Ryanair reduziert das Flugangebot in Deutschland. Der irische Billigflieger kürzt im kommenden Winterflugplan rund 700.000 Sitzplätze und verlagert sieben Flugzeuge vom Berliner Flughafen BER. Als Hauptgrund für diese Streichungen nennt das Unternehmen die im europäischen Vergleich zu hohen Standortkosten in Deutschland.

Kapazitätsabbau und Standortverlagerung

Ryanair verringert sein Flugangebot in Deutschland für den Winter 2026/27 um etwa 700.000 Sitzplätze. Dies entspricht einem Rückgang von zehn Prozent im Vergleich zum Winter 2025/26. Die Airline schließt zudem ihre Basis am Flughafen Berlin-Brandenburg (BER) vollständig. Sieben dort stationierte Flugzeuge und die dazugehörigen Crews zieht Ryanair ab.

Die Jets stationiert das Unternehmen an Flughäfen in anderen EU-Staaten, die Ryanair als wettbewerbsfähiger einstuft.

Die Reduzierung am BER bedeutet einen Kapazitätsrückgang von rund 50 Prozent. Zwölf Strecken stellt Ryanair dort komplett ein, darunter Verbindungen nach Gran Canaria, Palermo, Thessaloniki, Fuerteventura, Lanzarote, Marseille, Pisa, Tallinn, Vilnius, Bologna und Reggio Calabria. Nach Angaben von Ryanair sind die Gebühren am BER seit 2019 um mehr als 50 Prozent gestiegen.

Der Flughafen Berlin verzeichnete einen Rückgang von 36 Millionen Passagieren im Jahr 2019 auf 26 Millionen im Jahr 2025. In Hamburg kürzt Ryanair das Winterangebot um rund fünf Prozent.

Hohe Kosten als Treiber der Entscheidung

Airline-Chef Eddie Wilson erklärt, Deutschland sei „mit Abstand der größte Verlierer“ dieser Entwicklung. Er betont, Ryanair verfüge über Flugzeuge und Nachfrage, um in Deutschland zu wachsen. Jedoch nennt er Luftverkehrsteuer, gestiegene Sicherheitsabgaben, Flughafengebühren und Flugsicherungskosten als Treiber, die Kapazitäten, Investitionen und Arbeitsplätze in wettbewerbsfähigere Märkte verlagern.

Michael O’Leary, Chief Executive Officer von Ryanair, bekräftigt, Kapazitäten würden dorthin verlagert, „wo die Kosten am niedrigsten sind“.

Im Gegensatz zu den Kürzungen an großen Standorten baut Ryanair das Angebot an einigen kleineren Flughäfen aus. In Memmingen wächst das Angebot um zwölf Prozent, in Köln/Bonn um zehn Prozent. Neu im Winterflugplan sind die Flughäfen Saarbrücken und Friedrichshafen.

Ryanair stellt den Flugbetrieb am Flughafen Bremen komplett ein. Bremens Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt sagte dazu, Ryanair habe die Leistungen des Flughafens und die Nutzung seiner Infrastruktur „nahezu kostenfrei“ erhalten wollen. Dies bezeichnete sie als „unverhältnismäßig“ und „nicht mehr seriös“.

Reaktion auf politische Maßnahmen und zukünftige Perspektiven

Ryanair kündigte die Kürzungen bereits im Frühjahr 2026 an. Nach der Ankündigung der deutschen Regierung, die Luftverkehrsteuer ab Juli 2026 zu senken und die Flugsicherungsgebühren einzufrieren, erweiterte Ryanair am 15. Januar 2026 das Deutschland-Angebot für den Sommer 2026 um 300.000 Sitzplätze und nahm elf neue Strecken auf.

Wilson kommentierte, diese Maßnahmen würden besonders Flughäfen wie Köln, Niederrhein, Memmingen und Bremen zugutekommen, die ihre Kosten gesenkt haben.

Trotz der Wiedereinführung von 300.000 Sitzplätzen liegt Ryanairs Kapazität in Deutschland für 2026 nach Unternehmensangaben insgesamt unter dem Niveau von 2025. Ursache sind anhaltende Kürzungen an kostenintensiven Flughäfen wie Berlin und Hamburg. Wilson bezeichnet die Steuersenkung als „positiven ersten Schritt“.

Er fügt jedoch hinzu, Deutschland hinke Ländern wie Schweden oder Ungarn hinterher, in denen Luftverkehrsteuern abgeschafft worden sind.

Ryanair signalisiert die Bereitschaft, das Passagieraufkommen in Deutschland auf 34 Millionen pro Jahr zu verdoppeln. Voraussetzung sind wachstumsfördernde Reformen, insbesondere die Abschaffung der Luftverkehrsteuer und die Senkung von Gebühren. In diesem Fall würde das Unternehmen 30 zusätzliche Flugzeuge stationieren und mehr als 200 neue Strecken aufnehmen.

Nach Angaben des Unternehmens würde eine solche Expansion 1.000 zusätzliche Arbeitsplätze schaffen.

Ausblick und offene Fragen

Die Entwicklung setzt die Debatte über die Wettbewerbsfähigkeit des Luftverkehrsstandorts Deutschland fort. Die von der Regierung angekündigten Maßnahmen zur Entlastung der Fluggesellschaften haben zu einer teilweisen Wiederaufnahme von Kapazitäten geführt. Jedoch bestehen die Forderungen von Ryanair nach weiteren Kostenreduktionen fort.

Ob die teilweisen Anpassungen ausreichen, um weitere Kapazitätsabzüge zu verhindern oder einen Ausbau der Ryanair-Präsenz in Deutschland zu ermöglichen, wird sich in den kommenden Monaten zeigen.

Die weiteren Verhandlungen zwischen Ryanair und einzelnen Flughäfen sowie die Entwicklung der Passagierzahlen als Reaktion auf die veränderten Angebote werden die nächsten Monate prägen.