Sony Interactive Entertainment (SIE) stellt die Produktion physischer Spiele-Discs für neue PlayStation-Titel ab Januar 2028 vollständig ein. Neue Spiele erscheinen ab diesem Stichtag ausschließlich digital über den PlayStation Store. Diese Entscheidung unterstreicht den anhaltenden Wandel der Branche hin zu digitalen Vertriebsmodellen und betrifft sowohl den Einzelhandel als auch die Produktionskette für physische Medien.

Digitaler Wandel auf dem Konsolenmarkt

Ab Januar 2028 veröffentlicht Sony Interactive Entertainment neue PlayStation-Spiele nur noch digital. Die Produktion physischer Spiele-Discs für Neuerscheinungen wird zu diesem Zeitpunkt eingestellt. Das Unternehmen begründet den Schritt mit einer Anpassung an veränderte Konsumentenpräferenzen.

SIE bezeichnete die Maßnahme als „natürliche Richtung, um sich an Verbrauchertrends anzupassen, da die allgemeine Präferenz für digitale Medien physische Discs erheblich übertrifft“.

Im Juli 2026 kündigte Sony diese Einstellung offiziell an. Parallel dazu wurden gestaffelte Schließungsdaten der PlayStation Stores für PS3 und PS Vita bekanntgegeben. Die Maßnahme betrifft ausdrücklich nur Spiele, die ab Januar 2028 erstmals erscheinen.

Bereits veröffentlichte Spiele oder solche, die vor diesem Stichtag als Disc-Version auf den Markt kommen, bleiben weiterhin kauf- und nutzbar. Die Ankündigung ist Teil einer Digitalisierungsstrategie des Unternehmens, das in den vergangenen Jahren einen Anstieg digitaler Umsätze verzeichnet.

Zahlen belegen Trend zur Digitalisierung

Der Trend zu digitalen Spielverkäufen spiegelt sich in Sonys Zahlen wider. Im Spitzenquartal des Geschäftsjahres 2025 lag der Digitalanteil an den Spielverkäufen auf PlayStation-Plattformen bei rund 85 Prozent. Über das gesamte Geschäftsjahr 2025 belief sich dieser Anteil auf etwa 78 Prozent.

Physische Datenträger machten demnach rund 15 Prozent der Verkäufe aus. Zum Start der PlayStation 4 im Jahr 2013 lag der Digitalanteil noch unter zehn Prozent.

In einem einzelnen Quartal erzielte Sony rund 1,5 Milliarden US-Dollar aus digitalen Software-Umsätzen. Aus dem Disc-Geschäft resultierten hingegen etwa 109 Millionen US-Dollar. Diese Differenz verdeutlicht die Größenordnung der Umsatzunterschiede zwischen digitalem und physischem Vertrieb.

Auswirkungen auf Handel und Produktion

Branchenbeobachter erwarten, dass Einzelhandelsgeschäfte künftig vermehrt Download-Codes in Verpackungen anbieten. Ein Beispiel dafür ist Grand Theft Auto VI (GTA 6) von Take-Two Interactive beziehungsweise Rockstar Games. Der Titel erscheint voraussichtlich im November oder Dezember 2026 und soll Berichten zufolge ohne physische Disc, stattdessen mit Download-Code in der Box, ausgeliefert werden.

Dies zeigt, wie auch große Publisher ihren Vertrieb zunehmend digital ausrichten.

Die Entscheidung betrifft auch Sonys eigene Produktionsstätten. Das Werk in Thalgau, Österreich, produziert aktuell rund 600.000 Discs pro Tag. Etwa die Hälfte davon entfällt auf PlayStation-Discs.

Ab 2027 soll dort die Massenproduktion optischer Mikrolinsen beginnen. Sony investierte dafür rund 30 Millionen Euro in neue Fertigungstechnik. Die Umstellung ist Teil einer Umnutzung der Produktionskapazitäten hin zu anderen Produkten.

Gemischte Reaktionen und offene Fragen

Die Bekanntgabe löste in der Branche gemischte Reaktionen aus. Sony Interactive Entertainment bezeichnete den Schritt als „natürliche Richtung“. Unternehmen, die auf physische Sammlereditionen spezialisiert sind, äußerten sich hingegen kritisch: Iam8bit sprach von „zutiefst enttäuscht“, Lost in Cult von „tief betrübt“. Michael Yum, CEO von PM Studios, nannte den Wechsel „traurig und verheerend“.

Neben der Vertriebsfrage wirft die vollständige Umstellung auf digitale Medien juristische und praktische Fragen auf. Sony verspricht, dass bereits gekaufte digitale Inhalte „auf absehbare Zeit“ weiterhin heruntergeladen werden können. Das Unternehmen gibt damit keine dauerhafte Verfügbarkeit auf Lebenszeit an.

Verbraucherschützer und Juristen beobachten die Entwicklung angesichts dieser Unsicherheiten. Unklar ist außerdem, ob künftige PlayStation-Konsolen noch mit einem Disc-Laufwerk ausgestattet sein werden. Sony hat dazu keine spezifischen Hardware-Ankündigungen gemacht.

Wie solche Entscheidungen Sony und den Spielemarkt in den kommenden Jahren beeinflussen, bleibt abzuwarten.