Der US-Immobilienmarkt offenbart eine Diskrepanz zwischen Angebot und Nachfrage. Eine aktuelle Redfin-Analyse zeigt, dass mehr als jeder fünfte Hausverkaufseintrag in den USA seinen Angebotspreis senkte. Dies ist der höchste Anteil für diese Jahreszeit seit Beginn der Redfin-Aufzeichnungen im Jahr 2022.

Redfin interpretiert dies als Anzeichen eines starken Käufermarkts, obgleich hohe Hypothekenzinsen die Marktdynamik belasten.

Rekord bei Preissenkungen signalisiert Käufervorteil

In den vier Wochen bis zum 20. September 2026 reduzierten 21,1 Prozent der aktiven Hausangebote in den USA ihren Preis. Dieser Wert liegt leicht über den 19,8 Prozent des Vorjahreszeitraums und stellt nach Redfin den höchsten Anteil für diese Jahreszeit dar, seit das Unternehmen seine Erhebungen im Jahr 2022 begann.

Redfin bezeichnet die aktuelle Lage als starken Käufermarkt, schränkt jedoch ein, dass dieser Zustand primär für jene gilt, die sich einen Kauf unter den aktuellen Bedingungen leisten können. Lisa Sturtevant, Chefvolkswirtin bei Bright MLS, relativiert diese Einschätzung. Sie weist darauf hin, dass das Inventar in vielen lokalen Märkten weiterhin knapp ist und die Preise dort nahe Rekordhochs liegen.

Im August 2026 überstieg die Zahl der Hausverkäufer in den USA die der Käufer um 58 Prozent. Laut Redfin ist dies der größte Abstand seit Beginn dieser Aufzeichnungen im Jahr 2013. Konkret zählte Redfin 1,53 Millionen Verkäufer gegenüber 972.300 Käufern.

Hohe Hypothekenzinsen als primärer Bremsfaktor

Der durchschnittliche Zinssatz für eine 30-jährige Festhypothek lag laut Freddie Mac am 1. Oktober 2026 bei 7,28 Prozent. Dies ist der höchste Stand seit November 2023 und ein Anstieg gegenüber 6,34 Prozent ein Jahr zuvor. Für die Woche vor dem 21. September 2026 wurde ein Zinssatz von 6,95 Prozent genannt. Eine andere Meldung nannte 7,07 Prozent als höchsten Stand seit über einem Jahr.

Steigende Zinsen verteuern die Finanzierung von Immobilien und erschweren deren Erschwinglichkeit. Parallel dazu sank die Sparquote der US-Haushalte im August 2026 auf 4,1 Prozent. Dies ist der niedrigste Wert seit November 2022 und reduziert die finanziellen Puffer der Haushalte.

Regionale Unterschiede und erste Stresszeichen

Die Preissenkungen sind regional unterschiedlich ausgeprägt. Die höchsten Anteile an Preisreduktionen verzeichneten Redfins Messungen bis zum 20. September 2026 in Denver (30,9 Prozent), Indianapolis (29,9 Prozent), San Antonio (26,8 Prozent), Dallas (26,6 Prozent) und Austin (26,1 Prozent).

Die niedrigsten Anteile wiesen San Francisco (9,6 Prozent), Newark (12,2 Prozent), Chicago (13,3 Prozent), New York (13,6 Prozent) und Miami (13,7 Prozent) auf.

San Francisco zählt dabei zu den wenigen Verkäufermärkten unter den von Redfin beobachteten Metropolen. Redfin führt dies unter anderem auf das Wachstum im KI-Sektor zurück. Der Überschuss an Verkäufern ist indes in Teilen des Sun Belt besonders deutlich. Redfin führt für August 2026 etwa Nashville mit 139 Prozent mehr Verkäufern als Käufern, Miami mit 138 Prozent und Houston mit 131 Prozent an.

Makroökonomisch erhöhte die Federal Reserve am 16. September 2026 den Leitzins um 0,25 Prozentpunkte. Im August 2026 sanken die vorläufigen Hausverkäufe (Pending Home Sales) um 4,7 Prozent im Jahresvergleich und lagen damit laut einer Quelle rund 30 Prozent unter dem Vorkrisenniveau.

Zugleich zeigen private Kreditmärkte erste Stresssignale. Rücknahmeanträge im Privatkreditsektor stiegen im zweiten Quartal 2026 auf 15,6 Milliarden US-Dollar, zuvor waren es fast 14 Milliarden US-Dollar im ersten Quartal.

Ausblick: Abwartende Haltung der Marktteilnehmer

Die unterschiedliche Bewertung der Lage – Redfins Einordnung als starker Käufermarkt einerseits und Hinweise auf knappe Bestände in vielen lokalen Märkten andererseits – bleibt ein zentrales Thema. Beobachter wie Lisa Sturtevant betonen die regionale Heterogenität, die eine pauschale Kategorisierung erschwert. Die leicht variierenden Angaben zu Hypothekenzinsen in den Quellen unterstreichen die Volatilität der Finanzierungskosten.

Der Medianverkaufspreis für bestehende Eigenheime stieg laut NAR im August 2026 im Jahresvergleich um 1,6 Prozent auf 429.100 US-Dollar. Redfin meldet für August 2026 einen Median Sale Price von 398.596 US-Dollar mit einem Anstieg von 2,20 Prozent im Jahresvergleich. Unterschiede zwischen NAR- und Redfin-Daten können an unterschiedlichen Methodiken liegen.

Volkswirte der Commerzbank erwarten eine weitere Anhebung des Fed-Leitzinses um 25 Basispunkte. Die Kombination aus niedrigerer Sparquote und Stresssignalen im Privatkreditmarkt legt nahe, dass die finanziellen Spielräume vieler Haushalte begrenzt sind. Ob die Preisanpassungen ausreichen, um die Nachfrage zu stützen, oder ob der Markt eine längere Konsolidierungsphase durchläuft, wird sich in den kommenden Monaten zeigen.

Investoren und Marktteilnehmer beobachten primär die Entwicklung der Hypothekenzinsen und die Nachfrage, um Risiken und Chancen im US-Immobilienmarkt einzuschätzen.