Ray Kurzweil, eine prägende Persönlichkeit der Künstlichen Intelligenz, verstärkt das Neurotechnologie-Startup Subsense als Produkt- und Vision-Berater. Das Unternehmen mit Sitz in Palo Alto, Kalifornien, entwickelt eine nicht-chirurgische Methode für Brain-Computer-Interfaces (BCIs) mittels Nanopartikeln. Kurzweils Beitritt unterstreicht die Konvergenz von KI und Neurowissenschaften, einem Forschungsfeld, das er seit Jahren verfolgt.
Subsense gab diese Nachricht zusammen mit Kurzweil am Mittwochabend, dem 3. September 2026, bei einem Event in der Firmenzentrale bekannt. Kurzweil ist Google-Forscher, Autor von Büchern wie „The Singularity Is Near“ und Empfänger der National Medal of Technology and Innovation.
Seine Theorie der Singularität, die eine Verschmelzung von Mensch und Maschine vorhersagt, zählt zu den bekannten Prämissen, von denen Kurzweil in seiner Arbeit ausgeht.
Nanopartikel statt OP-Saal: Der Ansatz von Subsense
Das vor rund vier Jahren gegründete Unternehmen Subsense verfolgt im BCI-Markt einen Ansatz, der auf nicht-chirurgische Eingriffe setzt. Statt invasiver Operationen, wie sie beispielsweise Neuralink praktiziert, nutzt Subsense die intranasale Verabreichung von Nanopartikeln.
Diese geladenen Nanopartikel sollen im Gehirn über eine spezielle Kappe oder ein Headset mit magnetischen Spulen gesteuert werden. Ziel ist es, Neuronen in bestimmten Bereichen zu stimulieren oder neuronale Aktivität auszulesen. Subsense zeigte ein nicht-funktionales Modell einer solchen Kappe, die an eine Mischung aus Baseballkappe und Fahrradhelm erinnert.
Das Unternehmen bezeichnet seine Technologie als NanoBCI.
Die Technologie basiert auf zwei Arten von Nanopartikeln: plasmonischen und magnetoelektrischen Partikeln. Tetiana Aleksandrova, CEO und Mitgründerin von Subsense, äußerte sich zur Tragweite der Technologie: „Ich glaube, das Brain-Computer-Interface könnte letztendlich eine der intimsten Technologien werden, die der Mensch je geschaffen hat.“ Aleksandrova betonte zudem, Kurzweil habe bereits lange vor der aktuellen Entwicklung über die Konvergenz von Gehirn und Technologie nachgedacht.
Tatsächlich schrieb Kurzweil bereits 2003 über Nanoskala-Technologien als Alternative zu festen neuronalen Implantaten. Er beschreibt das Smartphone als „Barriere“, welche die Fähigkeit zur Nutzung der KI-Kraft verlangsamt. Dies unterstreicht seine Vision einer engeren Verbindung zwischen Gehirn und externen Systemen.
Meilensteine und Marktpositionierung
Subsense hat in einer Seed-Finanzierungsrunde 27 Millionen US-Dollar eingesammelt. Die Runde wurde bis Dezember 2025 abgeschlossen. Zum Vergleich: Neuralink hat Hunderte Millionen US-Dollar erhalten, Synchron über 100 Millionen US-Dollar.
Die Technologie von Subsense befindet sich in der präklinischen Phase und ist nach Unternehmensangaben noch Jahre von der Verfügbarkeit entfernt. Experimente mit verschiedenen Technologieelementen werden an Mäusen durchgeführt. Diese Mausstudien begannen Ende 2025 und sollen bis Ende 2026 abgeschlossen sein.
Subsense strebt an, bis Ende 2026 den Nachweis für nanopartikelgestütztes neuronales Auslesen und die Linderung von Symptomen zu erbringen.
Die unmittelbaren klinischen Ziele des Unternehmens sind neurologische Erkrankungen wie Parkinson und Epilepsie. Langfristig plant Subsense, die Technologie auch für den Konsumermarkt zu etablieren.
Die Konkurrenz im Bereich der Brain-Computer-Interfaces ist vielfältig: Neuralink setzt auf chirurgisch implantierte Chips, Synchron führt Geräte durch Blutgefäße ins Gehirn und Kernel arbeitet an nicht-invasiven Neuroimaging-Helmen. Precision Neuroscience verwendet einen dünnen Film, der auf die Gehirnoberfläche gelegt wird.
Ausblick und Marktreaktion
Kurzweils Rolle als Produkt- und Vision-Berater soll neue Perspektiven für die technologische Roadmap von Subsense liefern. Sein Engagement könnte zudem aufzeigen, wie die Konvergenz von KI und neuronalen Schnittstellen die Mensch-Computer-Interaktion verändern könnte. Subsense muss die laufenden präklinischen Studien abschließen und die Sicherheit sowie Wirksamkeit der nanopartikelbasierten Technologie nachweisen.
Marktbeobachter dürften die nächsten Ergebnisse der Mausstudien bis Ende 2026 als wichtige Indikatoren für die weitere Entwicklung von Subsense werten.







