München. Der Neobroker Scalable Capital hat konkrete Konditionen für das ab dem 1. Januar 2027 geplante Altersvorsorgedepot bekanntgegeben. Das Unternehmen kündigt an, sein Standarddepot für die staatlich geförderte Altersvorsorge ohne eigene Gebühren anzubieten. Diese Ankündigung setzt etablierte Finanzinstitute unter Druck.
Scalable Capital attackiert den Markt
Scalable Capital, ein Neobroker aus München, hat die Bedingungen für sein neues Altersvorsorgedepot vorgestellt. Das neue Produkt soll die bestehende Riester-Rente ablösen und die staatlich geförderte Altersvorsorge stärker an den Kapitalmarkt anbinden. Erik Podzuweit, Mitgründer und Geschäftsführer von Scalable Capital, erklärt, das Unternehmen wolle das Standarddepot ohne eigene Gebühren anbieten.
Demnach sind Kontoführung, Depotführung sowie Sparpläne, Käufe und Verkäufe in diesem Depot kostenlos.
Die laufenden Produktkosten der zugrundeliegenden ETFs sollen maximal 0,15 Prozent pro Jahr betragen. Diese Kosten fließen an die Fondsgesellschaft. Im ersten Jahr sollen die ETF-Kosten vollständig von Scalable Capital übernommen werden.
Scalables Ansatz liegt damit unter dem gesetzlich festgelegten Kostendeckel von maximal 1,00 Prozent des eingezahlten Kapitals pro Jahr für Standarddepots. Bei einem Depotvolumen von 10.000 Euro entsprechen 0,15 Prozent laufender Fondskosten 15 Euro pro Jahr. Der gesetzliche Höchstsatz läge bei 100 Euro.
Überdies kündigt Scalable ein Self-Directed-Altersvorsorgedepot an, bei dem Anleger ihre ETFs frei wählen können. Hierfür sollen keine Kontogebühren und Sparplankosten anfallen. Dauerhaft sollen ETFs ab circa 0,03 Prozent TER verfügbar sein. Im kostenlosen FREE-Modell sollen Transaktionen 0,99 Euro kosten. Im kostenpflichtigen PRIME+-Modell entfallen die Transaktionskosten.
Ein neuer Markt entsteht
Das Altersvorsorgedepot soll ab 2027 mehr als 50 Millionen Menschen in Deutschland zugänglich sein. Es soll die staatlich geförderte Altersvorsorge stärker an den Kapitalmarkt anbinden. Die staatliche Förderung umfasst eine Grundzulage von bis zu 540 Euro pro Jahr.
Die ersten 360 Euro Eigenbeitrag bezuschusst der Staat mit 50 Cent je Euro. Weitere Einzahlungen bis zu insgesamt 1.800 Euro fördert er mit 25 Cent je Euro. Hinzu kommen Kinderzulagen und ein Bonus für junge Sparer.
Die Ratingagentur S&P Global prognostiziert, dass künftig jährlich zwischen 26 und 56 Milliarden Euro in Altersvorsorgedepots fließen könnten. Ende 2025 gab es rund 14,7 Millionen Riester-Verträge mit einem geschätzten Vermögen von etwa 240 Milliarden Euro. Scalable Capital plant, bestehende Riester-Kunden mit einem Wechselservice gezielt anzusprechen.
Die Abwicklung soll zwischen den Anbietern und der Zentralen Zulagenstelle für Altersvermögen (ZfA) erfolgen.
Etablierte Akteure unter Zugzwang
Die Preisgestaltung von Scalable Capital beeinflusst etablierte Finanzinstitute. Zu den betroffenen Akteuren zählen Sparkassen, Direktbanken wie ING und Comdirect sowie Fondsgesellschaften wie Deka, DWS und Union Investment. Die Sparkassen, mit etwa 38 Millionen privaten Girokonten, wollen ihre Konditionen für das Altersvorsorgedepot Ende des dritten Quartals bekanntgeben.
Deka-Chef Georg Stocker kündigt dabei ein „sehr attraktives und wettbewerbsfähiges Angebot“ an.
Andere Wettbewerber halten sich bislang mit konkreten Zahlen zurück. Smartbroker-Chef Thomas Soltau sagt, die Ankündigung habe sein Unternehmen nicht überrascht. Man habe den Anspruch, „mit einem sehr günstigen Angebot in den Markt einzutreten.“
Comdirect-Chefin Sabine Schoon-Renné erklärt, ihr Haus werde beim Standarddepot „deutlich unter dem gesetzlichen Kostendeckel von einem Prozent“ liegen. Die DKB teilt mit, man beobachte die Marktentwicklung sehr genau und überprüfe sein Preis- und Leistungsangebot kontinuierlich. Trade Republic plant ebenfalls, ein Altersvorsorgedepot anzubieten.
Offene Fragen und nächste Schritte
Die von Scalable Capital kommunizierten Konditionen sind vorläufig. Das finale Produkt muss die erforderliche Zertifizierung erhalten, die erst mit Inkrafttreten des zugrunde liegenden Gesetzes Anfang 2027 erfolgen kann. Unklar ist, wie sich die Kosten nach dem ersten Jahr der ETF-Kostenübernahme entwickeln werden.
Kritiker weisen darauf hin, dass „kostenlos“ nicht bedeutet, dass keine Kosten anfallen. Die laufenden Produktkosten (TER) der ETFs werden dem Fondsvermögen entnommen und wirken sich auf die Rendite aus. Die Komplexität der Riester-Administration und die Übernahme von Altverträgen, etwa bei Zulagenrückforderungen oder Wohnförderkonten, stellen zudem eine organisatorische Herausforderung für neue Anbieter dar.
Weitere Finanzinstitute werden in den kommenden Monaten ihre Angebote vorstellen. Die Marktentwicklung und die Reaktion der Politik auf die Preisgestaltung der Anbieter bleiben abzuwarten.







