Reverion, ein Energie-Startup aus Eresing bei München, hat eine Series-B-Finanzierungsrunde über 175 Millionen US-Dollar abgeschlossen. Dieses Kapital ist primär für den Aufbau eines neuen Produktionsstandorts in Deutschland vorgesehen. Das Unternehmen will dort die Technologie zur industriellen Großserienfertigung von reversiblen Brennstoffzellenkraftwerken skalieren.

Mit dem geplanten Werk will Reverion seine jährliche Kapazität auf 250 Megawatt steigern und bis zu 800 neue Arbeitsplätze schaffen.

Technologische Skalierung für die Energiewende

Die Finanzierung ermöglicht Reverion den Übergang von der Entwicklung zur industriellen Produktion. Geplant ist eine sogenannte „Megafactory“ in Deutschland, welche die bestehende Fertigungskapazität um den Faktor zehn erweitern soll. Das Unternehmen plant die Fabrik, um die wachsende Nachfrage nach reversiblen Brennstoffzellenkraftwerken zu bedienen.

Aktuell sind sieben Anlagen mit einer Leistung von jeweils 500 Kilowatt bei Kunden in Betrieb. Die Technologie, deren Ursprung in der Forschung der Technischen Universität München liegt, kann aus Gas – wie Biogas, Erdgas oder Wasserstoff – Strom erzeugen. Bei Stromüberschuss wandelt sie elektrische Energie in speicherbare Gase um, den sogenannten Elektrolysebetrieb.

Reverion gibt einen elektrischen Wirkungsgrad von 74,2 Prozent im Kundenbetrieb an und bezeichnet diesen Wert als Weltrekord für thermische Kraftwerke. Langfristig strebt das Unternehmen Wirkungsgrade von bis zu 80 Prozent an.

Der genaue Standort für die neue Fabrik steht bisher nicht fest. Reverion sucht in Europa ein geeignetes Areal von rund 100.000 Quadratmetern, wovon 30.000 Quadratmeter für Gebäude vorgesehen sind. Kriterien für die Standortwahl sind der Zugang zu Fachkräften, eine gute Infrastruktur sowie Strom- und Gasanschluss.

Das Startup, 2022 gegründet, beschäftigt derzeit über 200 Mitarbeiter am Stammsitz in Eresing und plant, in der neuen Fabrik weitere gewerbliche Fachkräfte einzustellen.

Strategische Investitionen in Deep Tech

Lead-Investor der aktuellen Finanzierungsrunde ist der DeepTech- und Klimafonds Kembara, der über ein Volumen von einer Milliarde Euro verfügt. Zu den neuen Investoren zählen zudem die Allianz, KfW Capital (über ein von UVC verwaltetes SPV), aurum Capital und Carbon Equity. Bereits in der Seed-Runde investierten Extantia, Energy Impact Partners, alfa8, UVC Partners, der EIC Fund und Possible Ventures; diese Investoren sind nun erneut an der Series B beteiligt.

Die Seed-Runde im Juli 2022 brachte Reverion sieben Millionen Euro ein. Es folgten weitere Förderungen und Preisgelder.

Stephan Herrmann, CEO und Mitgründer von Reverion, betont, der Abschluss der Series B lege den Grundstein für die industrielle Großserienfertigung der Technologie. Er äußerte zudem, dass sauberer Strom auf Abruf eine globale Notwendigkeit sei. Die reversiblen Brennstoffzellen sind nach Firmenangaben ungefähr so groß wie ein Container und arbeiten bidirektional.

Damit lassen sich Strom erzeugen und Stromüberschüsse in Gase umwandeln. Beim Betrieb mit Biogas kann das im Brennstoff enthaltene CO₂ in konzentrierter Form abgeschieden werden, wodurch Reverion eine negative CO₂-Bilanz ermöglicht.

Marktpotenzial und künftige Entwicklungen

Das aktuelle Projektportfolio von Reverion umfasst ein potenzielles Umsatzvolumen von mehr als zwei Milliarden US-Dollar. Die Anlagen sollen direkt am Verbrauchsort eingesetzt werden, um über bestehende Gasinfrastruktur Energie bereitzustellen. Als Zielmärkte nennt das Unternehmen Biogasanlagen, Energieversorger, Industrieunternehmen und zunehmend energieintensive Rechenzentren.

Der steigende Strombedarf von Cloud- und KI-Infrastrukturen bei begrenzten Netzkapazitäten gilt als Treiber für die Nachfrage nach dezentralen, kontinuierlichen Energieerzeugungslösungen; Reverion adressiert diesen Markt. Die konkreten Auswirkungen der geplanten „Megafactory“ auf Produktionskapazitäten und Marktdurchdringung sind noch zu bewerten. Die Standortwahl in Europa wird unter anderem mit Blick auf die Verfügbarkeit von Fachkräften und die logistische Anbindung analysiert.

Stephan Herrmann, Felix Fischer und Professor Dr. Hartmut Spliethoff wurden 2026 für den Deutschen Zukunftspreis nominiert. Beobachter erwarten, dass die Realisierung der Produktionsstätte und die weitere Skalierung der Technologie entscheidend für Reverions Rolle im zukünftigen Energiemarkt sein werden.