Die wiederholten technischen Probleme und Entwicklungsverzögerungen im Starship-Programm von SpaceX gefährden den Zeitplan der NASA für die Rückkehr zum Mond. Die geplante Artemis III Mission zur bemannten Mondlandung, ursprünglich für Ende 2025 angesetzt, verschiebt sich voraussichtlich auf 2026 oder 2027. Zentral sind ungelöste Herausforderungen beim Auftanken von kryogenen Treibstoffen im Weltraum, dem sogenannten In‑Space‑Refueling.

Diese Technologie stellt eine Schlüsselvoraussetzung für die Starship‑Mondlandung dar.

Die NASA vergab 2021 einen Vertrag über 2,9 Milliarden US-Dollar an SpaceX für das Human Landing System (HLS) der Artemis-Missionen. Damit ist SpaceX der HLS-Partner der NASA für diese Phase des Artemis-Programms. Mehrere Triebwerksausfälle und die Komplexität des Treibstofftransfers in der Erdumlaufbahn gelten als Hauptursachen für die Verzögerungen.

Technologische Hürden und Zeitplan‑Verschiebungen

Das In-Space-Refueling ist die größte technische Herausforderung für eine Mondlandung mit Starship. Das Gesamtsystem benötigt für den Einsatz zum Mond rund 1.200 Tonnen flüssiges Methan und flüssigen Sauerstoff. Das komplette Starship-System misst nach Angaben der Quellen etwa 120 Meter. Die Landervariante mit circa 52 Metern ist höher als ein 15-stöckiges Gebäude.

Für eine Mondlandung sind mindestens elf weitere Starships als Tanker vorgesehen. Eines dient als Treibstoffdepot und wird von mehr als zehn weiteren Starships befüllt. Der Transfer der supergekühlten Treibstoffe soll dabei mindestens zehnmal erfolgen.

Diese logistischen und technischen Anforderungen tragen maßgeblich zu Verzögerungen bei. Seit der Auswahl im Jahr 2021 hat das Starship-Programm nach Einschätzung von NASA-Fachleuten mindestens zwei Jahre Rückstand angesammelt. Jim Free, NASA Associate Administrator for Exploration Systems Development, kommentierte die Lage: „Das sind viele Starts, um diese Missionen zu bewerkstelligen.

Sie müssen noch eine beträchtliche Anzahl von Starts durchführen, und das bereitet mir natürlich Sorgen hinsichtlich des Datums Dezember 2025.“

Testflüge und ihre Konsequenzen

SpaceX hat seit 2023 insgesamt elf Starship-Testflüge durchgeführt. Berichte dokumentieren dabei mehrere Triebwerksausfälle, darunter Vorfälle bei den als zwölften und vierzehnten Flug bezeichneten Testläufen. Im Mai 2026 erfolgte eine Startverschiebung, nachdem ein Raptor-Triebwerk während eines Fluges nicht wie geplant zündete.

Im September 2026 kam es bei einem unbemannten Testflug zu einem Triebwerksausfall nach der Abtrennung, woraufhin die Mission vorzeitig endete.

Solche Rückschläge verlängern die Entwicklungszeit und erfordern weitere Tests, bevor eine belastbare Einschätzung für bemannte Flüge möglich ist. Jim Free äußerte dazu: „Mir werden viele Fragen gestellt: 'Werden Sie das Datum einhalten?' Nun, sie müssen erst einmal fliegen, bevor wir irgendeine Art von Einschätzung vornehmen können.“

Die Verzögerungen wirken sich direkt auf den NASA-Zeitplan aus. Artemis III, ursprünglich für Ende 2025 geplant, verschiebt sich nach Einschätzungen von NASA-Vertretern und externen Beobachtern auf 2026 oder 2027. Ein Bericht des NASA Inspector General vom März 2026 nennt Starship-Verzögerungen als kritischen Faktor.

In einer Überarbeitung des Artemis-Plans im Februar 2026 sieht die NASA Artemis III als Erdorbit-Flugtest für 2027 vor. Die erste bemannte Mondlandung mit Starship ist dem Plan zufolge für Artemis IV im Jahr 2028 vorgesehen.

Der Wettlauf im All und wirtschaftliche Implikationen

Die Verzögerungen setzen die NASA auch im internationalen Kontext unter Druck. China plant nach Quellenangaben eine bemannte Mondlandung um 2030. Jim Bridenstine, ehemaliger NASA-Administrator, warnte: „Unsere komplexe Architektur erfordert ein Dutzend oder mehr Starts in kurzer Zeit, beruht auf sehr anspruchsvollen Technologien, die noch entwickelt werden müssen, wie kryogenes In-Space-Refueling, und muss noch für bemannte Flüge zugelassen werden.

Sofern sich nichts ändert, ist es höchst unwahrscheinlich, dass die Vereinigten Staaten Chinas prognostizierten Zeitplan für die Mondlandung unterbieten.“

NASA und SpaceX haben für das HLS einen Vertrag über 2,9 Milliarden US-Dollar geschlossen. Jim Free stellte die vertragliche Erwartung klar: „Wir haben einen Festpreisvertrag mit SpaceX, deren Aufgabe ist es, uns das zu liefern. Und ich werde sie dafür zur Rechenschaft ziehen.“

Für SpaceX ist die Entwicklung des Starship nach Einschätzung der Quellen von großer Bedeutung. Das System soll als Grundlage für zukünftige Mars-Missionen und für kommerzielle Starts dienen. Parallel erhielt Blue Origin einen HLS-Auftrag für eine spätere Artemis-Mission (Artemis V). Das Unternehmen arbeitet am Blue Moon-Lander.

Ausblick: Beobachter und Zeitfenster

Beobachter erwarten in den kommenden Monaten weitere Testflüge. Diese sollen Aufschluss über die Stabilität der Triebwerke und den Stand der Betankungstechniken geben. Paul Hill vom Aerospace Safety Advisory Panel erklärte dazu: „Die nächsten sechs Monate der Starship-Starts werden aufschlussreich sein, was die Wahrscheinlichkeit angeht, dass HLS im Jahr 2027 oder bis zum Ende des Jahrzehnts bemannte Flüge durchführt.“

Die NASA prüft weiterhin, welche Folgen die anhaltenden Verzögerungen für das Artemis-Programm haben. Die Fähigkeit von SpaceX, die technischen Hürden beim kryogenen Auftanken im All und bei der Triebwerksstabilität zu beheben, wird die Chancen beeinflussen, die geplanten Artemis-Zeitpläne einzuhalten. Zugleich entscheidet sie über die Wettbewerbsposition im internationalen Wettlauf zum Mond.