Die US-Börsenaufsichtsbehörde SEC verlangt von Unternehmen, die öffentlich Kapital über Regel 506(c) einwerben, seit Inkrafttreten im September 2013 sogenannte „reasonable steps“ zur Verifizierung des Status akkreditierter Investoren. Dies bedeutet, dass Unternehmen geeignete Nachweise einholen müssen, wenn sie öffentlich für Finanzierungsrunden werben.

Eine einfache Selbstzertifizierung, wie sie unter Regel 506(b) üblich ist, genügt bei 506(c)-Runden nicht. Die Verifizierungspflicht betrifft beispielsweise Finanzierungsaufrufe auf Webseiten, Pitch-Events mit Pressepräsenz oder die Nutzung sozialer Medien. Diese Vorgabe dient dem Anlegerschutz, kann jedoch für junge Unternehmen und ihre Investoren zusätzlichen Aufwand bedeuten.

Komplexer Verifizierungsprozess

Als „Safe Harbor“ zur Verifizierung akzeptiert die SEC unter anderem Steuererklärungen, W-2-Formulare oder ein höchstens 90 Tage altes Schreiben eines Wirtschaftsprüfers (CPA), Anwalts, Broker-Dealers oder registrierten Anlageberaters. Regel 506(b) hingegen erlaubt Finanzierungsrunden ohne externe Verifizierung, untersagt dafür jedoch jede Form der öffentlichen Werbung oder Akquise.

Das manuelle Einholen dieser Nachweise kann zeitaufwendig sein und führt oft zu Verzögerungen. Quellen berichten, dass Closings aufgrund fehlender Steuererklärungen oder CPA-Schreiben teilweise um Wochen verschoben werden. Als Reaktion darauf entstanden Drittanbieterdienste wie VerifyInvestor.com von North Capital und Parallel Markets.

Diese Angebote wurden entwickelt, um den Verifizierungsprozess zu beschleunigen und die Nachteile manueller Verfahren auszugleichen.

Regulierungsdruck auf Tech- und Kryptomärkte

Parallel zur Durchsetzung bestehender Regeln veröffentlichte die SEC im August 2026 einen neuen regulatorischen Rahmen. Dieser richtet sich an Krypto-Startups und Führungskräfte, die Kapital über digitale Assets beschaffen wollen. Im September 2026 scheiterte der sogenannte „Clarity Act“ im Senat an einer Abstimmung.

Die Abstimmung ergab 49 Ja- zu 50 Nein-Stimmen; für ein Weiterkommen wären 60 Stimmen notwendig gewesen. Quellen sehen in diesem Scheitern eine Verstärkung des Drucks auf Aufsichtsbehörden, eigene Regeln zu formulieren oder rascher zu handeln.

Dazu äußerten sich Akteure des öffentlichen Diskurses. Paul Atkins, SEC Chair, erklärte: „Mit oder ohne Gesetzgebung werden wir im Rahmen der gesetzlichen Befugnisse der SEC entschieden handeln, um den amerikanischen Investoren und den Unternehmern, die unsere technologische Zukunft gestalten, Sicherheit zu geben.“ Sen.

Tim Scott (R-S.C.), Vorsitzender des Senatsbankenausschusses, kommentierte: „Wir haben die Dinge vorangebracht, und jetzt ist es Zeit für die SEC und CFTC, klare Regeln für digitale Assets festzulegen, bis der Kongress gesetzgeberisch tätig wird.“ Dennis Kelleher, Mitbegründer, Präsident und CEO von Better Markets, warnte: „Ich denke, die Auswirkungen für Investoren, Märkte und unser Kapitalsystem sind tatsächlich ziemlich ernst, und die Leute sollten darauf achten.“

Auswirkungen und Ausblick

Die Verifizierungspflicht zielt auf den Schutz von Anlegern ab. Gleichzeitig kann sie zusätzliche organisatorische Hürden und längere Finanzierungszyklen verursachen, insbesondere für frühe Startups. Investoren müssen damit rechnen, Nachweise wie Steuererklärungen oder Bestätigungsschreiben bereitzuhalten, wenn sie an 506(c)-Runden teilnehmen.

Das Aufkommen spezialisierter Verifizierungsdienste zeigt, dass Anbieter auf den Bedarf reagieren. Die Diskussion um die Regulierung im Tech- und Krypto-Sektor bleibt intensiv. Das Scheitern des Clarity Acts verdeutlicht, dass die Gesetzgebung in diesem Bereich komplex ist.

Gleichzeitig zeigt es die Möglichkeit auf, dass die Aufsichtsbehörden in der Zwischenzeit eine aktivere Rolle übernehmen könnten. Beobachter sehen deshalb eine Fortsetzung der Regulierungsarbeit von SEC und anderen Behörden sowie die Veröffentlichung weiterer Leitlinien oder Anpassungen als wahrscheinlich an.