Die Schweiz etabliert sich erneut als bevorzugter Standort für die diskrete Vermögensverwaltung und -sicherung deutscher Hochvermögender. Angesichts geopolitischer Unsicherheiten und steigender Staatsverschuldung gewinnt die Suche nach sicheren Anlagehäfen für Family Offices an Bedeutung. Diese Entwicklung bestätigt die Rolle der Schweiz als zentralen Anlaufpunkt für Kapital in global volatilen Zeiten.

Stabilität zieht Kapital an

Die Schweiz gilt traditionell als sicherer Hafen für Investoren. Ihre robuste Währung, politische und wirtschaftliche Stabilität sowie der ungehinderte globale Marktzugang sind dabei entscheidende Faktoren. Diese Aspekte sind für vermögende Privatpersonen relevant, die in unsicheren Zeiten zuverlässige Orte für ihr Vermögen suchen.

Ein deutscher Family-Officer betonte gegenüber Hannes Breustedt vom Manager Magazin, dass „Fluchtorte“ angesichts geopolitischer Lage und Staatsverschuldung ein „Riesenthema“ sind.

Im November 2025 lehnten 78 Prozent der Schweizer Wähler einen Vorschlag zur Einführung einer nationalen Erbschafts- oder Schenkungssteuer über 50 Millionen Franken ab. Die Vorlage hätte rund 2.500 Personen betroffen und sollte unter anderem zur Bewältigung der Auswirkungen des Klimawandels sowie zur Verringerung der Vermögensungleichheit beitragen. Marktbeobachter werteten die Ablehnung als klares Signal für die Attraktivität des Schweizer Finanzplatzes.

Diskretion und Steuervorteile als Magnet

Gesetzliche Regelungen zum Schutz der Privatsphäre sowie kantonale Steuerstrukturen tragen ebenfalls zur Attraktivität der Schweiz bei. Die Vermögenssteuer im Kanton Zürich beginnt für einzelne Steuerzahler im Jahr 2026 bei 0,00 Prozent für Vermögen bis 81.000 Franken. Sie steigt auf 0,30 Prozent für Vermögen über 3.304.000 Franken.

Ein Referendum im November 2024 führte im Kanton Genf ab dem 1. Januar 2025 zu einer Steuersenkung. Diese variiert je nach steuerpflichtigem Einkommen zwischen 11,4 und 5,3 Prozent. Die Vermögenssteuer in Genf weist 2025 eine progressive Struktur auf, mit Sätzen von 0,149 Prozent für Vermögen bis 111.059 Franken bis zu 0,383 Prozent für Vermögen über 1.665.879 Franken.

Internationale Vermögensverwalter profitieren von mehr als 100 Doppelbesteuerungsabkommen der Schweiz. Die Schweiz ratifizierte zudem 2007 das Haager Übereinkommen über Trusts, wodurch Trusts als rechtliche Instrumente anerkannt sind. Dies bietet zusätzliche Gestaltungsmöglichkeiten für komplexe Vermögensstrukturen.

Millionäre wechseln den Wohnsitz

Die Anziehungskraft der Schweiz zeigt sich in aktuellen Prognosen und Kennzahlen. Für 2025 wurde eine Rekordzahl von rund 142.000 Millionären erwartet, die weltweit ihren Wohnsitz wechseln. Für 2026 prognostiziert man einen Anstieg auf 162.000.

In Ranglisten lag die Schweiz 2025 auf dem vierten Platz der Länder, die Millionäre anziehen, hinter den Vereinigten Arabischen Emiraten, den USA und Italien.

Im Jahr 2025 führte die Schweiz die Liste der Millionäre pro Kopf an, mit etwa 145 Millionären pro 1.000 Erwachsene. Das entspricht ungefähr einem von sieben Erwachsenen. Das Gesamtvermögen der 300 reichsten Einwohner der Schweiz übersteigt eine Billion US-Dollar.

Giorgio Pradelli, CEO von EFG International AG, erklärte in einem Bloomberg-TV-Interview im November 2025: „Im Wealth Management und Private Banking bleibt die Schweiz der weltweit führende Standort.“ Er fügte hinzu: „Ich bin auch in Jahren optimistisch gewesen, als viele Menschen noch pessimistischer waren als heute.“

Die Fortsetzung dieses Trends hängt maßgeblich von der weiteren Entwicklung geopolitischer Spannungen und der Steuerpolitik in den Herkunftsländern der Vermögenden ab. Analysten beobachten diese Faktoren genau, um mögliche Verschiebungen im globalen Kapitalfluss zu antizipieren.