Seit Ende 2025 verzeichnet der Markt für Arbeitsspeicher (RAM) dynamische Preissteigerungen. Hauptgrund für diese Entwicklung ist die hohe Nachfrage nach Hochleistungsspeichern, insbesondere aus dem Sektor der künstlichen Intelligenz (KI). Rechenzentren und Cloud-Anbieter treiben diesen Bedarf maßgeblich voran.

Große Speicherhersteller verlagern ihre Produktionskapazitäten verstärkt auf margenstärkere Produkte wie High-Bandwidth Memory (HBM) und Server-DDR5, wodurch sich konventioneller Consumer-RAM verknappt.

KI-Boom treibt Speicherpreise

Der globale DRAM-Markt, der im Jahr 2023 ein Volumen von 103,10 Milliarden US-Dollar erreichte, soll bis 2032 auf voraussichtlich 386,45 Milliarden US-Dollar anwachsen. Dies entspricht einer jährlichen Wachstumsrate (CAGR) von 15,91 Prozent für den Zeitraum von 2024 bis 2032. Diese Expansion befeuert der Fortschritt in der KI-Technologie maßgeblich.

Moderne Anwendungen in KI, Machine Learning und Cloud-Computing erfordern große Speichermengen. Dies steigert die Nachfrage nach spezifischen DRAM-Varianten und HBM-Produkten erheblich.

Hyperscaler und Cloud-Anbieter investieren Milliarden in neue Rechenzentren. Sie sichern sich bereits heute über langfristige Lieferverträge umfangreiche Speicherkapazitäten. Im Jahr 2026 entfallen bereits 47 Prozent der Investitionsausgaben dieser Anbieter auf DRAM und NAND.

Für 2027 prognostiziert TrendForce einen Anstieg auf 68 Prozent. Diese Entwicklung erzeugt Druck auf die Produktionslinien von Speicherherstellern wie Samsung, SK Hynix und Micron.

Produktionsverlagerung beeinflusst Verfügbarkeit

Die großen Speicherhersteller verschieben ihre Produktionsstrategie. Sie konzentrieren sich zunehmend auf hochpreisige, spezialisierte Speicherprodukte, da diese höhere Margen versprechen. HBM und Server-DDR5 für KI-Anwendungen stehen dabei im Vordergrund.

Dies führt dazu, dass die Produktionskapazitäten für klassischen Desktop-RAM und ältere Generationen wie DDR4 eingeschränkt werden. TrendForce meldet etwa Kürzungen bei der Wafer-Zuteilung für DDR4 und weitere ältere Speichergenerationen.

Die Auswirkungen dieser Produktionsverlagerung sind bereits sichtbar. Ein 32-GB-DDR5-6000-Kit, das im März 2026 noch 89,90 Euro kostete, wurde im September 2026 für rund 435 Euro gehandelt. Dies entspricht einem Anstieg von etwa 384 Prozent.

DDR5-Kits verzeichneten im Jahresvergleich, von September 2025 bis September 2026, im Schnitt eine Preissteigerung von rund 370 Prozent. DDR4-Kits stiegen im gleichen Zeitraum um rund 205 Prozent.

Im November 2025 erhöhte SanDisk die Vertragspreise für NAND-Flashchips um 50 Prozent.

Eine Sammelklage in den USA wirft Samsung, SK Hynix und Micron vor, die hohe Nachfrage im KI-Sektor auszunutzen. Die Kläger behaupten, die Hersteller würden das Angebot für herkömmliche Speichermodule künstlich verknappen, um die Preise zu erhöhen. Die großen Hersteller agieren zudem vorsichtiger und zögern, die Produktion massiv hochzufahren.

Sie wollen einen erneuten Preisverfall, wie in früheren Jahren, vermeiden und die langfristige Profitabilität sichern.

Aktuelle Preisdynamik und Marktprognosen

Die Preise für Arbeitsspeicher zeigen weiterhin eine Aufwärtsdynamik. Für das dritte Quartal 2026 prognostizierte IT-Daily einen Anstieg der Arbeitsspeicherpreise um 40 bis 50 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Für das vierte Quartal 2026 wird ein weiterer Anstieg um 30 bis 40 Prozent erwartet.

Ein Heise-Online-Bericht aus Februar 2026 nannte für das erste Quartal 2026 einen Sprung von 90 bis 95 Prozent für konventionellen DRAM. Dies war der stärkste Einzelquartal-Anstieg auf dem Speichermarkt.

Die Knappheit betrifft sowohl DDR5- als auch DDR4-Speicher, wobei DDR5 aufgrund des Plattformwechsels bei neuen Intel- und AMD-Systemen besonders betroffen ist. ComputerBase dokumentierte drastische Preissteigerungen: Ein Patriot Viper VENOM UDIMM 32-GB-DDR5-Kit kostete im September 2025 noch 87 Euro und lag im September 2026 bei 449 Euro, ein Anstieg von 417 Prozent.

Micron rechnet damit, dass 75 Prozent der für 2027 geplanten Kapazitäten bereits verplant sind. Sumit Sadana, Chief Business Officer bei Micron, äußerte, dass die Nachfrage nach DRAM und NAND auch 2027 und 2028 höher bleiben werde als das verfügbare Angebot.

Ausblick auf die Marktentwicklung

Experten prognostizieren, dass eine Entspannung der Marktlage frühestens ab 2028 eintreten könnte. Bis dahin sind weitere Preissteigerungen zu erwarten. IT-Daily geht für das Gesamtjahr 2027 von einem jährlichen Preisanstieg von 40 bis 45 Prozent aus. Eine Entspannung mit einem Preisrückgang von 15 bis 20 Prozent wird erst für 2028 in Aussicht gestellt.

Technologische Weiterentwicklungen bei Halbleiter-Fertigungsprozessen können das Angebot 2026 um sieben bis acht Prozent steigern, was die anhaltende Knappheit weiter beeinflusst. Torben Mallwitz, CTO von guenstiger.de, weist auf die dynamische Lage am RAM-Markt hin und erwartet bei anhaltender Nachfrage weitere Preissteigerungen in den kommenden Monaten. Analysten und Marktbeobachter raten, sich auf volatile und tendenziell steigende Preise für Arbeitsspeicher einzustellen.

Dies gilt, solange der KI-Sektor einen großen Teil der Nachfrage ausmacht und die Hersteller ihre Produktionsprioritäten entsprechend ausrichten.