Die Rocket Factory Augsburg (RFA) ordnet ihre Führungsebene neu. Alexander Dahm, ein erfahrener Manager aus der Luft-, Raumfahrt- und Verteidigungsindustrie, übernimmt zum 5. Oktober 2026 den Posten des Chief Executive Officers (CEO).
Er folgt auf Prof. Dr. Indulis Kalnins, der dem Unternehmen weiterhin verbunden bleibt.
Dahm verantwortet die weitere Unternehmensentwicklung und den Weg zum Erstflug der Trägerrakete RFA ONE.
Erfahrener Industrieexperte an der Spitze
Mit Alexander Dahm holt sich die Rocket Factory Augsburg einen Manager mit langjähriger Branchenerfahrung. Der Diplom-Ingenieur für Luft- und Raumfahrttechnik blickt auf mehr als 30 Jahre Führungserfahrung in der Luft-, Raumfahrt- und Verteidigungsindustrie zurück. Vor seinem Wechsel zur RFA war Dahm Chief Operating Officer bei HENSOLDT Sensors und Mitglied des Group Executive Committee.
Dort verantwortete er die operative Wertschöpfungskette, die Produktion, Einkauf, Qualität und Logistik umfasst.
Dahm hatte zuvor leitende Positionen bei Airbus, genauer bei Airbus Defence and Space sowie Airbus Operations, inne. Auch bei Astrium und DASA war er tätig. Unter anderem wirkte er am Ariane-5-Programm mit.
Jean-Jacques Dordain, Vorsitzender des RFA-Aufsichtsrats und ehemaliger Generaldirektor der ESA, äußerte in einer Mitteilung, Dahm bringe wertvolle Erfahrungen aus dem Ariane-5-Programm, aus leitenden Funktionen bei Airbus sowie zuletzt bei HENSOLDT mit, die für die weitere Entwicklung der RFA nützlich sein werden.
Kontinuität trotz Wechsel
Alexander Dahm tritt die Nachfolge von Prof. Dr. Indulis Kalnins an. Kalnins hatte im April 2025 Stefan Tweraser als CEO abgelöst und war rund anderthalb Jahre im Amt. Kalnins, ebenfalls Raumfahrtingenieur, bleibt dem Unternehmen verbunden und soll seine Expertise weiterhin einbringen. Die Ernennung Dahms erfolgte durch den Aufsichtsrat der RFA.
Die RFA wurde 2018 gegründet und gehört mehrheitlich der OHB SE. Das Unternehmen entwickelt die Trägerrakete RFA ONE mit dem Ziel, flexible und kundenorientierte Startdienstleistungen in den niedrigen Erdorbit anzubieten. Die RFA ONE soll bis zu 1.600 Kilogramm Nutzlast in etwa 400 Kilometer hohe Erdorbits befördern können.
Als zentrale Merkmale nennt RFA kundenspezifischen Service mit präziser In-Orbit-Auslieferung und Missionsflexibilität, die unter anderem durch die dritte Stufe „Redshift“ ermöglicht wird. Zudem setzt das Unternehmen auf wettbewerbsfähige Preise sowie eine Produktion, die das Helix-Triebwerk, kostengünstige Edelstahlstrukturen und industrielle Komponenten nutzt. Das Unternehmen hat seinen Sitz in Augsburg.
Ende 2022 waren 126 Mitarbeiter für die juristische Entität gemeldet. Im Mai 2024 wurden rund 275 Mitarbeiter genannt, und zum 31. August 2026 sind 361 Personen angegeben.
Finanzielle Unterstützung und verzögerter Erstflug
Die Rocket Factory Augsburg hat in den vergangenen Jahren Förderungen und Investments erhalten. Bis September 2026 listet die Unternehmensdarstellung insgesamt 33 Millionen US-Dollar in fünf Finanzierungsrunden. Zu den Investoren zählen KKR und OHB.
Eine Series-C-Runde im August 2023 wird in einer Quelle mit 9.188.948 US-Dollar (rund 9,19 Millionen US-Dollar) mit KKR und OHB angegeben. Andere Quellen nennen für diesen Zeitraum ein Investment von 30 Millionen Euro durch KKR.
Im April 2022 belegte die RFA beim DLR-Microlauncher-Wettbewerb den zweiten Platz und erhielt 11 Millionen Euro zur Weiterentwicklung der Trägerrakete. Im Rahmen des ESA-European-Launcher-Challenge-Programms sicherte sich die RFA einen Vertrag über 186,9 Millionen Euro, der einen orbitalen Flug vor 2028 erfordert. Zudem erhielt das Unternehmen im November 2024 11,8 Millionen Euro durch das ESA-Boost!-Programm und im November 2023 3,5 Millionen Pfund Unterstützung durch die UK Space Agency.
Technisch verzeichnete die RFA Fortschritte. Dazu gehören ein erfolgreicher Test der zweiten Raketenstufe im Mai 2023 und die Lieferung der ersten und zweiten Stufe an den Weltraumbahnhof SaxaVord im März 2026. Im August 2024 wurde jedoch eine Erststufe bei einem Neun-Triebwerk-Statikfeuer-Test am SaxaVord Spaceport zerstört.
Als Ursache wurde ein Sauerstoffbrand in einer Turbopumpenbaugruppe angegeben. Laut verfügbaren Angaben führte dies zu einem 18-monatigen Wiederaufbau. Zudem wurden Änderungen an Turbopumpenbaugruppen, eine Neukonstruktion der Tankdrucksysteme und Verbesserungen der Bodenbetriebsabläufe vorgenommen.
Ein Startfenster im August und September 2026 verstrich ergebnislos wegen eines anhaltenden Tankproblems. In der Berichterstattung wird von einer noch nicht geklärten „tank anomaly“ gesprochen.
Ausblick und anstehende Aufgaben
Dahm übernimmt in einer Phase mit offenen technischen Aufgaben. Der Abschluss der Entwicklung und ein erfolgreicher Erstflug sind nötig, um vertragliche Vorgaben, wie den orbitalen Flug vor 2028 gegenüber der ESA, zu erfüllen. Die ungeklärte Tankanomalie zählt zu den technischen Herausforderungen, die bei Amtsantritt auf Dahm und sein Team warten.
Eine Sprecherin von OHB, dem Mehrheitsaktionär, äußerte sich im Oktober 2026 dahingehend, dass unklar sei, ob ein Premierenstart noch in diesem Jahr stattfinden könne, da weitere Tests anstehen. Der Zeitpunkt, wann die RFA ONE tatsächlich abheben wird, bleibt somit vorerst offen.







