Ein Nanotyrannus-Skelett mit dem Namen „Jodi“ kommt Ende Oktober bei Sotheby’s in New York unter den Hammer. Das Auktionshaus schätzt den Erlös für das Fossil auf sechs bis neun Millionen US-Dollar. Sotheby’s positioniert es als attraktives Investmentstück. Die Versteigerung unterstreicht den anhaltenden Boom auf dem Markt für Dinosaurierskelette.
Sotheby’s bietet „Jodi“ als Investmentobjekt an
Das fast zwei Meter hohe und sechs Meter lange Skelett von „Jodi“ wurde 2019 in Montana von Rancher Jodi Pierson entdeckt und von ihrem Cousin Clayton Phipps ausgegraben. Es handelt sich um eines von lediglich drei wissenschaftlich bekannten Nanotyrannus-Skeletten. Der Schädel ist nahezu vollständig erhalten.
Das Exemplar besitzt 35 Zähne und vier Krallen. Sotheby’s versteigert das Fossil am 27. Oktober in New York.
Cassandra Hatton, Leiterin des Wissenschaftsgeschäfts bei Sotheby’s, erklärte, ein kleiner Raubsaurier wie „Jodi“ sei zudem handlicher. Er passe eher ins Penthouse als ein zwölf Meter langer T-Rex. Diese Formulierung macht die Ausrichtung auf private Sammler und Investoren deutlich.
Die Einschätzung, das Fossil sei ein attraktives Investment, steht im Kontext steigender Nachfrage nach prähistorischen Funden. Im Jahr 2023 war „Jodi“ bereits unter dem Namen „Chomper“ auf der Londoner Kunstmesse Frieze angeboten worden. Damals lag die Preiserwartung bei 20 Millionen US-Dollar.
Eine Studie im Fachjournal Nature aus dem Oktober 2025 rehabilitierte die Gattung Nanotyrannus. Zuvor wurden Exemplare oft als juvenile Tyrannosaurus-rex-Individuen interpretiert.
Rekordpreise und boomender Markt für Fossilien
Der Markt für Dinosaurierskelette verzeichnet in den vergangenen Jahren deutliche Preissteigerungen. Im Juli dieses Jahres wechselte ein T-Rex-Skelett bei Sotheby’s für 50,1 Millionen US-Dollar den Besitzer. Das Exemplar wird in Berichten als „Gus“ bezeichnet.
Verkäufer war der Farmer Gary „Gus“ Licking aus South Dakota, dessen Familie das Fossil 2021 auf ihrem Land entdeckte. Der Zuschlag ging an einen anonymen Bieter.
Vor der Auktion lag die Schätzung bei bis zu 30 Millionen US-Dollar.
Im Jahr 2024 erzielte der Stegosaurus „Apex“ einen Verkaufspreis von 44,6 Millionen US-Dollar. Käufer war der Hedgefonds-Gründer Ken Griffin. Sotheby’s hatte ursprünglich mit einem Preis von bis zu sechs Millionen US-Dollar kalkuliert. Nach dem Verkauf ist „Apex“ im American Museum of Natural History in New York ausgestellt.
Zum historischen Vergleich: Das T-Rex-Skelett „Sue“ wurde 1997 für 8,36 Millionen US-Dollar versteigert. „Sue“ ist heute im Field Museum of Natural History in Chicago zu sehen.
Kritik aus der Wissenschaft und offene Fragen
Museen und Paläontologen äußern wachsende Besorgnis darüber, dass hohe Preise und der Verkauf von Fossilien an private Sammler den Zugang für Forschung und Öffentlichkeit erschweren oder verhindern. Susannah Maidment vom Natural History Museum in London kritisierte, Dinosaurier würden nicht mehr nach ihrem wissenschaftlichen Wert beurteilt, sondern wie Kunst, die sich Vermögende in ihre Sammlungen stellen.
Nach US-Recht gehören Fossilien, die auf Privatgrundstücken gefunden werden, dem Grundstückseigentümer oder vertraglich beauftragten kommerziellen Unternehmen. Dies ermöglicht den kommerziellen Handel. Die Identität vieler Käufer bleibt anonym, was Fragen zur Zugänglichkeit und zum langfristigen Verbleib der Stücke aufwirft.
Während Ken Griffin seinen „Apex“ einem Museum zur Verfügung stellte, ist die Intention anderer privater Käufer nicht immer transparent. Die Debatte um den Kommerzialisierungsgrad des Fossilienmarktes und die Folgen für die wissenschaftliche Forschung dürfte angesichts des anhaltenden Booms weiter relevant bleiben.







