Das Berliner Fintech Solaris, ehemals Solarisbank, vollzieht einen strategischen Kurswechsel. Nach Jahren mit regulatorischen Auflagen und starken Bewertungsschwankungen kündigt das Unternehmen eine Neuausrichtung zur „KI-nativen Bank“ an. Diese Transformation ist mit einem weiteren Stellenabbau verbunden.
Interne Dokumente beziffern den Unternehmenswert derweil wieder auf nahezu eine halbe Milliarde Euro.
Neuausrichtung auf KI-Plattform
Solaris, seit Februar 2025 mehrheitlich im Besitz der japanischen SBI Group, will seine Banking-as-a-Service-(BaaS-)Plattform mit Künstlicher Intelligenz (KI) neu positionieren. Der seit Januar 2026 amtierende CEO Steffen Jentsch treibt diese Vision voran. Das Unternehmen plant, operative Prozesse durch KI-Agenten zu automatisieren. Menschen sollen dabei die Kontrolle und Governance behalten.
Der Fokus der neuen Strategie liegt auf standardisierten und wiederverwendbaren Modulen. Jentsch betont die historische Rolle von Solaris als Pionier im Cloud-basierten Banking und sieht in der KI-Integration den nächsten logischen Schritt. Yoshitaka Kitao, CEO der SBI Holdings, bezeichnet die Transformation als wichtig für die digitale Finanzinfrastruktur in Europa.
Personalabbau und Restrukturierung
Die Neupositionierung umfasst eine Reduzierung der Belegschaft. Rund 80 der etwa 400 Mitarbeiter sollen das Unternehmen verlassen. Dies entspricht einem Anteil von rund 20 Prozent. Der Schritt folgt auf frühere Entlassungswellen.
Im Juli 2022 beschäftigte Solaris noch über 750 Mitarbeiter. Die jetzige Maßnahme soll die Organisation an die neue, auf Automatisierung und KI fokussierte Struktur anpassen. Solaris hatte zudem bereits wesentliche Teile seines E-Geld-Instituts-(EMI-)Geschäfts eingestellt.
Dieses wurde unter der Marke Contis betrieben und umfasste die Ausgabe von Visa-Debitkarten für Krypto-Plattformen. Diese Entscheidungen sind Teil der laufenden Restrukturierung nach einer Phase starken Wachstums und anschließender Probleme.
Achterbahnfahrt der Bewertung
Die Bewertung von Solaris hat sich stark gewandelt. Im Juli 2021 wurde das Fintech nach der Series D Finanzierungsrunde über 190 Millionen Euro mit 1,4 Milliarden Euro bewertet. In internen Dokumenten schrumpfte der rechnerische Wert zwischenzeitlich auf 25.000 Euro. Aktuelle interne Unterlagen nennen wieder nahezu eine halbe Milliarde Euro.
Im November 2024 stellte die SBI Group eine Rettungsfinanzierung bereit. Im Februar 2025 erfolgte eine Series G Finanzierungsrunde über 140 Millionen Euro. Nach dieser wurde SBI Mehrheitsaktionär.
Regulatorische Herausforderungen und BaFin-Auflagen
Solaris steht seit 2022 unter verstärkter Aufsicht der BaFin. Probleme bei der Geldwäscheprävention (AML-Reporting) wurden bereits bei einer Routineprüfung im Jahr 2020 festgestellt. Die BaFin ordnete im Dezember 2022 eine „ordnungsgemäße Geschäftsorganisation in den Bereichen Risikomanagement und Geldwäscheprävention“ an und setzte einen Sonderbeauftragten ein.
Seitdem ist die Aufnahme von Neukunden nur mit Zustimmung der Aufsicht möglich.
Im März 2024 verhängte die BaFin eine Geldstrafe von 6,5 Millionen Euro wegen Mängeln im AML-Reporting. Im Sommer 2024 gab es eine weitere Warnung der Aufsichtsbehörde. Carsten Höltkemeyer, der Ende 2025 das Amt des CEO an Steffen Jentsch übergab, sagte später, das Unternehmen habe sich anfänglich nicht ausreichend auf die Regulierung konzentriert.
Ausblick: Weg zur operativen Stabilität
Solaris hat seine Neuausrichtung auf KI angekündigt und wird dabei vom Mehrheitsaktionär SBI unterstützt. Interne Dokumente nennen wieder einen Unternehmenswert von nahezu 500 Millionen Euro. Ob diese Angabe Vertrauen am Markt widerspiegelt, bleibt abzuwarten.
Kritische Fragen betreffen die Umsetzung der KI-Strategie, die Behebung der BaFin-Auflagen und die Integration neuer Technologien in die BaaS-Angebote. Es bleibt abzuwarten, wie sich Automatisierung auf Effizienz und Compliance auswirkt und ob die BaFin ihre verstärkte Aufsicht infolgedessen anpasst.







