Nach dem klaren Sieg der Alternative für Deutschland (AfD) bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. September 2026 wächst in Teilen der Wirtschaft die Besorgnis. Das Ergebnis macht die AfD zur stärksten Kraft im Bundesland, stellt die Regierungsbildung vor große Herausforderungen und könnte die politische Stabilität auf Bundesebene beeinflussen.
Arbeitgeber warnen bereits vor einem „Klima der Abschottung“. Die wirtschaftlichen Folgen einer möglichen Regierungsbeteiligung der vom Verfassungsschutz in mehreren Ländern als rechtsextrem eingestuften Partei bleiben unklar.
Die AfD sicherte sich knapp 44 Prozent der Stimmen, nach Exit Polls sogar 44,5 Prozent, und verdoppelte damit ihren Stimmenanteil von 2021. Die Partei käme somit auf 39 Sitze im Landtag von Sachsen-Anhalt. Dieses Votum gilt als das stärkste Ergebnis einer rechtsextremen Partei in einem deutschen Bundesland seit dem Zweiten Weltkrieg.
Die AfD verfehlte damit knapp die absolute Mehrheit im Parlament.
Wirtschaftliche Ängste prägen das Wahlergebnis
Sachsen-Anhalt, das Bundesland mit dem niedrigsten durchschnittlichen Nettoeinkommen in Deutschland, war von wirtschaftlichen Sorgen geprägt. Einer ARD-Umfrage zufolge gaben 70 Prozent der Wähler an, sehr besorgt zu sein, dass steigende Preise sie am Bezahlen ihrer Rechnungen hindern könnten. 58 Prozent fürchteten, ihren Lebensstandard nicht halten zu können. Themen wie der Rückgang der Industrie und steigende Energiekosten prägten den Wahlkampf.
Im Wahlprogramm der AfD finden sich Forderungen nach einer Ausweitung der Kernenergie, einer Begrenzung der Windkraft, einer Verkleinerung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks sowie der Rückkehr zu billigeren Gasimporten aus Russland. Die BSW und die AfD ähneln sich zumindest in der Forderung nach einer Rückkehr zu billigem russischen Gas. Eine umfassende Übereinstimmung in weiteren Punkten ist nicht belegt.
Einwanderung, Wirtschaft und Lebenshaltungskosten dominierten die Debatten. Die AfD propagiert eine strikte Migrationspolitik mit verschärften Grenzkontrollen und einer Reduzierung von Asylanträgen. Diese Themen spiegeln eine breitere Debatte wider, die auch die kommenden Bundestagswahlkämpfe beeinflussen dürfte.
Schwierige Koalitionsfindung und die Rolle der BSW
Alle etablierten Parteien lehnen eine Zusammenarbeit mit der AfD ab. Die CDU hat eine Kooperation per Parteitagsbeschluss ausgeschlossen. AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund, der sich als erster Regierungschef der AfD in einem Bundesland positioniert, sieht derzeit keinen „natürlichen Koalitionspartner“.
Alice Weidel, Co-Bundesvorsitzende der AfD, spricht von einem „klaren Mandat zum Regieren“ und erwähnt ein „explosives Wachstum“ in Ostdeutschland und auf Bundesebene.
Eine mögliche Schlüsselrolle könnte dem Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) zukommen. Das BSW zog nach den vorläufigen Ergebnissen mit rund 5,3 Prozent in den Landtag ein und käme auf fünf Sitze. Vor der Wahl hatte das BSW eine Koalition mit der AfD ausgeschlossen.
Gleichzeitig zeigt sich die Partei offener für Formen der Zusammenarbeit als die anderen Fraktionen. Amira Mohamed Ali, Co-Parteichefin des BSW, kündigte am Wahlabend an: „Wir werden weder Herrn Schulze noch Herrn Siegmund wählen.“ Sahra Wagenknecht schlug ein Modell eines „überparteilichen Ministerpräsidenten“ mit wechselnden Mehrheiten vor und deutete an, dass Enthaltungen ihrer Partei einem AfD-Ministerpräsidenten den Weg ebnen könnten.
Dieses Modell findet in den anderen Parteien keine Unterstützung.
Politische Einordnung und internationale Reaktionen
Die AfD wird vom Landesamt für Verfassungsschutz in Sachsen-Anhalt und in mehreren anderen Bundesländern als rechtsextrem eingestuft. Diese Einordnung trägt zur innenpolitischen Komplexität der Lage bei.
Die Wahlbeteiligung lag nach den vorläufigen Angaben bei rund 78 Prozent und übertraf damit die Marke von 60,3 Prozent aus dem Jahr 2021.
Der Wahlsieg der AfD löste internationale Reaktionen aus. Elon Musk gratulierte der AfD auf X mit „Gut gemacht!“, worauf Ulrich Siegmund sich bedankte. Der ehemalige US-Präsident Donald Trump teilte einen Screenshot der prognostizierten Ergebnisse auf Truth Social.
Polens Ministerpräsident Donald Tusk schrieb auf X, dass sich „in Polen nur Idioten oder Verräter über den Triumph der AfD in Deutschland freuen können“. Frankreichs Europaminister Benjamin Haddad sprach von einem „gravierenden Moment in Europa“.
Ausblick auf die nächsten Schritte
Die kommenden Wochen gestalten sich für Sachsen-Anhalt politisch entscheidend. Der neue Landtag muss spätestens am 30. Tag nach der Wahl, also am 6. Oktober 2026, erstmals zusammentreten. In geheimer Abstimmung wird dann ein Ministerpräsident gewählt. Schlägt ein Kandidat in den ersten beiden Wahlgängen fehl, ist in einem weiteren Wahlgang die Mehrheit der abgegebenen Stimmen ausreichend.
Das Fehlen einer klaren Mehrheitsoption dürfte die Verhandlungen verlängern. Ein Scheitern bei der Regierungsbildung kann nach den verfassungsrechtlichen Regeln zu einem Verfahren führen, das auch ein vorzeitiges Ende der Wahlperiode und weitere Schritte ermöglicht. Beobachter erwarten, dass die Resultate die Kritik an Bundeskanzler Friedrich Merz verstärken könnten.
Seine Autorität gilt in den Berichten als angeschlagen.
Die wirtschaftliche Unsicherheit, die vor der Wahl bestand, könnte sich durch eine anhaltende politische Pattsituation weiter verstärken. Die Entwicklungen in Sachsen-Anhalt werden auch im Hinblick auf die anstehenden Wahlen genau beobachtet. In Niedersachsen finden am 13.
September Kommunalwahlen statt. Mecklenburg-Vorpommern und Berlin haben Landtagswahlen am 20. September.
Die nächste Bundestagswahl ist für 2029 terminiert.







