Seagate Technology Holdings und Toshiba Corp. konkurrieren einem Bloomberg-Bericht zufolge um die Übernahme des Geschäftsbereichs für magnetische Lese-/Schreibköpfe der TDK Corporation. Dieser Bieterwettstreit ist Ausdruck der wachsenden Nachfrage nach Speichermedien für KI-Rechenzentren. Das potenzielle Geschäftsvolumen der Sparte beläuft sich auf mehrere Milliarden US-Dollar.
Strategische Bedeutung der TDK-Sparte
TDK ist der weltweit einzige unabhängige Hersteller von HDD-Aufzeichnungsköpfen. Das Unternehmen beliefert die drei großen Festplattenhersteller Seagate, Western Digital und Toshiba. Für Toshiba ist der Erwerb der TDK-Sparte von besonderer Bedeutung. Der Konzern ist für seine HDD-Köpfe vollständig auf TDK angewiesen, auch für die geplanten HAMR-(Heat-Assisted Magnetic Recording)-Technologien.
Seagate und Western Digital hingegen produzieren den Großteil ihrer Köpfe intern. Sie nutzen TDK primär zur Abdeckung von Kapazitätsspitzen.
TDK bewertet einen Verkauf der Sparte vor dem Hintergrund volatiler Gewinne und hoher Kapitalanforderungen. Das Unternehmen will Ressourcen in andere Bereiche wie Batterien, passive Komponenten und Sensoren verlagern. Im Fiskaljahr, das im März 2026 endete, wies das Segment „Magnetic Application Products“ einen Return on Invested Capital (ROIC) von rund 4 Prozent auf.
Dies war der niedrigste Wert unter TDKs vier Geschäftsbereichen.
Das Segment „Magnetic Application Products“, zu dem HDD-Köpfe gehören, erzielte im Fiskaljahr 262,9 Milliarden Yen (rund 1,74 Milliarden US-Dollar) Umsatz. Der Betriebsgewinn lag bei 27,0 Milliarden Yen (rund 179 Millionen US-Dollar). Der Betriebsgewinn stieg gegenüber dem Vorjahr etwa achtfach.
TDK führt die erhöhte Profitabilität im Segment auf eine robuste Nachfrage zurück, unter anderem aus dem Bereich der KI-Rechenzentren.
Toshiba und Seagate verfolgen unterschiedliche Ziele
Toshiba nahm im Frühjahr 2026 Gespräche mit TDK über eine mögliche Übernahme auf. Zudem plant Toshiba eine Investition von rund 60 Milliarden Yen (rund 379,5 Millionen US-Dollar) zur Erweiterung eines Werks auf den Philippinen. Ziel ist es, die Produktion von HDDs für KI-Rechenzentren bis zum Fiskaljahr 2027 gegenüber 2025 zu verdoppeln.
Langfristig strebt Toshiba einen Anteil von 30 Prozent am weltweiten HDD-Markt an.
Toshiba plant, bis 2030 Produkte der 65-Terabyte-Klasse einzuführen und später 100-Terabyte-Klasse-Angebote zu entwickeln. Bereits im Januar 2022 hatte Toshiba einen Prototyp einer Festplatte mit über 30 Terabyte Kapazität auf Basis der MAS-MAMR-Technologie vorgestellt. Diese Technologie soll eine Steigerung der Datendichte um bis zu etwa 20 Prozent ermöglichen.
Seagate stieg im Sommer 2026 mit einem höheren Angebot als Toshiba in den Bieterprozess ein. Der Hersteller begann im März 2026 mit der Auslieferung von 44-Terabyte-Laufwerken, die auf HAMR-Technologie basieren. Marktanalysen von TrendForce für 2026 schätzen die HDD-Marktanteile (gemessen an Speicherkapazität) auf Western Digital 48 Prozent, Seagate 42 Prozent und Toshiba 10 Prozent.
Potenzielle Auswirkungen auf den Wettbewerb
Eine Übernahme der TDK-Sparte durch Seagate könnte wettbewerbsrechtliche Bedenken aufwerfen. Erwirbt Seagate das Kopfgeschäft, müsste Toshiba seine essenziellen HDD-Köpfe gegebenenfalls von einem seiner Hauptkonkurrenten beziehen. Auch Western Digital würde eine wichtige Option für zusätzliche Kapazitäten verlieren.
Solche Veränderungen könnten die Wettbewerbslandschaft im Speichermarkt maßgeblich beeinflussen. Datacenter-Speicherkapazität wird in diesem Kontext zunehmend als strategisch relevant betrachtet.
Vertreter von Seagate, Toshiba und TDK lehnten Kommentare zu den Berichten ab. TDK erklärte: „Certain media reports have been published regarding HDD head business of the Company. However, these reports are not based on any announcement made by the Company.
The Company is pursuing initiatives, including strengthening its business portfolio management, to further enhance corporate value, but no decisions have been made at this time.“
Die Verhandlungen befinden sich weiterhin in einer frühen Phase. Gespräche über die Sicherstellung der Lieferkette, einschließlich möglicher Joint-Venture-Strukturen, könnten noch scheitern. Nach Bekanntwerden der Berichte stiegen die TDK-Aktien im Tokioter Handel um über 7 Prozent, das Handelsvolumen verdreifachte sich nahezu.
Analysten beobachten die weiteren Entwicklungen aufmerksam, insbesondere die Reaktion der Wettbewerbsbehörden und die langfristigen Auswirkungen auf die Lieferketten im Speichermarkt.







