Scalable Capital greift Riester-Erbe an: KI-Integration für Depotverwaltung angekündigt
Scalable Capital bereitet die Markteinführung eines staatlich geförderten Altersvorsorgedepots vor. Ab dem 1. Januar 2027 positioniert sich das Münchner FinTech als Nachfolger der Riester-Rente. Das Unternehmen setzt dabei auf eine niedrige Kostenstruktur.
Parallel dazu kündigt Scalable Capital die Integration künstlicher Intelligenz über gängige KI-Assistenten an. Dies soll das Handeln und die Depotverwaltung per Sprach- oder Texteingabe ermöglichen. Die Initiative trägt den Namen „Agentic Investing“ und zielt darauf ab, die Interaktion mit dem Kapitalmarkt zu vereinfachen.
Preiskampf um die Altersvorsorge
Für das neue Altersvorsorgedepot nennt Scalable Capital folgende Konditionen: Depotführung, Sparplanausführungen sowie Ein- und Auszahlungen sollen kostenfrei sein. Die laufenden ETF-Kosten (TER) gibt das FinTech mit maximal 0,15 Prozent p. a. an. Gesetzlich erlaubte Effektivkosten für das Standardprodukt liegen bei bis zu 1,0 Prozent p. a.
Für das erste Jahr plant das Unternehmen, ausgewählte ETFs bis zum 31. Dezember 2027 mit 0,00 Prozent laufenden ETF-Kosten anzubieten. Maximilian Meyer, Marketingchef bei Scalable Capital, kommentiert dies als Reaktion auf Kritik an der gesetzlichen Gebührenobergrenze.
Berechnungen zeigen, dass bei einer Sparphase von 40 Jahren ein Unterschied zwischen 1,0 Prozent p. a. und 0,15 Prozent p. a. Gebühren zu einem deutlich geringeren Vermögen führen kann; es ist eine Zahl von bis zu 287.000 Euro genannt.
Scalable Capital spricht damit auch die rund 14,7 bis 15 Millionen bestehenden Riester-Sparer an. Diese halten ein geschätztes Gesamtvermögen von rund 240 Milliarden Euro (Stand Ende 2025/2026). Das FinTech bietet einen automatisierten Wechselservice an. Kunden sollen dafür ihren bisherigen Anbieter, das Produkt und die Vertragsnummer angeben.
Das Altersvorsorgedepot sieht die staatlichen Förderkomponenten vor. Hierzu gehören eine jährliche Grundzulage von bis zu 540 Euro bei einem Eigenbeitrag von 1.800 Euro sowie Kinderzulagen von bis zu 300 Euro pro Kind. Zudem gibt es einen einmaligen Berufseinsteigerbonus von 200 Euro für unter 25-Jährige.
Steuerliche Regelungen sind ebenfalls vorgesehen. Dazu zählen die Absetzbarkeit als Sonderausgaben bis 1.800 Euro plus Zulagen und die Steuerfreiheit für Gewinne im Depot bis zur Entnahme im Ruhestand. Der Mindestbeitrag für die Förderberechtigung liegt bei 120 Euro pro Jahr.
KI als Navigator am Kapitalmarkt
Scalable Capital treibt gleichzeitig die Integration von KI in seine Handelsplattform voran. Unter dem Begriff „Agentic Investing“ öffnet das Unternehmen die Plattform für gängige KI-Assistenten wie ChatGPT, Claude oder Grok. Nutzer sollen per Sprachbefehl oder Texteingabe Trades ausführen, Sparpläne einrichten, Watchlists verwalten und Preisalarme setzen können.
Die Verantwortung für die tatsächlichen Trades verbleibt beim Anleger.
Erik Podzuweit, Co-CEO und Gründer von Scalable Capital, betont: „Agentic Investing ist der größte technologische Sprung in der Finanztechnologie seit dem Internet-Banking. Mit der Öffnung unserer Plattform setzen wir den Standard für die Interaktion zwischen Mensch, KI und Kapitalmarkt.“ Die verfügbaren Quellen beschreiben die KI-Funktionen für die Handelsplattform allgemein.
Eine direkte, explizite Verbindung dieser Funktionen zum neuen Altersvorsorgedepot ist nicht eindeutig belegt.
Scalable Capital zählt nach den vorliegenden Angaben mehr als 1,5 Millionen Nutzer und hat Investoren wie BlackRock und Tencent. Mit diesem Schritt positioniert sich das Unternehmen im Bereich von KI-Anwendungen im Retail-Trading. Die angekündigten KI-Funktionen reichen über reine Orderausführung hinaus und umfassen Sparpläne, Watchlists und Alarmfunktionen.
Ausblick auf einen Markt im Umbruch
Die Ankündigungen von Scalable Capital markieren den Beginn eines Wettbewerbs um das Riester-Erbe und die Neugestaltung staatlich geförderter privater Altersvorsorge in Deutschland. Die genannten Preismodelle und die Integration von KI-Funktionen dürften den Wettbewerb beeinflussen. Die Verbindlichkeit der Konditionen hängt jedoch von der Zertifizierung des Angebots und der Vorlage des offiziellen Preis- und Leistungsverzeichnisses bis zum Start 2027 ab.
Als potenzielle Wettbewerber werden unter anderem Trade Republic, Smartbroker+, ING, DKB, Cosmos Direkt, finanzen.net ZERO, flatex, Consorsbank und Traders Place genannt. Union Investment plant nach den vorliegenden Angaben ebenfalls die Einführung aktiver ETFs für das Standarddepot, hat aber bisher keine konkreten Kosten genannt. Die Frage, ob und in welchem Umfang die „Agentic Investing“-Funktionen direkt für das staatlich geförderte Altersvorsorgeprodukt verfügbar sein werden, bleibt nach den Quellen offen.
Die Marktreaktion sowie die weiteren Schritte von Wettbewerbern und Regulatoren bleiben abzuwarten.







