Die US-Börsenaufsichtsbehörde SEC hat einen Regelvorschlag veröffentlicht, der die Kapitalaufnahme für Krypto-Unternehmen erleichtern und regulierten Finanzdienstleistern den Umgang mit digitalen Vermögenswerten vereinfachen soll. Dieses Paket zielt darauf ab, Anreize für Krypto-Unternehmen zu reduzieren, ihre Geschäfte im Ausland zu betreiben. Gleichzeitig sollen sich Anlagemöglichkeiten für US-Investoren unter einem einheitlicheren Schutz erweitern.
Im Fokus stehen Verwahrungsregeln und Ausnahmen von Registrierungspflichten.
Regulatorische Klarheit für Krypto-Assets
Der Vorschlag trägt den Titel „Regulation Crypto Assets“ und wird teilweise auch als „Project Crypto“ bezeichnet. Er schafft einen spezifischen Regulierungsrahmen für bestimmte Investmentverträge mit Krypto-Vermögenswerten. Die SEC beschreibt die Änderungen als Modernisierung bestehender Vorgaben, darunter jahrzehntealte Verwahrungsanforderungen, um diese an aktuelle Marktpraktiken anzupassen.
Paul Atkins, der Vorsitzende der SEC, der das Amt im April übernommen hat, sieht in dem Paket ein Instrument, um Innovationen in den USA zu halten. Er kritisiert die aggressive Durchsetzung unter der vorherigen Administration.
Die Initiative folgt, nachdem der Digital Asset Market CLARITY Act im US-Senat nicht vorangebracht wurde. Die SEC nutzt nach eigenen Angaben ihre bestehenden Befugnisse, um Marktteilnehmern Planungssicherheit zu geben.
Erleichterungen bei Kapitalaufnahme und Verwahrung
Ein zentraler Bestandteil des Vorschlags sind zwei Ausnahmen von den Registrierungsanforderungen des Securities Act von 1933. Diese sind zugeschnitten auf Investmentverträge mit Krypto-Assets. Die einmalige „Startup-Ausnahme“ erlaubt es einem Emittenten, über einen Zeitraum von vier Jahren bis zu fünf Millionen US-Dollar einzuwerben, ohne das Angebot bei der SEC registrieren zu müssen.
Die „Fundraising-Ausnahme“ gestattet Kapitalaufnahmen von bis zu 75 Millionen US-Dollar innerhalb von zwölf Monaten.
Für beide Ausnahmen sind prinzipienbasierte, narrative Offenlegungen an Investoren vorgeschrieben. Für die Fundraising-Ausnahme sind zudem Finanzberichte und laufende Berichtspflichten vorgesehen. Diese Schwellenwerte sollen die Kapitalbeschaffung für junge Krypto-Unternehmen vereinfachen.
Nicht-akkreditierte Anleger können dem Vorschlag zufolge nur bis zu zehn Prozent des höheren Wertes ihres Einkommens oder ihres Nettovermögens in einer Runde investieren. Die Regeln sehen außerdem eine Präemption widersprechender Registrierungsvorschriften einzelner US-Bundesstaaten für Angebote unter diesen Ausnahmen vor, auch für bestimmte Sekundärmarkttransaktionen.
Das Paket enthält ferner Vorschläge zur Verwahrung von Krypto-Assets für Investmentberater und regulierte Fonds. Unter bestimmten Umständen könnte Eigenverwahrung erlaubt werden. Staatliche Treuhandgesellschaften könnten als Verwahrer für Kunden-Assets fungieren. Die SEC bezeichnet diese Maßnahmen als Modernisierung jahrzehntealter Anforderungen.
Safe Harbor und Dezentralisierung
Der Entwurf enthält eine bedingte Safe-Harbor-Regelung. Diese könnte bestimmte Token aus der gesetzlichen Wertpapierdefinition herausnehmen, sobald ein Emittent die den Anlegern zugesagten Managementaufgaben abgeschlossen oder dauerhaft aufgegeben hat. Nach Ansicht der Verfasser kann dies eintreten, wenn Netzwerke reifen und die Kontrolle dezentralisiert wird.
Paul Atkins betont in der öffentlichen Darstellung, dass die Regeln dazu beitragen sollen, dass amerikanische Anleger ihr Geld nach US-Recht investieren können.
Mehrere Branchenvertreter und Beobachter äußerten sich positiv zu Teilen des Vorschlags. Summer Mersinger von der Blockchain Association und Cody Carbone von der Digital Chamber begrüßten die Initiative. Lee Reiners von der Duke University sagte, die Ausnahme für 75 Millionen US-Dollar könnte öffentliche Token-Angebote praktikabler machen.
Eine Rückkehr zum ICO-Boom von 2017 halte er jedoch für unwahrscheinlich. Die republikanischen SEC-Kommissare Hester Peirce und Mark Uyeda veröffentlichten ebenfalls positive Erklärungen. Uyeda hob hervor, dass der Vorschlag die Unsicherheit durch feste Schwellenwerte und definierte Offenlegungspflichten ersetzen würde.
Nächste Schritte und Marktreaktionen
Die SEC kündigte ihren Vorschlag „Regulation Crypto Assets“ am 18. August 2026 an. Zuvor war ein geplantes Treffen zur Abstimmung abgesagt worden.
Die Veröffentlichung löste eine 60-tägige öffentliche Kommentierungsfrist im Federal Register aus. Während dieser Frist können Interessierte Kommentare einreichen. Die SEC wird die Stellungnahmen prüfen und gegebenenfalls in die finale Fassung einarbeiten.
Beobachter erwarten, dass die neuen Regeln Auswirkungen auf den Krypto-Markt in den USA haben könnten. Sie könnten Rechtssicherheit erhöhen, Kapitalflüsse beeinflussen und Geschäftsmodelle verändern. Der Bitcoin-Kurs ist seit Juli um über 40 Prozent gestiegen.
Marktteilnehmer führen dies teilweise auf gestiegene Risikobereitschaft und Erwartungen an klarere Regulierung zurück. Die genauen Auswirkungen werden jedoch erst nach Inkrafttreten der finalen Regeln ersichtlich sein.







