Die US-amerikanischen Nebenwerte, repräsentiert durch den Russell 2000 Index, erleben ein Comeback. Sie übertreffen im laufenden Jahr den S&P 500. Attraktive Bewertungen, beschleunigtes Gewinnwachstum und verstärkte Investitionen in Technologien wie Künstliche Intelligenz treiben diese Entwicklung an.
Analysten sehen darin eine Möglichkeit zur Diversifikation abseits der großen Technologiekonzerne.
Small Caps übertreffen Large Caps: Eine neue Dynamik am US-Markt
Der Russell 2000 Index umfasst die 2.000 kleinsten Unternehmen des marktbreiten Russell 3000 Index. Er verzeichnet im laufenden Jahr ein Plus von rund 15 Prozent. Im gleichen Zeitraum liegt der S&P 500 Index, der die 500 größten Unternehmen beinhaltet, bei etwa 13 Prozent.
Diese Entwicklung steht im Kontrast zu den vergangenen zehn Jahren. Hier übertraf der S&P 500 den Russell 2000 mit einer annualisierten Rendite von etwa 13,5 Prozent gegenüber circa 10,6 Prozent.
Im Einjahreszeitraum bis zum 31. Juli 2026 lagen Small Caps um 1.400 Basispunkte, das sind 14 Prozentpunkte, vor den Large Caps. Diese Outperformance korrespondiert mit einem verstärkten Interesse von Investoren an Markanteilen jenseits der wachstumsstarken Technologieaktien.
Katalysatoren für das Wachstum der Nebenwerte
William Blair Investment Management nennt mehrere Gründe für das aktuelle Erstarken der kleineren US-Unternehmen. Dazu zählen attraktive relative Bewertungen, beschleunigtes Gewinnwachstum, hohe KI-Investitionen, Deregulierung und Reshoring. Zum 30.
Juni 2026 handelte man Small Caps im Verhältnis zu Large Caps mit einem erwarteten Bewertungsverhältnis von 0,77. Der historische Median lag hingegen bei 1,04.
Konsensschätzungen erwarten für die kommenden drei Jahre ein Gewinnwachstum im niedrigen bis mittleren zweistelligen Prozentbereich. Überdies stützen unternehmensfreundliche US-Politik, ein weniger restriktives Regulierungsumfeld und Kapitalinvestitionen in KI-Infrastruktur durch Hyperscaler die Marktentwicklung. Auch Reshoring und eine stärkere Ausrichtung auf den Binnenmarkt gelten als förderlich für kleinere, domestisch ausgerichtete Unternehmen.
Robuste Wirtschaft trotz Zinssorgen und Inflation
Trotz der Zinssensibilität vieler Small Caps zeigt sich die US-Wirtschaft in mehreren Indikatoren robust. Der Arbeitsmarkt beschleunigte sich im August, und die Konsumausgaben blieben laut den Quellen insgesamt stabil. Allerdings verschieben sich die Ausgaben hin zu günstigeren Alternativen. Geopolitische Spannungen, wie der Iran-Konflikt, und Preisdruck bleiben Unsicherheitsfaktoren.
Der AI-Boom trägt zur Stimmung bei. AI-bezogene Schwergewichte verantworten einen großen Teil der jüngsten Zunahme der Gewinnerwartungen. Der Optimismus bezüglich AI verstärkte sich erneut.
Einzelne Unternehmen aus dem Small-Cap-Segment illustrieren die Bandbreite der Entwicklungen. Kolibri Global Energy Inc. schloss die Frac-Stimulation bei drei Clifton-Mack-Bohrungen ab. Das Unternehmen plant, durch höhere Ölpreise generierten Cashflow für Schuldenabbau und Kapitalrückführungen an Aktionäre zu nutzen.
BIKE24 hob die Umsatzprognose für 2026 von 318 Millionen bis 332 Millionen Euro auf 345 Millionen bis 360 Millionen Euro an. Der Umsatz im ersten Halbjahr 2026 lag bei 166,9 Millionen Euro, was einem Plus von 20,8 Prozent entspricht. Zudem konkretisierte das Unternehmen sein EBITDA-Ziel.
Diese Beispiele zeigen Wachstumschancen im Small-Cap-Segment auf.
Ausblick: Volatilität und Potenzial für Diversifikation
Die Meinungen über die künftige US-Geldpolitik sind geteilt. Einige Beobachter erwarten weitere Zinserhöhungen, andere diskutieren eine bevorstehende Zinswende. Ein Rückgang der Treasury-Renditen und fallende Ölpreise interpretierte man in Berichten als positive Rückenwinde für den Markt.
Einige Marktkommentare, etwa von finanzen.ch, sehen moderate Gewinnmitnahmen und Umschichtungen in kurzfristige Obligationen als sinnvolle Reaktion auf unsichere Zinsaussichten. Zwar fiel der Russell 2000 nach seinem Höchststand Mitte August wieder um mehr als fünf Prozent, und am 11. September lag er hinter den Large-Cap-Indizes zurück.
Viele Analysten erwarten jedoch, dass der Schwung der Small Caps anhalten könnte. Anhaltend vergleichsweise niedrige relative Bewertungen, erwartetes Gewinnwachstum und Diversifikationsmöglichkeiten gegenüber den Megakonzernen nennen die Quellen als unterstützende Faktoren. Die Nachhaltigkeit dieses Comebacks hängt nach den vorliegenden Quellen wesentlich von der weiteren Entwicklung der Inflation, der Geldpolitik der Federal Reserve und den globalen Ölpreisen ab.







