Russlands Ambitionen, ein eigenes Satelliteninternet-Netzwerk zu etablieren, erleiden einen Rückschlag. Alle 16 Satelliten der zweiten Rassvet-Charge, die im Juli gestartet wurden, haben ihre geplante Betriebshöhe nicht erreicht. Die Einheiten des Herstellers Büro 1440 befinden sich in einer Höhe von rund 305 bis 400 Kilometern.

Quellen nannten Zielhöhen von etwa 800, 870 oder 550 Kilometern. Dieser Fehlschlag ist ein deutlicher Dämpfer für Moskaus Bestrebungen, eine russische Alternative zu Starlink aufzubauen.

Die 16 Rassvet-Satelliten starteten am 19. Juli vom Kosmodrom Plessezk. Ihre aktuell deutlich niedrigere Position bedeutet, dass sie einem erheblich höheren Luftwiderstand ausgesetzt sind. Dies verkürzt die Lebensdauer der Satelliten drastisch.

Ohne Manöver zur Anhebung ihrer Umlaufbahnen drohen die Satelliten, in die Atmosphäre einzutreten und zu verglühen. Zwei der 16 Satelliten sind bereits unter 300 Kilometer abgesunken. Drei weitere befinden sich zwischen 310 und 330 Kilometern. Die übrigen Einheiten liegen nach Beobachtungen zwischen 313 und 332 Kilometern.

Analysten des Institute for the Study of War (ISW) schlussfolgern, dass das Scheitern aller 16 Satelliten des zweiten Starts darauf hindeutet, dass Russland möglicherweise nicht bereit ist, den Aufbau der Konstellation zu beschleunigen. Das Projekt wird folglich mit weiteren Verzögerungen konfrontiert sein.

Technische Hürden und geopolitische Dimension

Das Rassvet-System, entwickelt von Büro 1440, wird in Quellen als russische Antwort auf Elon Musks Starlink beschrieben. Russland beschleunigte den Einsatz von Rassvet, nachdem der Zugang zu Starlink für russische Streitkräfte über der Ukraine am 1. Februar gesperrt worden war.

Ukrainische Streitkräfte nutzten Starlink zur taktischen Kommunikation und zur Koordination unbemannter Luftfahrzeuge. Berichten zufolge verwendeten auch russische Soldaten Starlink-Empfänger zur Steuerung von Langstrecken-UAVs. Vor diesem Hintergrund trifft der Fehlschlag die Entwicklung einer Infrastruktur, die auch militärisch relevant ist.

Die erste Rassvet-Charge startete am 23. März. Von dieser Charge erreichten nach Angaben aus den Quellen zwölf von 16 Satelliten eine Umlaufbahn von etwa 500 bis 550 Kilometern.

Ein Satellit dieser ersten Charge (NORAD 68363, Objekt 4) trat am 6. Juni in die Atmosphäre ein und verglühte. Damit verbleiben von den bislang gestarteten 32 Rassvet-Satelliten lediglich zwölf in einer operationellen Umlaufbahn.

Dies entspricht einer Erfolgsquote von 37,5 Prozent.

Angesichts der in Analysen genannten Bedarfsschätzungen von rund 200 bis 300 funktionsfähigen Satelliten für eine stabile Abdeckung über der Ukraine verdeutlichen diese Zahlen die Herausforderungen für das russische Programm. Zum Vergleich: Starlink betreibt nach verfügbaren Angaben mehr als 11.000 Satelliten.

Ungeklärte Ursachen und externe Belastungen

Die genaue Ursache für das Scheitern der zweiten Charge ist unklar. Es bleibt offen, ob der niedrigere Orbit bewusst gewählt wurde oder ob technische beziehungsweise industrielle Engpässe die Ursache sind. Roskosmos und das russische Verteidigungsministerium haben sich zum Start vom 19.

Juli nicht öffentlich geäußert. Büro 1440 bestätigte den Start auf Telegram und schrieb, die Satelliten würden nach Abschluss von Prüfungen in die Zielumlaufbahn überführt werden. Das Unternehmen nannte jedoch keine Startzeit oder offizielle Bezeichnungen der Einheiten.

In verschiedenen Quellen werden unterschiedliche Zielhöhen genannt, darunter 800 Kilometer, 870 Kilometer oder 550 Kilometer. Diese Diskrepanzen spiegeln die mangelnde Transparenz des Projekts wider. Parallel dazu gerieten Infrastruktur und Startorte unter Beschuss.

Am 15. August traf ein ukrainischer Angriff das Progress Rocket Space Center in Samara, welches Komponenten für die Sojus-2.1b-Rakete liefert. Am 23.

August gab es einen Drohnenangriff auf die Region Archangelsk, in deren Nähe das Kosmodrom Plessezk liegt. Zuvor war im März während der Startvorbereitungen bereits ein Angriff auf den Standort registriert worden. Solche externen Faktoren könnten die Fähigkeit Russlands, sein Satellitenprogramm voranzutreiben, zusätzlich belasten.

Beobachter werden nun prüfen, ob Büro 1440 oder Roskosmos technische Anpassungen vornehmen. Es bleibt abzuwarten, ob Russland mit weiteren Starts die angestrebte Konstellation noch erreichen kann. In diesem Kontext steht auch die Frage, ob Russland künftig in diesem Sektor mit Anbietern wie Starlink konkurrieren kann.