Der saudi-arabische IPO-Markt verzeichnet die schwächste Performance seit Jahren. Während die Kapitalmarktbehörde CMA Reformen vorantreibt, zögern internationale Investoren bei neuen Börsengängen. Ein Preis-Patt zwischen Unternehmenseigentümern und Investoren sowie die unterdurchschnittliche Entwicklung vieler jüngster Listings hemmen die Zeichnungsbereitschaft.
IPO-Markt in der Rezession
Im laufenden Jahr sind bisher drei Unternehmen – Dar Al Balad, Saleh Abdulaziz Al Rashed und MSGA – an der saudischen Börse Tadawul und dem Parallelmarkt Nomu gelistet. Das durch diese IPOs aufgenommene Kapital beläuft sich auf 144 Millionen US-Dollar. Im Vergleich dazu wurden im gleichen Achtmonatszeitraum des Vorjahres 3,53 Milliarden US-Dollar durch 25 Börsengänge eingesammelt.
Aktuell erreicht der Kapitalzufluss damit lediglich vier Prozent des Vorjahreswertes. Auch der Vergleich mit den Gesamtjahren 2022 und 2023, in denen 9,8 Milliarden US-Dollar beziehungsweise 3,7 Milliarden US-Dollar erzielt wurden, verdeutlicht den Rückgang.
Ein wesentlicher Faktor für diese Entwicklung ist die schwache Performance vieler bereits gelisteter Unternehmen. Von 17 seit 2023 am Hauptmarkt notierten Unternehmen handeln nur vier über ihrem ursprünglichen Ausgabepreis. Dies dämpft die Investitionsfreude und schürt Skepsis bei potenziellen Anlegern.
Die geplanten Börsengänge von Mutlaq Al Ghowairi, Arabian Dyar und Kesay Clinics wurden verschoben. Parallel dazu sind die Verlängerungen für Alandalus Educational und Alromansiah abgelaufen.
Regulatorische Anpassungen und ihre Grenzen
Die Capital Market Authority (CMA) Saudi-Arabiens hat Reformen vorgeschlagen, um die Tadawul zu beleben. Ein zentraler Punkt sind neue Underwriting-Regeln: Underwriter sollen verpflichtet werden, IPO-Aktien zu kaufen, die Investoren während des Bookbuildings nicht zeichnen. Ferner sollen Unternehmen zukunftsgerichtete Aussagen, Prognosen und finanzielle Leistungsindikatoren für mindestens das Folgejahr offenlegen müssen.
Osama Alowedi, Gründer und CEO von EQCM, einem in Riad ansässigen Asset Manager, kommentiert dazu: „I believe the proposed rules should increase accountability, improve disclosure, and strengthen price discovery. This will help create greater discipline around valuation and help ensure that deals are priced more sensibly.“
Im August wurden die Derivate-Handelsregeln angepasst. Dies geschah begleitet von einer Senkung der Handelsgebühren für Derivate und dem Einsatz von Market Makern. Ziel dieser Maßnahmen ist es, ausländische Investoren anzuziehen und die Liquidität zu erhöhen.
Mitte September gab es zudem eine Anweisung an öffentliche Geldmarkt-Fonds im Königreich, Investitionen außerhalb Saudi-Arabiens innerhalb von zwei Jahren auf fünf Prozent zu begrenzen. Diese Maßnahme könnte bis zu sieben Milliarden US-Dollar in saudische Vermögenswerte lenken.
Anleger-Skepsis und internationale Konkurrenz
Trotz der regulatorischen Maßnahmen bleiben ausländische Investoren zurückhaltend. Die Obergrenze für ausländisches Eigentum an saudischen Unternehmen liegt aktuell bei 49 Prozent. Eine Anhebung dieser Beschränkung, die die CMA im Februar prüfte, könnte laut Analysten von Morgan Stanley rund 7,4 Milliarden US-Dollar zusätzlich in saudische Aktien lenken.
Tahir Abbas, Head of Research bei Ubhar Capital, sagt dazu: „Raising the 49% foreign ownership ceiling would be an important step, particularly for larger global investors that need meaningful position sizes. The February opening of the market to all foreign investor categories was also important, but the ownership ceiling remains the more significant constraint on foreign institutional participation.“
Wegen der geringen IPO-Aktivität sondieren Investmentfirmen wie HSBC und EFG Hermes verstärkt Kapitalmarktchancen in Ägypten, der Türkei und Indien. Parallel dazu verzeichnet der Markt für Debt- und M&A-Transaktionen mit Golf-Entitäten im ersten Halbjahr des laufenden Jahres einen Anstieg von fast 200 Prozent auf rund 300 Milliarden US-Dollar. Kanzleien wie Baker McKenzie und Akin wenden sich verstärkt diesem Bereich zu.
Dies deutet auf eine Verschiebung von öffentlichen Börsengängen hin zu privaten Transaktionen.
Ausblick und offene Fragen
Analysten erwarten für das vierte Quartal des laufenden Jahres sehr begrenzte oder keine IPO-Aktivität in Saudi-Arabien. Mittelfristig, bis 2027, wird jedoch eine Pipeline von acht bis zehn Listings in den Sektoren Finanzdienstleistungen, Gesundheitswesen, Industrie und Konsum erwartet.
Osama Alowedi warnt: „In the absence of hard underwriting commitments and formal forward-looking expectations, accountability for both issuers and underwriters is relatively weak. Some recent IPOs came to market and their fundamental performance shortly after listing fell short of what had been informally indicated to institutional investors during the IPO process.“
Tahir Abbas ergänzt: „Issuers are likely to remain sensitive to market liquidity, valuation levels and geopolitical risk, but activity does not necessarily need to wait for a full resolution of the regional conflict. If volatility moderates and liquidity improves, the IPO window could reopen before that point.“ Er weist zugleich darauf hin: „It could mean fewer deals in the short term, particularly for smaller issuers or offerings priced aggressively against current market multiples.
In my view, that would be a reasonable trade-off if it results in better-priced IPOs, stronger aftermarket performance and greater investor confidence.“
Die kommenden Monate werden zeigen, ob die regulatorischen Anpassungen ausreichen, um internationales Anlegervertrauen zurückzugewinnen. Die Fähigkeit der CMA, die Qualität der Börsengänge zu sichern und die Transparenz zu erhöhen, wird entscheidend für die weitere Entwicklung des Marktes sein.







