Siemens Healthineers treibt die Entwicklung von Hirnimplantaten voran. Der Dax-Konzern geht dazu eine strategische Partnerschaft mit dem US-Neurotechnologieunternehmen Paradromics ein. Ziel ist die Entwicklung einer Bildgebungsplattform für Brain-Computer-Interfaces (BCI), die den gesamten Behandlungsprozess von der Patientenauswahl bis zur Bewertung des Eingriffs abdeckt.
Strategische Partnerschaft für präzise Neurotechnologie
Die Kooperation konzentriert sich auf die präzise Platzierung von Hirnimplantaten. Diese ist für den Erfolg der Technik entscheidend. Matt Angle, Gründer und CEO von Paradromics, erklärt dazu: „Ein Hirnimplantat kann nur wirken, wenn es an der richtigen Stelle sitzt.
Da sich die Areale, wo Sprache, Bewegung oder Sehen im Gehirn lokalisiert sind, von Mensch zu Mensch etwas unterscheiden, ist die genaue Platzierung einer Gehirn-Computer-Schnittstelle zentral für den Erfolg.“ BCI-Systeme verbinden das menschliche Gehirn direkt mit einem Computer oder einem externen Gerät. Sie ermöglichen so beispielsweise gelähmten Menschen die Steuerung eines Roboterarms mittels Gedanken.
Die Technologie befindet sich derzeit noch im Forschungsstadium. Paradromics, ein in Texas ansässiges Startup, entwickelt selbst Brain-Computer-Interfaces. Es konkurriert unter anderem mit Elon Musks Unternehmen Neuralink.
Die Partnerschaft soll die Entwicklung der Bildgebung für diesen Bereich voranbringen. Siemens Healthineers steuert dabei seine Expertise in medizinischer Bildgebung und Diagnostik bei.
Innovationsmotor Siemens Healthineers: Breite Kooperationen und Investitionen
Die Partnerschaft mit Paradromics ist Teil einer Strategie von Siemens Healthineers, durch Kooperationen und Investitionen in Medizintechnik zu wachsen. Der Konzern ist seit 1896 in der Medizintechnik tätig. Er nutzt ein Netzwerk von Allianzen, um Innovationen voranzutreiben.
Über 90 Prozent der führenden Krankenhäuser zählen zu den Partnern des Dax-Unternehmens. Dessen Produkte und Lösungen beeinflussen fast drei Viertel aller kritischen klinischen Entscheidungen.
Siemens Healthineers investiert jährlich rund 1,5 Milliarden Euro in Forschung und Entwicklung. Das Unternehmen hält zudem über 15.000 Patente.
Mit Medtronic kooperiert Siemens Healthineers, um prä- und postoperative Bildgebungstechnologien für die Wirbelsäulenversorgung bereitzustellen. Geplant ist unter anderem die gemeinsame Vermarktung des Multitom Rax Bildgebungssystems. Zudem soll dessen Integration in das Medtronic AiBLE Ökosystem für die Wirbelsäulenchirurgie erfolgen.
Ferner besteht eine Zusammenarbeit mit AiM Medical Robotics zur Kombination von Robotik- und MRT-Technologien. Ziel ist die Integration der kompakten, MRT-kompatiblen stereotaktischen Neurochirurgie-Plattform von AiM mit den Magnetom-MRT-Scannern von Siemens Healthineers (0.55T bis 3T). Dies soll präzise neurochirurgische Eingriffe im MRT ermöglichen.
Dazu gehören die Platzierung von Neurostimulationssonden bei Parkinson-Patienten sowie weitere kraniale Eingriffe wie Biopsien und Tumorablationen. Eine Software-Schnittstelle soll den Datenaustausch zwischen Robotik und MRT erlauben.
Im Bereich „AI at the edge“ kooperiert Siemens Healthineers mit Intel. Ziel ist es, KI-Modelle skalierbar und in bestehende klinische Arbeitsabläufe integrierbar zu machen. Beispiele sind die Automatisierung der Bildsegmentierung in der Strahlentherapieplanung am Geisinger Health System mittels des AI-Rad Companion, optimiert durch Intel-Prozessoren.
Auch die Optimierung der Herz‑MRT-Bildgebung durch Algorithmen zur Bewegungskompensation in Echtzeit zählt dazu. Hier wurde laut Angaben eine bis zu 5,5‑fache Beschleunigung der Bildverarbeitung ohne Genauigkeitsverlust erreicht.
Des Weiteren stattet Siemens Healthineers mobile Feldlazarette von Rheinmetall mit CT- und Röntgengeräten aus.
Produktionsstandort für Hochtechnologie
Für die Produktion hochleistungsfähiger Röntgenröhren und ‑generatoren hat Siemens Healthineers das High‑Energy Photonics (HEP) Center in Forchheim etabliert. Das Werk integriert Produktion, Entwicklung und Administration. Es nutzt Digitalisierung und Automatisierung über den gesamten Prozess hinweg.
Zum Einsatz kommen KI, Robotik und Sensorsysteme. Ein digitaler Zwilling des Gebäudes sowie digitale Shop‑Floor‑Anwendungen und Manufacturing Execution Systems (MES) dienen der Visualisierung von KPIs und der Prozessoptimierung. Ziel ist es, die Produktion zu steigern und hohe Qualität und Präzision zu sichern.
Finanzielle Stärke und Marktposition
Siemens Healthineers hat seinen Hauptsitz in Erlangen und beschäftigte 2022 rund 69.500 Mitarbeiter. Im Geschäftsjahr 2022 erwirtschaftete das Unternehmen einen Umsatz von 21,7 Milliarden Euro und einen Nettogewinn von 2,054 Milliarden Euro. Die Siemens AG hält rund 67 Prozent der Anteile.
Geplant ist eine Ausgliederung, bei der 30 Prozent der Aktien im Wege eines Spin-offs an die Siemens AG‑Aktionäre übertragen werden sollen. Die Aktie ist an der Frankfurter Wertpapierbörse gelistet und Bestandteil des DAX.
Die Kooperation mit Paradromics unterstreicht die Aktivitäten von Siemens Healthineers im Bereich Neurotechnologie und die Weiterentwicklung bildgebender Verfahren für medizinische Anwendungen. Diese Partnerschaft könnte den Fortschritt bei Brain-Computer-Interfaces beschleunigen und die Position von Siemens Healthineers als Anbieter von Lösungen für hochpräzise Eingriffe weiter festigen. Beobachter werden die Ergebnisse dieser Zusammenarbeit genau verfolgen.







