SpaceX sichert sich eine Fremdkapitalfinanzierung über 40 Milliarden US-Dollar, um Grafikprozessoren des Halbleiterkonzerns Nvidia zu beschaffen. Elon Musk bestätigt den Abschluss auf der Plattform X. Das frische Kapital fließt direkt in den massiven Ausbau der konzerneigenen Rechenzentrumsinfrastruktur.

Kapitalspritze über Anleihen und Bankkredite

Das Finanzierungspaket gliedert sich in rund 10 Milliarden US-Dollar an Bankkrediten sowie 30 Milliarden US-Dollar an kündbaren Anleihen im Investment-Grade-Bereich. Die Platzierung führt Apollo Global Management an. Zu den beteiligten Gläubigern zählt unter anderem der Vermögensverwalter Pimco.

Möglich wird das Vorhaben durch das Investment-Grade-Rating von SpaceX mit der Note BBB sowie die stabilen Cashflows aus dem Satellitendienst Starlink und dem Raketenstartgeschäft. Starlink erzielt im Geschäftsjahr 2025 einen Umsatz von 11,39 Milliarden US-Dollar und weist einen operativen Segmentgewinn von rund 4,5 Milliarden US-Dollar aus.

Die bestellten Prozessoren, darunter Architekturen auf Basis der Vera-Rubin-Plattform von Nvidia, sollen im ersten und zweiten Quartal 2027 ausgeliefert werden. SpaceX sieht die Hardware für den Ausbau des Colossus-Clusters in Memphis vor. Aktuell umfasst die dortige Infrastruktur rund 110.000 Einheiten des Typs GB200 und 440.000 Einheiten des Typs GB300.

Bis Ende 2026 peilt das Unternehmen rund 1,44 Millionen Einheiten bei einer Leistungsaufnahme von mehr als zwei Gigawatt an. Für 2027 liegt der Zielwert bei knapp zehn Gigawatt.

Refinanzierung über externe Cloud-Kunden

SpaceX setzt die Hardware nicht ausschließlich intern ein, sondern refinanziert die Rechenkapazitäten über langfristige Vermietungsverträge an Technologiekonzerne. Konkrete Vereinbarungen sichern bereits substanzielle Zahlungsströme ab. So zahlt Anthropic bis Mai 2029 monatlich rund 1,25 Milliarden US-Dollar für den exklusiven Zugriff auf die Colossus-Infrastruktur.

Alphabet überweist von Oktober 2026 bis Juni 2029 monatlich rund 920 Millionen US-Dollar für Nvidia-Server-Racks. Ein weiterer, nicht namentlich genannter Kunde steuert monatlich rund 1,1 Milliarden US-Dollar bei, was auf das Jahr hochgerechnet etwa 13 Milliarden US-Dollar entspricht.

Diese Verträge sollen bis Ende 2026 zu einer annualisierten Run-Rate von 100 Milliarden US-Dollar führen. Bis 2030 stellt Musk sogar einen Gesamtumsatz von bis zu einer Billion US-Dollar in Aussicht. Die Kreditmärkte hätten den Zugang zu Mitteln für praktisch jedes Unternehmen abgeriegelt, das keine wesentlichen Einnahmen außerhalb von KI-Rechenzentren vorweisen könne, kommentiert Musk die Transaktion.

Parallelstrategie aus Partnerschaft und eigener Fertigung

Aktuell setzen die Colossus-Rechenzentren exklusiv auf Nvidia-Architekturen. Nvidia erreicht an den Finanzmärkten inzwischen eine Bewertung von rund 5,78 Billionen US-Dollar. Dessen Vorstandschef Jensen Huang betont, man überführe Rechenleistung damit von einer reinen Technologie in eine investierbare Anlageklasse.

Gleichzeitig baut SpaceX eine eigene Chipherstellung auf. In einem Joint Venture mit Tesla entsteht am Standort Austin im US-Bundesstaat Texas die Fertigungseinheit Terafab. Erste Testchips sollen im Mai oder Juni des kommenden Jahres vom Band laufen.

Die großskalige Massenproduktion eigener Prozessoren peilt das Konsortium für das dritte Quartal 2028 an. Ergänzend bereitet SpaceX interne Tests für weltraumgestützte KI-Rechenzentren vor. Der Start erster Test-Satelliten ist für das vierte Quartal 2027 angesetzt.

Hohe Verschuldung trifft auf auslaufende Haltefristen

Die Fremdkapitalaufnahme fällt in eine Phase massiv steigender Investitionsausgaben. Zwar klettert der Konzernumsatz im dritten Quartal im Jahresvergleich um 161 Prozent auf 14,58 Milliarden US-Dollar, doch die Investitionsausgaben erreichen parallel dazu 19,6 Milliarden US-Dollar nach 18,37 Milliarden US-Dollar im Vorquartal. Unter dem Strich steht ein Nettoverlust von 541 Millionen US-Dollar.

Der Schritt spiegelt einen breiteren Branchentrend wider. US-Technologiekonzerne nehmen im laufenden Jahr rund 350 Milliarden US-Dollar an Fremdkapital auf, um ihre Rechenleistung zu erweitern. Analysten mahnen zunehmend, dass künftige Gewinne diese Verbindlichkeiten tragen müssen.

Am Rentenmarkt spiegeln sich bereits Risikoprämien wider: Ältere SpaceX-Anleihen mit Fälligkeit im Jahr 2056 notieren zuletzt bei etwa 85 Cent je Dollar.

Zusätzliche Volatilität droht an den Aktienmärkten. Nach dem Börsengang am 11. Juni 2026 zum Ausgabepreis von 135 US-Dollar liegt die Marktkapitalisierung zwischen 2,2 und 2,3 Billionen US-Dollar.

Die Aktie korrigierte von ihrem Hoch bei 225,64 US-Dollar auf rund 171,92 US-Dollar Anfang Oktober 2026. Im Monatsverlauf laufen nun Haltefristen für Altaktionäre von jeweils 328,4 Millionen Aktien am 9. und 24. Oktober aus.

Nach Vorlage der Zahlen für das dritte Quartal könnten weitere 1,3 Milliarden Aktien frei handelbar werden, was die Tragfähigkeit des Bewertungsniveaus auf eine harte Probe stellt.