Im Westen und Südwesten Deutschlands kommt es aktuell an einzelnen Tankstellen zu temporären Engpässen bei Benzin und Diesel. Eine Kombination aus historisch niedrigem Rheinpegel und ungewöhnlich hoher Kraftstoffnachfrage löst diese Situation aus. Der zum 1. Oktober eingeführte Tankrabatt verstärkt den Effekt.

Die logistischen Herausforderungen betreffen Regionen von Köln bis Freiburg. Sie stellen die Branche vor signifikante Probleme bei der Belieferung.

Logistikketten unter Druck

Die Versorgungsprobleme sind primär auf die erschwerten Bedingungen im Binnenschiffverkehr auf dem Rhein zurückzuführen. Der Wasserstand an wichtigen Messstellen wie Kaub liegt derzeit historisch niedrig, teilweise im Negativbereich. Infolgedessen müssen Binnenschiffe ihre Ladung deutlich reduzieren.

Sie fahren nur noch mit etwa 20 bis 25 Prozent ihrer normalen Ladekapazität, um nicht auf Grund zu laufen. Ein voll beladenes Binnenschiff ersetzt dabei 100 bis 150 Lastwagen oder ein bis zwei Güterzüge.

Herbert Rabl vom Tankstellen-Interessenverband (Tiv) stellt fest: „Es gibt keinen Spritengpass.“ Er ergänzt: „Was wir sehen, ist ein Problem mit dem Rhythmus der Belieferung, der auf eine sehr hohe Nachfrage trifft.“ Der Mineralölverband en2x teilt diese Einschätzung.

Er bezeichnet die flächendeckende Versorgung grundsätzlich als gesichert. Die Branche weicht aufgrund der Umstände verstärkt auf Bahn und Lastwagen aus.

Diese Umstellung ist aufwendiger. Sie erhöht die Transport- und Logistikkosten und führt zu Verzögerungen. Diese Verzögerungen machen sich an einzelnen Zapfsäulen bemerkbar. Daniel Kaddik, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Freier Tankstellen (bft), warnte bereits in der Vorwoche vor möglichen Versorgungsproblemen.

Tankrabatt befeuert Nachfrage

Der zum 1. Oktober in Kraft getretene Tankrabatt belastet die Lage zusätzlich. Er bringt eine Entlastung von rund 17 Cent pro Liter durch eine Senkung der Energiesteuer und des Mehrwertsteueranteils.

Viele Autofahrer füllten ihre Tanks früher oder stärker als üblich, was zu einer sprunghaften Nachfragesteigerung führte. Experten des RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung weisen darauf hin, dass das Wegfallen eines hohen Preises den Anreiz zum Sparen mindern kann.

Betroffene Regionen erstrecken sich über Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Hessen und Teile Bayerns. Städte wie Köln, Bonn, Koblenz, Mannheim, Heidelberg, Freiburg, Frankfurt und Aschaffenburg melden bereits Einschränkungen. Tankstellenbetreiber wie Aral bestätigten gegenüber Medien, dass es an einzelnen Stationen vorübergehend zu Versorgungseinschränkungen kommen kann.

Dies gilt insbesondere für Diesel. Eine Aral-Tankstelle in Unkel zeigte einen Hinweis, dass derzeit nur Aral Ultimate Diesel nicht verfügbar sei. Andere Kraftstoffe werden dort angeboten.

Historische Parallelen und Ausblick

Die aktuelle Situation weist Parallelen zu früheren Perioden extremen Niedrigwassers auf. n-tv.de berichtete im Oktober 2018 über Spritengpässe durch Dürre und Niedrigwasser des Rheins. Auch im August 2022 führten Niedrigwasser, Teilausfälle von Raffinerien und Fahrermangel zu ähnlichen Problemen.

Der Mineralölverband en2x nennt neben dem Rhein-Niedrigwasser auch Raffinerieausfälle, Fahrermangel bei Tankkraftwagen und Stockungen bei der Güterbahn als Gründe für die aktuellen Schwierigkeiten. Anfang September fiel zudem nach einem Großbrand eine Raffinerie in Bayern aus. Dies belastete die Logistik zusätzlich.

Eine schnelle Entspannung ist nach Angaben der Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG) nicht zu erwarten. Die Pegelstände am Rhein dürften laut Sechs-Wochen-Prognose erst Mitte Oktober wieder signifikant ansteigen. Branchenvertreter rechnen bis dahin mit anhaltenden regionalen Engpässen und zusätzlichen Kosten für die Neuorganisation der Logistik.

Herbert Rabl erwartet, dass die Kosten für die Umorganisation der Logistikkette an die Kunden weitergegeben werden. Marktteilnehmer beobachten die Entwicklung der Wasserstände und die Anpassung der Logistik.