Ertan Isen wird Sprecher der Geschäftsführung der RQI RE.Structuring Solutions GmbH. Der im Januar 2024 gegründete Immobilieninvestor RQI Immobilien AG reagiert mit dieser Personalie auf das dynamische Wachstum in den Geschäftsfeldern Restrukturierung und komplexe Immobilientransaktionen. Isen übernimmt in Personalunion als Executive Director bei der Holdinggesellschaft RQI Immobilien AG die Verantwortung für die Projektstrukturierung von Immobilien-, Finanzierungs- und Beteiligungsmodellen.

Die Ernennung erfolgt zum 15. September 2026.

Stärkung im Restrukturierungsgeschäft

RQI besetzt mit der Berufung Ertan Isens eine Schlüsselposition im Bereich Restrukturierung. Damit reagiert das Unternehmen auf die steigende Bedeutung dieses Geschäftsfeldes. Isen bringt mehr als 15 Jahre internationale Branchenerfahrung als Jurist und Immobilienexperte mit. Zuletzt war er Geschäftsführer und Group General Counsel der ACRON Gruppe in Luxemburg.

Dort umfassten seine Aufgaben den Aufbau und die Steuerung einer Immobilien-Investmentplattform mit rund 30 Tochtergesellschaften, sieben Single-Asset-AIFs und einer Verbriefungsplattform. Bei ACRON verantwortete er ein verwaltetes Vermögen von rund 300 Millionen Euro. Ein Unternehmensvertreter hebt die Kombination von Isens Kompetenzen hervor.

Ertan Isen vereine juristische Expertise, Kapitalmarkterfahrung und immobilienwirtschaftliches Verständnis in besonderer Weise, heißt es. Mit ihm stelle sich RQI für diese Herausforderungen auf und erreiche die nächste Entwicklungsstufe.

Ertan Isen betont den methodischen Ansatz der Tochtergesellschaft. Das Unternehmen differenziere sich durch einen datenbasierten Ansatz und biete dem Markt quantitative Lösungsvorschläge. Diese zeigen auf, wie verloren gegangene Werte rekuperiert werden können.

Zudem verdeutliche man dies den beteiligten Stakeholdern durch eine Wertrekuperations-Matrix. „Abwarten und Geld verlieren ist keine gewinnmaximierende oder verlustminimierende Strategie“, so Isen. Das Unternehmen unterstütze durch einen strukturierten Diagnoseprozess, biete strategischen Rat für Immobilienwertschöpfung und setze diesen auf Wunsch direkt an der Immobilie um.

Wachsender Bedarf an Restrukturierungsexpertise

Der Bereich Restrukturierung gewinnt für RQI an Bedeutung. Der aktuelle Bedarf an Not leidenden Krediten (NPL-Volumen) im Bereich Commercial Real Estate (CRE) in Deutschland beziffert sich auf rund 50 Milliarden Euro. Marktexperten erwarten, dass in den kommenden fünf Jahren ein problembehaftetes NPL-Volumen von etwa 300 Milliarden Euro in den Büchern deutscher Kreditinstitute verarbeitet werden muss.

Das entspricht rund dem Sechsfachen des gegenwärtigen Bedarfs.

Ein weiterer Indikator für den wachsenden Bedarf ist eine erwartete Refinanzierungslücke in hoher zweistelliger Milliardenhöhe bis 2028. Das NPL-Volumen im deutschen CRE-Segment stieg laut Analysen von 6,2 Milliarden Euro im ersten Quartal 2023 auf 17,6 Milliarden Euro im zweiten Quartal 2025. Diese Entwicklung unterstreicht den Druck auf den Immobilienmarkt und den damit verbundenen Bedarf an spezialisierten Lösungen.

RQI nennt zwei Großmandate im Umfeld des Signa-Konzerns. Diese führten zur Umsetzung von Restrukturierungsaufgaben im Volumen von circa 900 Millionen Euro. Hinzu kommen Ankäufe weiterer Objekte in Restrukturierungssituationen im Wert von rund 100 Millionen Euro. Nach Abschluss des Signa-Mandats erreicht die RQI Immobilien AG ein verwaltetes Vermögen von rund 950 Millionen Euro.

RQI: Positionierung als Wertschöpfer

Die RQI Immobilien AG agiert als bundesweit aktiver Immobilieninvestor und Partner für Family Offices. Das Unternehmen konzentriert sich laut eigenen Angaben auf Bestandsoptimierung, Bestandsentwicklung und Nutzungskonversion. RQI bezeichnet sich als Wertschöpfer, der objektspezifische Wertschöpfungsstrategien anwendet.

Investitionen fokussieren sich auf Bestandsimmobilien mit Entwicklungspotenzial in den Asset-Klassen Wohnen und Büro. RQI benennt rund 40 wirtschaftlich prosperierende Groß- und Mittelstädte als Zielmärkte. Insbesondere stehen dabei Standorte mit Forschungs- und Entwicklungsclustern an Universitäten im Fokus.

Das Risiko-Rendite-Profil wird im Value-Add-Segment eingeordnet. Die angestrebten Gesamtinvestitionskosten für Einzelobjekte liegen demnach zwischen 10 und 50 Millionen Euro, bei Portfolios ab 100 Millionen Euro.

Um Kapazitäten im Asset Management und in der Restrukturierung auszubauen, gründete die RQI Immobilien AG im September 2024 die Tochtergesellschaft RQI Asset Management GmbH. Das Führungsteam wurde zudem ergänzt durch Carsten Meinhardt als Head of Transaction, der zuvor bei SIGNA tätig war. Dominik Schott, der über zehn Jahre bei d.i.i.

Deutsche Invest Immobilien AG arbeitete, wurde Geschäftsführer der RQI Asset Management GmbH.

Das Unternehmen hat seinen Hauptsitz in Wiesbaden und unterhält eine weitere Niederlassung in Berlin. Die Mitarbeiterzahl wird mit 11 bis 50 beziehungsweise 21 bis 50 Mitarbeitern angegeben.

Ausblick auf den Immobilienmarkt

Die Berufung Ertan Isens und der strategische Fokus von RQI auf Restrukturierung und komplexe Transaktionen finden im Kontext eines erwarteten Anstiegs Not leidender Immobilien im deutschen Markt statt. Die anhaltenden Herausforderungen bei Refinanzierungen gelten als Treiber für weiteres NPL-Wachstum im CRE-Segment. Für RQI ergeben sich daraus potenzielle Geschäftsmöglichkeiten.

Zugleich bleiben diese Entwicklungen eine bedeutende Herausforderung für den gesamten Immobilien- und Finanzsektor.

Für das Gründungsjahr 2024 nannte RQI als Ziel Akquisitionen im Wert von bis zu 75 Millionen Euro über Joint Ventures. Diese Strategie deutet auf eine aggressive Expansion in einem von Umbrüchen geprägten Marktumfeld hin. Beobachter erwarten, dass die Entwicklung des NPL-Volumens im deutschen CRE-Markt engmaschig verfolgt werden muss, um die Auswirkungen auf die Stabilität des Finanzsystems einschätzen zu können.