Die Freo Group verkauft ein ursprünglich für ein KI-Rechenzentrum vorgesehenes Areal bei Rostock an die Schwarz-Gruppe. Diese Transaktion verdeutlicht das wachsende Interesse großer Unternehmen am Rechenzentrumsgeschäft und an Infrastruktur für künstliche Intelligenz. Die Schwarz-Gruppe, bekannt durch Kaufland und Lidl, ist auch im Datacenter-Bereich aktiv.
Strategische Expansion der Schwarz-Gruppe
Der Erwerb des Geländes an der Ostsee durch die Schwarz-Gruppe betrifft ein Areal, für das ursprünglich ein großes KI-Rechenzentrum mit bis zu 1,2 Gigawatt IT-Last geplant war. Die Schwarz-Gruppe ist als Käuferin bestätigt; Verkäufer war die Freo Group. Ob die Schwarz-Gruppe die ursprünglich von Freo geplanten Ausbaupläne übernimmt oder eigene Konzepte verfolgt, ist nicht bekannt.
Der globale Datacenter-Markt entwickelt sich dynamisch. Der Bedarf an Rechenleistung für Cloud-Dienste, Big Data und KI treibt Investitionen voran und verändert die Anforderungen an Energieversorgung sowie Standortwahl.
Globale Dynamik im Datacenter-Markt
Die Transaktion in Rostock reiht sich in eine weltweite Entwicklung des Ausbaus von Rechenzentrumsinfrastruktur ein. In den USA sind laut Tracker 1.152 Datacenter mit einer kombinierten Kapazität von 53.709 Megawatt in Betrieb. Zusätzlich befinden sich 1.635 Projekte in Planung, die weitere 365.931 Megawatt hinzufügen würden.
Gleichwohl zeigen sich auch Herausforderungen: Im ersten Quartal 2026 kam es zu mehr Verzögerungen und Absagen von Datacenter-Projekten als im gesamten Jahr 2025. Mindestens 75 Projekte im Wert von rund 130 Milliarden US-Dollar in 29 Bundesstaaten wurden blockiert oder verzögert.
Parallel dazu verändern Rechenzentren auch Immobilienmärkte. Der Anteil der US-Eigenheimverkäufe im Umkreis von fünf Meilen um ein großes Rechenzentrum stieg von 0,67 Prozent im Jahr 2018 auf 1,5 Prozent im Jahr 2026. Für 2027 prognostizieren Analysten einen Anteil nahe 2,3 Prozent.
Diese Daten deuten auf messbare Auswirkungen von Infrastrukturprojekten auf lokale Gemeinschaften und die Landnutzung hin.
Südostasien als Wachstumsmotor
Südostasien ist ein weiterer Schwerpunkt für Datacenter-Investitionen. Dort sind gegenwärtig 306 Datacenter in Betrieb; 173 weitere befinden sich in Planung oder im Bau. Die Investitionen in die Region sollen von 15,72 Milliarden US-Dollar im Jahr 2025 auf 35,08 Milliarden US-Dollar bis 2031 steigen. Die durchschnittliche jährliche Wachstumsrate beträgt 14,32 Prozent.
Bis 2030 sollen sich die Anforderungen an KI-Computing in Südostasien nahezu verzehnfachen.
Malaysia führt die Region bei der angekündigten Kapazität an, mit mehr als sechs Gigawatt IT-Last in Planung. Davon entfallen etwa 4,0 Gigawatt auf Johor; Stand November des Vorjahres waren davon 700 Megawatt im Bau und 3,3 Gigawatt in der Planungs- oder Ankündigungsphase. Neue Datacenter-Tarife, die im Juli des Vorjahres in Kraft traten, könnten die Energiekosten um 10 bis 14 Prozent erhöhen.
Anlagen über 100 Megawatt könnten dadurch jährlich zusätzlich 15 bis 20 Millionen US-Dollar an Energiekosten verursachen.
Auch Thailand verzeichnet hohe Wachstumsraten: Die Markterwartung sieht dort ein Wachstum von 1,44 Milliarden US-Dollar auf 6,28 Milliarden US-Dollar bis 2031, was einer jährlichen Wachstumsrate von 27,78 Prozent entspricht. Die Pipeline umfasst über 2,87 Gigawatt (Stand September des Vorjahres). Im November desselben Jahres wurden vier Projekte mit insgesamt rund 376 Megawatt genehmigt.
Ausländische Direktinvestitionen stiegen im letzten Jahr um 80 Prozent.
Herausforderungen und Ausblick
Die Transaktion zwischen Freo und der Schwarz-Gruppe sowie die globalen Marktdaten zeigen die komplexen Herausforderungen und Chancen im Rechenzentrumssektor. Die steigende Nachfrage nach Rechenleistung, insbesondere für KI-Anwendungen, treibt Investitionen an. Gleichzeitig trifft sie auf Grenzen bei Energieversorgung, Genehmigungsverfahren und lokalen Auswirkungen.
Es bleibt offen, welche konkreten Pläne die Schwarz-Gruppe für das in Rostock erworbene Areal verfolgt und wie sich diese in ihre Digitalstrategie einfügen. Fragen der Energieversorgung, einschließlich des Einsatzes erneuerbarer Energie, und die Integration in lokale Infrastruktur werden weiterhin relevant sein.
Der Fall in Rostock ist beispielhaft dafür, dass große Konzerne in Infrastruktur investieren, die über ihr traditionelles Kerngeschäft hinausgeht. Analysten werden die langfristigen Folgen für Energie- und Immobilienmärkte aufmerksam beobachten.







