Richemonts Schmucksparte trotzt Marktturbulenzen

Der Schweizer Luxusgüterkonzern Richemont meldet für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2027, das am 30. Juni 2026 endet, einen Gesamtumsatzanstieg von 20 Prozent zu konstanten Wechselkursen. Der Umsatz erreicht 6,329 Milliarden Euro und übertrifft damit die Analystenprognosen deutlich.

Haupttreiber dieses Wachstums ist die Schmucksparte, die im siebten Quartal in Folge zweistellige Zuwächse verzeichnet.

Johann Rupert, Vorsitzender von Richemont, hebt hervor, dass diese Ergebnisse die Resilienz des Konzerns in einem makroökonomisch und geopolitisch herausfordernden Umfeld unterstreichen. Die Jewellery Maisons mit Marken wie Cartier und Van Cleef & Arpels kompensieren eine Verlangsamung in anderen Segmenten des Luxusgütermarktes, insbesondere bei Uhren und Mode.

Schmuck als Wachstumslokomotive

Die Schmucksparte von Richemont, die etwa 75 Prozent des gesamten Konzernumsatzes ausmacht, wächst im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027 um 24 Prozent zu konstanten Wechselkursen auf 4,732 Milliarden Euro. Luca Solca, Sektorleiter für globale Luxusgüter bei Bernstein, betont, dass Richemonts Schmuckmarken „really at the top of consumer desirability“ stehen. Andere Wettbewerber lägen trotz der Bemühungen von LVMH dahinter.

Solca erklärt zudem, Konsumenten kaufen Schmuck häufiger. Im Vergleich zu Handtaschen ist Schmuck relativ günstiger geworden, was die bessere Dynamik in dieser Kategorie erklärt. Im Geschäftsjahr 2026 erreichte die Schmucksparte einen Umsatz von 16,5 Milliarden Euro mit einer operativen Marge von 30,5 Prozent.

Die Direct-to-Client-Verkäufe (Einzelhandel plus Online-Einzelhandel) machen im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027 77 Prozent des Gesamtumsatzes aus. Dies entspricht einem Anstieg um 200 Basispunkte gegenüber dem Vorjahr. Innerhalb der Schmucksparte liegt der DTC-Anteil bei etwa 85 Prozent.

Diese hohe DTC-Quote erhöht die Bedeutung des Einzelhandels und Onlinegeschäfts für Richemont.

Regional diversifiziertes Wachstum

Richemont profitiert von seiner ausgewogenen geografischen Präsenz. Japan führt mit einem Umsatzwachstum von 36 Prozent die Regionen an, gefolgt von Amerika mit 27 Prozent. Im Asien-Pazifik-Raum steigt der Umsatz um 21 Prozent, getragen von doppeltstelligem Wachstum in China, Macau und Hongkong sowie starken Ergebnissen in Südkorea und Taiwan.

Johann Rupert bemerkt, die Nachfrage in China werde länger zur Erholung brauchen. Dies betrifft insbesondere die Specialist Watchmakers. Europa verzeichnet einen Anstieg von elf Prozent auf 1,4 Milliarden Euro, wobei Deutschland, Frankreich und Großbritannien maßgeblich beitragen.

Der Nahe Osten und Afrika weisen ein moderateres Wachstum von drei Prozent aus. Richemont nennt in diesem Zusammenhang Konflikte in der Region und einen Rückgang der Touristenausgaben als Gründe. Der Vorstand ist der Ansicht, der Konzern profitiere insgesamt von seinem ausgewogenen geografischen Mix.

Herausforderungen für Uhren und andere Sparten

Während die Schmucksparte stark wächst, steht die Uhrensparte („Specialist Watchmakers“) weiterhin vor Herausforderungen. Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027 steigt der Umsatz der Uhrensparte um acht Prozent zu konstanten Wechselkursen auf 873 Millionen Euro. Zuvor hatte die Sparte im vierten Quartal des Geschäftsjahres 2025 einen Rückgang von 13 Prozent ausgewiesen.

Für das gesamte Geschäftsjahr 2026 verzeichnet die Uhrensparte einen Umsatzrückgang von vier Prozent.

Luca Solca erwartet, dass die Uhrenbranche „on the backfoot for a while longer“ bleibt. Viele Uhrenkäufe erfolgten während der Pandemie. Die übrigen Sparten („Other businesses“ / „Fashion & Accessories“) tragen mit einem Umsatz von 724 Millionen Euro und einem Wachstum von neun Prozent zum Konzernergebnis bei.

Quellen nennen gestiegene Rohstoffkosten, insbesondere den Goldpreis, als Einflussfaktor auf die Profitabilität. Der hohe Goldpreis wird in den Quartalszahlen jedoch nicht als Bremsklotz für den Umsatzanstieg dargestellt.

Ausblick

Die aktuellen Quartalszahlen belegen die derzeitige Stärke der Jewellery Maisons innerhalb des Konzerns. Die Entwicklung der Konsumentennachfrage in China und die weiteren globalen makroökonomischen Rahmenbedingungen bleiben entscheidende Faktoren für die künftige Performance. Der Fokus auf margenstarke Schmuckmarken und die Direct-to-Client-Vertriebswege ist ein zentrales Element der Konzernstrategie.

Analysten werden die weiteren Schritte zur Stärkung der weniger performanten Sparten beobachten, insbesondere vor dem Hintergrund der anhaltenden makroökonomischen Unsicherheiten.