Fintech KI-Agenten in Produkte wie Beschaffung, Ausgabenmanagement und Buchhaltung.

Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben eine Firmenkreditkarte speziell für KI-Agenten eingeführt. Im August 2026 stieg Ramp zudem in das Model-Routing-Geschäft ein, das auf den AI-Inferencing-Markt zielt. Ramp bietet in diesem Zusammenhang Monitoring und Spend-Management für die Nutzung von KI-Tokens an.

Zugleich entwickelt das Unternehmen Tools, die Aufgaben zu günstigeren KI-Modellen routen sollen.

Anfang Oktober 2026 stellte Ramp „Glass“ vor, einen Workspace zur Sammlung von KI-Automatisierungen, Prompts und Mitarbeiterfähigkeiten. Bereits im Juni 2026 hatte Ramp „Stack“, eine KI-native Buchhaltungsplattform, eingeführt.

Eric Glyman, Mitgründer und CEO von Ramp, beschreibt den Wandel so: Neben Menschen und Lieferanten sei ein dritter Pfeiler der Ausgabenentstehung hinzugekommen, den Ramp als Infrastruktur adressiere. Christian Jensen von Dragoneer betont die Entwicklung hin zu einer breiteren Finanzoperations-Plattform mit tief verankerter KI. Der frühe Investor Keith Rabois sieht Ramp nicht nur im Wettbewerb mit traditionellen Fintechs wie Rippling, sondern nennt auch Unternehmen aus dem KI-Bereich als relevante Gegner.

Er spricht davon, Ramp als Weg zur Optimierung von Token-Ausgaben zu etablieren.

Internationale Expansion und Wettbewerbsumfeld

Parallel zur KI-Offensive treibt Ramp die internationale Expansion voran. Im März 2026 übernahm Ramp den Stockholmer Zahlungsdienstleister Billhop. Das Ziel: Lizenzen für Großbritannien und die Europäische Union zu erhalten.

Seit Sommer 2026 können europäische Unternehmen Ramp nach Unternehmensangaben direkt nutzen. Ramp verfügt über Teams in London und Stockholm. Die offizielle Einführung der Finanzplattform für britische Unternehmen erfolgte im September 2026.

Im Wettbewerbsumfeld werden neben etablierten Anbietern wie American Express auch Fintechs wie Brex genannt. Brex wurde 2026 von Capital One für 5,15 Milliarden US-Dollar übernommen. Weitere genannte Wettbewerber sind Pleo aus Dänemark und Moss aus Deutschland. Investoren und Beobachter sehen Ramp zunehmend auch im Vergleich oder im Wettbewerb mit spezialisierten KI-Serviceanbietern.

Ausblick auf Marktentwicklungen

Die Bewertungssprünge bei Ramp und der Fokus auf KI deuten auf eine mögliche Konvergenz von Finanzdienstleistungen und KI-Infrastruktur hin. Analysten prüfen, ob diese Entwicklung die Marktstrukturen verändert und welche Rolle Ramp dabei spielen kann. Offene Fragen betreffen unter anderem, in welchem Umfang Ramp eigene KI-Modelle trainieren wird.

Ebenso bleibt abzuwarten, wie schnell das Unternehmen seine Position in der KI-gestützten Ausgabenoptimierung ausbauen kann.