Die Aktie des chinesischen Fast-Fashion-Händlers Shein fiel nach ihrem Börsendebüt in Hongkong am Dienstag, 1. September 2026, unter den Ausgabepreis. Der Kurs sank in den ersten Handelsminuten um bis zu zehn Prozent und schloss den Handelstag mit einem Minus von rund neun Prozent.

Das Börsendebüt in Hongkong erfolgte, nachdem Versuche in London und New York gescheitert waren. Dabei wurde das Unternehmen mit rund 26,5 Milliarden US-Dollar bewertet. Dies liegt deutlich unter den knapp 100 Milliarden US-Dollar aus privaten Finanzierungsrunden im Jahr 2022.

Schwieriger Start an der Börse Hongkong

Shein startete den Handel an der Hongkonger Börse zum Ausgabepreis von 48,56 Hongkong-Dollar pro Aktie. Bereits kurz nach Handelsbeginn fiel der Kurs um bis zu zehn Prozent. Zuletzt notierte die Aktie bei 44,18 Hongkong-Dollar, was einem Rückgang von neun Prozent gegenüber dem Ausgabepreis entspricht.

Josh Gilbert, leitender Analyst für den asiatisch-pazifischen Raum bei eToro, ordnet die Entwicklung ein: „Die Aktie fiel um bis zu zehn Prozent, obwohl nur 6,6 Prozent des Unternehmens an die Börse gebracht wurden. Dies geschieht zudem in einem Markt, der in diesem Jahr eine Reihe erfolgreicher Debüts erlebt hat. Eine solche Knappheit soll einen Börsengang eigentlich stützen, daher ist der dennoch erfolgte Kursrückgang ein vielsagendes Zeichen.“

Der Börsengang brachte Shein Einnahmen von 13,6 Milliarden Hongkong-Dollar (rund 1,7 Milliarden US-Dollar) ein. Die Tranche für Privatanleger war 5,63-fach überzeichnet, die internationale Tranche 2,59-fach. Ankerinvestoren sagten im Vorfeld rund 383 Millionen US-Dollar zu.

Deutliche Neubewertung gegenüber früheren Runden

Die aktuelle Bewertung von etwa 26,5 Milliarden US-Dollar (circa 22,4 Milliarden Euro) stellt einen deutlichen Abschlag zu den fast 100 Milliarden US-Dollar dar, die Shein in privaten Finanzierungsrunden 2022 erreichte.

Alexander Graf, E-Commerce-Experte, bemerkt dazu, die Börse bepreise Shein „wie einen ganz normalen europäischen Modehändler“. Er sieht zudem den „eigentlichen Zweck in der Bereinigung der Bilanz“.

Shein wurde 2012 in China gegründet und verlegte seinen Sitz zwischen 2021 und 2022 nach Singapur. Vor dem Börsengang in Hongkong gab es gescheiterte Versuche in London und New York. Berichten zufolge spielten dabei Widerstand aus Peking und intensivere Prüfungen der Geschäftspraktiken in westlichen Märkten eine Rolle.

Stephan Tromp, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Deutschland (HDE), betont: „Denn mit der Notierung an der Börse erwarten die Anleger, dass alle Pflichten und Regeln eingehalten werden.“

Herausforderungen und Zukunftsaussichten

Neben der Kursentwicklung stehen Shein und seine Investoren weitere Herausforderungen bevor. Das Unternehmen meldete im ersten Quartal 2026 einen Verlust von 99 Millionen US-Dollar. Im Vorjahreszeitraum wurde noch ein Gewinn von 395 Millionen US-Dollar ausgewiesen.

Parallel dazu hat sich das Umsatzwachstum deutlich verlangsamt. Im Jahr 2023 lag es noch bei 41,1 Prozent, 2024 bei 20,7 Prozent; im ersten Quartal 2026 betrug es lediglich 1,1 Prozent.

Zudem steht das Geschäftsmodell von Shein wegen seiner Umweltauswirkungen in der Kritik. Untersuchungen des Bremer Umweltinstituts im Auftrag der Deutschen Umwelthilfe (DUH) zeigten im Juni, dass sieben von 18 getesteten Kleidungsstücken gegen EU-Grenzwerte für Chemikalien verstießen. Barbara Metz, Bundesgeschäftsführerin der DUH, fordert: „Das Ultra-Fast-Fashion-Geschäftsmodell auf Kosten von Umwelt und Gesundheit darf keine Zukunft haben, erst recht nicht an der Börse.“

Alexander Graf prognostiziert zudem, ein börsennotiertes Shein ohne starken Wachstumsdruck und mit liquiden Mitteln könne sich „ganz auf Marge und den europäischen Ausbau konzentrieren“. Er fügt an: „Die Ära der künstlich billigen China-Pakete geht mit dem Ende der Zollfreigrenzen zu Ende“ und dies werde für Verbraucher „etwas teurer“.

Die Gründer von Shein halten nach dem Börsengang rund 90 Prozent der Stimmrechte. Damit behalten sie maßgebliche Kontrolle über die strategische Ausrichtung des Unternehmens.

Analysten und Marktbeobachter werden verfolgen, wie das Unternehmen mit den regulatorischen, umweltbezogenen und operativen Herausforderungen umgeht. Die anfängliche Kursreaktion spiegelt die Unsicherheiten wider, die Investoren am Tag des Debüts signalisierten. Offene Fragen bleiben, wie sich Shein in einem anspruchsvollen Marktumfeld positionieren wird und ob es die Erwartungen der Börse erfüllen kann.