Der US-Finanzinvestor Kennedy Lewis Investment Management übernimmt die Mehrheit am Münchner Campervan-Vermieter Roadsurfer. Laut Handelsregistereintrag sichert sich die auf Kredit- und Private-Debt-Finanzierungen spezialisierte Gesellschaft 66,69 Prozent der Firmenanteile. Das 2016 gegründete Unternehmen behauptet sich damit in einem von Insolvenzen geprägten Marktumfeld und setzt seinen Expansionskurs fort.

US-Investor sichert sich zwei Drittel der Anteile

Mit dem Einstieg von Kennedy Lewis verlieren die fünf Gründer ihre bisherige Mehrheitsbeteiligung. Markus Dickhardt, Dr. Susanne Dickhardt, Stephie Niemann, Christoph Niemann und Jean-Marie Klein halten zusammen künftig noch 16,61 Prozent der Anteile.

Inklusive zweier weiterer Management-Mitglieder kommt das operative Führungsteam auf 19,08 Prozent. Die Gründer führen das operative Geschäft weiterhin fort.

Die restlichen Minderheitsanteile verteilen sich auf Heartcore Capital, IAG Invest AG und Raiffeisen OÖ Invest. Frühere Investoren wie HV Capital und verschiedene Business Angels tauchen im aktuellen Gesellschafterkreis nicht mehr auf.

Einen konkreten Kaufpreis nennt das Handelsregister nicht. Branchendatenbanken schätzten die Unternehmensbewertung vor dem Deal auf 100 bis 250 Millionen US-Dollar (Dealroom, Stand 2025). Andere Schätzungen bezifferten den Enterprise Value auf 132 bis 198 Millionen US-Dollar.

Da Kennedy Lewis als Kredit- und Private-Debt-Investor agiert, gilt in Branchenkreisen als wahrscheinlich, dass die Mehrheitsübernahme aus einer Umschuldung oder der Wandlung bestehender Verbindlichkeiten resultiert und keinen klassischen Private-Equity-Buyout darstellt.

Kapitalintensives Wachstum über Verbriefungen

Die Übernahme folgt auf eine Phase massiver Kapitalbeschaffung. Roadsurfer arrangierte laut Dealroom eine Finanzierungskapazität von mehr als 500 Millionen Euro, einschließlich Fremdkapital und Verbriefungsstrukturen (ABS). PitchBook beziffert das vor der Übernahme eingesetzte Risikokapital auf rund 125 Millionen US-Dollar.

Im Verlauf des Jahres 2025 verstärkte das Management die Fremdfinanzierung für die Flottenerweiterung deutlich. Avellinia Capital stellte im Februar 2025 asset-basierte Finanzmittel in Höhe von 30 Millionen Euro bereit. Im August 2025 zog Roadsurfer ein weiteres Paket über 85 Millionen Euro heran.

Diese Tranche setzte sich aus 60 Millionen Euro an Asset-Backed Securities der Macquarie Group und 25 Millionen Euro Venture Debt der spanischen Bank BBVA zusammen. Die BBVA-Finanzierung begleitete das InvestEU-Programm des Europäischen Investitionsfonds (EIF). Überdies erweiterte die Vereinbarung mit Macquarie die bestehende ABS-Struktur auf ein Rahmenvolumen von 200 Millionen Euro.

Im Geschäftsjahr 2023 erwirtschaftete Roadsurfer einen konsolidierten Umsatz von rund 114 Millionen Euro, nachdem sich die Erlöse 2022 gegenüber dem Vorjahr verdoppelt hatten. Aktuell beschäftigt das Unternehmen etwa 610 bis 643 Mitarbeiter.

Insolvenzen erschüttern den Camper-Markt

Die Mehrheitsübernahme vollzieht sich vor dem Hintergrund einer Marktbereinigung. Nach dem Nachfrageboom während der Corona-Pandemie geriet die europäische Campingbranche ab 2024 spürbar unter Druck. Steigende Zinsen, Kaufzurückhaltung und Wertverluste bei Gebrauchtfahrzeugen belasteten zahlreiche Anbieter. Konkurrenten wie Off, Plugvan und Roadfans meldeten Insolvenz an.

Roadsurfer steuerte mit weiterem Flottenwachstum gegen und baute parallel die Plattform „roadsurfer spots“ aus. Diese vermittelt nach Unternehmensangaben Zugriff auf über 10.000 private Stellplätze auf Bauernhöfen und Weingütern. Zugleich trieb das Management die Internationalisierung voran.

Inzwischen betreibt Roadsurfer rund 100 Mietstationen in 16 Ländern. Der Markteintritt in die USA begann im Juni 2022 in Los Angeles, gefolgt von Stationen in San Francisco, Las Vegas, Seattle und Denver sowie im kanadischen Vancouver und Calgary. Diese geografische Diversifikation dämpft saisonale Nachfrageschwankungen in Europa, erhöht zugleich jedoch die logistische und finanzielle Komplexität der Flottensteuerung.

Neuer Taktgeber für die Flottenfinanzierung

Marktbeobachter richten den Blick nun darauf, wie der neue Mehrheitseigner die Kapitalstruktur von Roadsurfer ausrichtet. Kennedy Lewis verfügt über breite Erfahrung bei komplexen Debt-Restrukturierungen.

Branchenkenner werten die Übernahme als richtungsweisend für die Konsolidierung im Vermietmarkt. Offen bleibt, ob Kennedy Lewis frisches Eigenkapital für Zukäufe angeschlagener Wettbewerber bereitstellt oder vorrangig bestehende Verbindlichkeiten neu ordnet. Ebenso wird sich zeigen müssen, wie schnell das kapitalintensive Geschäftsmodell in Nordamerika die angestrebte Profitabilität erreicht.