Das französische Fintech Spiko sichert sich in einer Series-B-Finanzierungsrunde 90 Millionen US-Dollar und bereitet den Markteintritt in Deutschland vor. Axel Weber, ehemaliger Präsident der Deutschen Bundesbank und früherer Verwaltungsratspräsident der UBS, beteiligt sich als Business Angel. Die Runde, angeführt vom US-amerikanischen Wagniskapitalgeber New Enterprise Associates (NEA), erhöht die Gesamtfinanzierung des 2023 gegründeten Unternehmens auf 120 Millionen US-Dollar.
Spiko, mit Co-Hauptsitzen in London und Paris, bietet Cash-Management-Lösungen an. Dazu gehören tokenisierte Geldmarktfonds für Start-ups sowie kleine und mittlere Unternehmen (KMU). Das Fintech verfolgt die Mission, Liquidität universell zugänglich zu machen und kontinuierlich Rendite zu erzielen.
Spiko gibt sein verwaltetes Vermögen mit rund 2,4 Milliarden Euro an; andere Pressemitteilungen nennen 2,7 Milliarden US-Dollar.
Das verwaltete Vermögen ist nach Unternehmensangaben in den vergangenen zwölf Monaten um mehr als das Fünffache gewachsen. Spiko bedient nach eigenen Angaben über 10.000 Kunden in mehr als 25 Ländern.
Weber als strategischer Partner für den deutschen Markt
Axel Weber investiert als Business Angel vor dem Hintergrund der angekündigten Expansion in Europa, unter anderem in Deutschland. Weber war Präsident der Deutschen Bundesbank und Verwaltungsratspräsident der UBS. Er ist zudem als Senior Advisor bei BCG, Visa und Flossbach von Storch aktiv und hat eine Aufsichtsfunktion bei Raisin inne.
Das Unternehmen plant, mit den neuen Mitteln weitere Fonds aufzulegen, neue Märkte zu erschließen und das Team auszubauen. Für den deutschen Markt hat Spiko bereits Xenia Boulamatsis und Julian Grigo eingestellt. Beide Manager bringen Erfahrung aus der deutschen Start-up-Szene mit, unter anderem von Unternehmen wie Raisin, Trade Republic und Solaris.
Marktpotenzial und Spikos Wettbewerbsvorteil
Spiko beziffert das Marktpotenzial für überschüssige Liquidität in Europa mit rund 22 Billionen Euro. Angaben für Europa und die USA variieren in der Recherche und reichen etwa von rund 44 Billionen bis rund 50 Billionen US-Dollar. Laut Spiko beträgt die durchschnittliche Verzinsung täglich fälliger Einlagen für Unternehmen im Euroraum 0,61 Prozent; der EZB-Einlagenzins lag zuletzt bei 2,5 Prozent.
Spiko positioniert sich als weltweit größter Emittent von tokenisierten Cash-Fonds und nennt dabei Mitbewerber wie BlackRock und Franklin Templeton. Das Unternehmen hebt seine Technologie hervor, die es ermöglicht, Unternehmensgelder effizient und rund um die Uhr zu verwalten und zu verzinsen. Mitgründer und CEO Paul-Adrien Hyppolite erklärt: „Jeder Mensch und jedes Unternehmen hält Liquidität.
Ob sie Rendite bringt, hängt aber immer noch davon ab, wer man ist und wie viel man hat. Unser Ziel: Liquidität soll standardmäßig und rund um die Uhr Rendite bringen.“
Wachstum und Bewertung
Die aktuelle Finanzierungsrunde bewertet Spiko nach Informationen aus Unternehmenskreisen auf rund 800 Millionen US-Dollar. Neben NEA zählen Index Ventures, Speedinvest, White Star Capital, Bpifrance und Flourish Ventures zu den Geldgebern. Zudem beteiligen sich Gründer des Zahlungsdienstleisters Qonto sowie Nik Storonsky, Mitgründer und CEO von Revolut.
NEA, das über 38 Milliarden US-Dollar verwaltet, führt die Runde an. Philip Chopin, Managing Director und Leiter Europa bei NEA, sieht in Spiko einen Vorreiter: „Wir haben Dutzende von Unternehmen untersucht, die Teilaspekte dieses Problems lösen. Wir glauben, dass Spiko das einzige Unternehmen ist, das die regulatorischen und produktbezogenen Herausforderungen gleichzeitig gemeistert hat.
Paul-Adrien und Antoine bauen die standardmäßige Anlaufstelle für Liquidität auf. Geldmarktfonds sind der Ort, an dem Vertrauen gewonnen wird, und dasselbe Modell lässt sich natürlich auf neue Märkte und Produkte ausdehnen.“
Herausforderungen der Deutschland-Expansion
Der Vorstoß in den deutschen Markt ist Teil von Spikos Expansionsstrategie in Europa. Spiko sieht in tokenisierten Geldmarktfonds eine Möglichkeit, ungenutzte Liquidität höher zu verzinsen als traditionelle Konten. Zu den Herausforderungen gehören regulatorische Anforderungen und das Gewinnen von Vertrauen bei etablierten, häufig konservativ agierenden Mittelständlern.
Bisher stammen rund 50 Millionen Euro des verwalteten Vermögens aus dem deutschsprachigen Raum. Beobachter werden verfolgen, wie schnell Spiko seine Technologie und sein Angebot an die spezifischen Anforderungen des deutschen Marktes anpassen kann und wie sich die Konkurrenzsituation mit etablierten Banken und anderen Fintechs entwickelt. Der Erfolg wird maßgeblich davon abhängen, wie das Unternehmen Vertrauen in einem für FinTechs oft skeptischen Umfeld aufbaut und sich regulatorisch positioniert.







