Speichertechnologie: 50-Terabyte-Festplatten für Rechenzentren in Planung – KI-Boom treibt Nachfrage
Die Hersteller Seagate und Western Digital planen die Einführung von Festplatten (HDDs) mit Speicherkapazitäten von 50 Terabyte (TB) und mehr. Diese Entwicklung wird maßgeblich durch Heat-Assisted Magnetic Recording (HAMR) vorangetrieben. Sie reagiert auf den erhöhten Speicherbedarf, insbesondere in KI-Rechenzentren.
Endverbraucher sind derweil von steigenden SSD-Preisen betroffen, da Hersteller Teile ihrer Produktpolitik verstärkt auf Enterprise-Kunden und Rechenzentren ausrichten.
Kapazitätssprünge durch neue Technologien
Seagate liefert bereits Festplatten mit über 30 TB und testet aktuell 36-TB-Einheiten mit Kunden. Das Unternehmen plant die Einführung von 50-TB-Laufwerken in den kommenden Jahren und strebt bis 2030 100-TB-Laufwerke an. Grundlage dafür ist die Mozaic-3+-Plattform, die die Flächenspeicherdichte auf über 3,6 TB pro Platte erhöhen soll.
Seagate gibt an, dass die Zuverlässigkeit der HAMR-Laufwerke jener traditioneller PMR-Speicher entspricht.
Western Digital plant 40-TB-Laufwerke unter Verwendung von UltraSMR und ePMR für Ende 2026. Das Unternehmen peilt zudem 100-TB-plus-HAMR-Laufwerke bis 2029 an. Die Roadmap für 2026 umfasst außerdem Dual-Aktuatoren und eine High-Bandwidth-Drive-Architektur.
Diese sollen die Leistung steigern und den Energieverbrauch pro Terabyte in Rechenzentren reduzieren. Die 24-TB-HDD-Kapazität von Western Digital war Anfang 2026 aufgrund der Nachfrage aus KI-Rechenzentren ausverkauft.
KI-Boom als zentraler Nachfragentreiber
Der Aufstieg der künstlichen Intelligenz verändert die Ökonomie der digitalen Speicherung grundlegend. KI-Rechenzentren benötigen große Mengen an Hochleistungsspeicher. Enterprise-SSDs machten im zweiten Quartal 2026 etwa 48 Prozent der ausgelieferten NAND-Bits aus, nach 26 Prozent im Vorjahr.
Diese Verschiebung führt zu einer Priorisierung der Unternehmensnachfrage und damit zu Verknappungen für Endkunden, was wiederum die Preise beeinflusst. Die Nachfrage aus KI-Rechenzentren hat die Preise für 24-TB-HDDs von Western Digital laut Quelle um 46 bis 60 Prozent steigen lassen. Experten schätzen den Speicherbedarf in KI-Rechenzentren bis 2030 auf rund 1,2 Zettabyte.
Die Konsolidierung des HDD-Markts hat drei große Hersteller hinterlassen: Western Digital, Seagate und Toshiba. Branchenschätzungen für 2025 weisen für Western Digital etwa 47 Prozent der Kapazitätslieferungen aus, für Seagate rund 42 Prozent und für Toshiba rund 11 Prozent.
Technologische Fortschritte jenseits der Festplatte
Im NAND-Flash-Bereich treiben Hersteller ebenfalls die Kapazitätssteigerung voran. QLC-NAND (Quad-Level Cell) speichert vier Bit pro Zelle. Dies erhöht die Speicherdichte bei geringeren Kosten pro Bit, bringt jedoch meist eine niedrigere Schreibleistung mit sich, sobald der SLC-Zwischenspeicher erschöpft ist. Alle großen Hersteller von 3D-NAND bieten QLC-Varianten an.
Kioxia stellte BiCS9-QLC-NAND mit 2 Tbit pro Chip vor. SK Hynix zeigte neuen 321-Layer-QLC-NAND in der SSD-Serie PQC21 im Mini-Format M.2 2230, wobei Dell der erste Abnehmer ist. IBM und Macronix arbeiten an Dual-Tier-SSDs, die TLC-NAND und SLC-NAND in einem Gerät kombinieren.
Diese Technik kann in bestimmten Szenarien helfen, „kalte“ und „warme“ Daten zu trennen und so die Kombination von SSDs und HDDs teilweise zu ersetzen. Auf der FMS 2026 stellte das chinesische Unternehmen DapuStor ein SSD-Laufwerk mit 512 TB Speicherkapazität aus.
Ausblick auf den Speichermarkt
Für die kommenden Jahre ist mit weiteren Kapazitätssteigerungen bei HDDs und NAND-Flash zu rechnen. Diese Entwicklung wird maßgeblich durch die Nachfrage der KI-Branche getrieben. Die angekündigte Einführung von 50-TB-HDDs und die Zielgrößen von 100 TB markieren Schritte, mit denen Rechenzentren größere Datenmengen lokal speichern können.
Offene Fragen betreffen die finalen Marktpreise für diese Technologien und die langfristigen Auswirkungen auf den Endverbrauchermarkt, der bereits Preissteigerungen und Verknappungen erlebt. Zur Zuverlässigkeit von HAMR-Drives liegen Herstellerangaben vor, unabhängige Langzeittests sind in den vorliegenden Quellen nicht dokumentiert. Analysten erwarten, dass sich der Wettbewerb im Enterprise-Segment weiter verschärft, während Endkundenpreise volatil bleiben.







