Die US-amerikanische Börsenaufsichtsbehörde SEC hat neue Regeln vorgeschlagen, die es Investmentberatern und regulierten Fonds erleichtern, Kryptowährungen im Namen ihrer Kunden zu halten. Nach Jahren einer restriktiven Praxis, die auch auf „regulation by enforcement“ setzte, legt die Behörde nun einen formalen Regulierungsentwurf zur Verwahrung digitaler Assets vor.
Die angekündigten Vorschläge zielen darauf ab, jahrzehntealte Verwahrungsanforderungen zu modernisieren. Regulatorische Barrieren, die die Fähigkeit von Beratern bislang eingeschränkt haben, kryptobezogene Produkte anzubieten, sollen so abgebaut werden. Die Initiative erfolgt vor dem Hintergrund eines Kryptomarkts im Wert von mehreren Billionen US-Dollar und einer zunehmenden institutionellen Nachfrage nach digitalen Assets.
Neuer Rahmen für Krypto-Verwahrung
Die SEC hat am Donnerstag, den 2. Oktober 2026, den neuen Regelungsentwurf offiziell unter dem Titel „Regulation Crypto Assets“ präsentiert. Dieser Entwurf sieht einen maßgeschneiderten Rahmen für die Verwahrung von Krypto-Assets durch registrierte Investmentberater, Investmentgesellschaften und Business Development Companies vor.
Ein zentraler Punkt des Vorschlags ist die Möglichkeit, Krypto-Assets in bestimmten Fällen in Eigenverwahrung („self-custody“) zu halten. Zudem könnten staatliche Treuhandgesellschaften künftig als Verwahrer für Krypto-Assets von Kunden und regulierten Fonds agieren. Diese Änderungen könnten regulierten Fonds größere Möglichkeiten eröffnen, Anlegern kryptobezogene Anlagestrategien anzubieten.
SEC-Vorsitzender Paul Atkins bekräftigt die Notwendigkeit der Anpassung: „Today’s proposal would provide a clear regulatory framework for the custody of crypto assets, giving investment advisers and funds a compliant pathway where none existed before.“ Atkins hatte bereits zuvor eingeräumt, dass die US-Wertpapiergesetze mit dem rasanten Wachstum von Bitcoin seit 2008 nicht Schritt gehalten haben. Die Initiative folgt dem Scheitern des umfassenden Krypto-Marktstruktur-Gesetzesentwurfs „Clarity Act“ im Senat im September 2026.
Nun treibt die SEC die Ausarbeitung von Krypto-Regeln unter ihrer bestehenden Autorität voran.
Historischer Kontext und Marktimpulse
Die SEC hat in den vergangenen Jahren eine ambivalente Haltung zu Kryptowährungen gezeigt. Im Januar 2024 genehmigte die Behörde die Zulassung von elf Bitcoin-Spot-ETFs, unter anderem von BlackRock, Ark Investments und Fidelity. Zugleich wies sie auf den spekulativen und volatilen Charakter von Bitcoin hin und betonte, keine Befürworterin von Bitcoin zu sein.
Der aktuelle Vorstoß markiert eine veränderte Haltung und lässt sich vor dem Hintergrund von Aussagen der SEC-Führung zur Rückgewinnung von Krypto-Aktivität in die USA lesen. Paul Atkins äußerte dazu: „We can’t fool ourselves. American investors in the age of the internet can send their money anywhere. So we need to make sure that they can do it here in the United States under United States law.“
Die Kursentwicklung von Bitcoin reagierte bereits in den Wochen vor der offiziellen Ankündigung positiv auf die sich abzeichnenden Entwicklungen. Nachdem der Kurs im September 2026 die Marke von 82.000 US-Dollar durchbrochen hatte, notierte Bitcoin am 2. Oktober 2026 bei rund 86.300 US-Dollar.
Medien und Marktbeobachter verweisen auf einen Rebound von über 40 Prozent seit dem Tiefpunkt im Juli 2026.
Profiteure der neuen Ära
Die Finanzmärkte reagierten auf mehrere regulatorische Signale der SEC. Eine vorherige Ankündigung der SEC am 29. September 2026 über eine fünfjährige „Innovation Exemption“ zur Ermöglichung des Handels mit tokenisierten US-Aktien auf öffentlichen Blockchains löste Kursbewegungen bei relevanten Akteuren aus.
Diese Genehmigung erlaubt qualifizierten Handelsplätzen, tokenisierte Aktien über Automated Market Maker und Liquiditätspools abzuwickeln. Analysten von Goldman Sachs sehen insbesondere Coinbase, Robinhood und Circle als mögliche Profiteure dieser Entwicklung. Die Aktie von Coinbase stieg nach der Ankündigung um 11,66 Prozent auf 194,25 US-Dollar.
Berichte nennen Coinbase als Begünstigten durch eigene tokenisierte Aktien, ein wachsendes institutionelles Verwahrgeschäft und die Infrastruktur „Coinbase Tokenize“.
Robinhood verzeichnete ebenfalls einen Zuwachs von 9,12 Prozent auf 119,82 US-Dollar. Das Unternehmen muss seine internationalen Stock-Tokens an SEC-Regeln anpassen. Circle, Emittent des Stablecoins USDC, legte um 7,86 Prozent auf 91,78 US-Dollar zu. Beobachter führen dies darauf zurück, dass steigende On-Chain-Abwicklungen die Nachfrage nach liquiden Stablecoins erhöhen könnten.
Ausblick und offene Fragen
Die neuen Vorschläge der SEC zur Krypto-Verwahrung treten in eine 60-tägige öffentliche Kommentierungsphase ein, nachdem sie im Federal Register veröffentlicht wurden. Diese Phase wird Rückmeldungen aus der Industrie und von Interessengruppen sammeln und dürfte darüber entscheiden, ob es noch zu Änderungen am Entwurf kommt.
Eine weiterhin offene Frage bleibt die Abgrenzung von Krypto-Vermögenswerten als Wertpapiere versus Rohstoffe. Der nicht verabschiedete Clarity Act hätte diese Zuständigkeit zwischen SEC und Commodity Futures Trading Commission aufgeteilt. Die regulatorische Unsicherheit in dieser Frage bleibt bestehen und dürfte zukünftige Debatten prägen.
Die neuen Regeln könnten den Weg für eine tiefere Integration von Krypto-Assets in den traditionellen Finanzsektor ebnen. Die Reaktion der Branche und die endgültige Form der Regulierung werden entscheidend sein, um das Ausmaß dieser Integration zu beurteilen.







