Die Bundesbank und das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) haben ihre Wachstumsprognosen für die deutsche Wirtschaft für das Jahr 2026 deutlich nach oben korrigiert. Sie erwarten nun ein Wachstum von rund 1,0 Prozent. Dieses Wachstum wird nach Einschätzung der Institute jedoch primär von staatlichen Ausgaben getragen und nicht von privaten Investitionen.

Diese Entwicklung wirft Fragen zur Nachhaltigkeit des Aufschwungs auf und verlangt eine präzisere Analyse der wirtschaftlichen Fundamente.

Anhaltender staatlicher Impuls stützt die Konjunktur

Die jüngsten Prognosen der Bundesbank und des DIW signalisieren eine Belebung der deutschen Wirtschaft für das laufende Jahr. Die Bundesbank rechnet für 2026 mit einem Wachstum von etwa 1,0 Prozent, nachdem sie im Juni noch 0,5 Prozent erwartet hatte. Das DIW hebt seine Erwartung auf 1,2 Prozent an; auch das wäre deutlich mehr als die frühere Schätzung von 0,5 Prozent.

Der Aufschwung beruht nach Ansicht der Institute maßgeblich auf Staatskonsum und öffentlichen Ausgaben. Bundesbank-Präsident Joachim Nagel äußerte dazu: „Auf Basis der ersten beiden Quartale sind wir auf Kurs, in diesem Jahr etwa ein Prozent zu erreichen, was deutlich besser ist als unsere Juni-Prognose.“ Die Binneninvestitionen zeigen sich weniger robust.

So fielen die Bruttoanlageinvestitionen im zweiten Quartal 2026, während Haushalts- und Staatskonsum jeweils nur um 0,1 Prozent stiegen.

Parallel dazu befeuert der globale KI-Boom Handel und Investitionen, insbesondere in Asien. Auch in Deutschland wirkt die Nachfrage nach KI-bezogenen Geräten belebend auf die Industrieproduktion. Die deutsche Wirtschaft läuft derzeit folglich mit zwei Geschwindigkeiten.

Während das verarbeitende Gewerbe stärker wächst — der Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe stieg im August 2026 auf 54,1, das schnellste Wachstum seit Anfang 2022 — bleibt der Dienstleistungssektor schwächer. Der PMI für den Dienstleistungssektor sank auf 48,5.

Steigende Schuldenquote, Rating bleibt unter Beobachtung

Trotz der verbesserten Wachstumsprognosen nimmt die Staatsverschuldung zu. Ende 2025 beliefen sich die deutschen Staatsschulden (Maastricht-Abgrenzung) auf rund 2,84 Billionen Euro, etwa 144 Milliarden Euro mehr als ein Jahr zuvor. Die Schuldenquote stieg auf 63,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

Für 2026 prognostizieren der Bund 66,5 Prozent und die EU-Kommission 65,8 Prozent Schuldenquote. Der Stabilitätsrat rechnete für 2026 mit einem gesamtstaatlichen Finanzierungssaldo von rund minus 4,25 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Damit würde der Maastricht-Referenzwert von drei Prozent überschritten.

Deutschland verfügt weiterhin über ein AAA-Rating großer Agenturen wie Standard & Poor’s, Fitch und Moody’s. Standard & Poor’s bestätigte im April 2026 Deutschlands Rating AAA mit stabilem Ausblick und verwies zugleich auf strukturelle Risiken wie schwaches Produktivitätswachstum und eine alternde Bevölkerung. Bundesbank-Präsident Nagel mahnte zu Haushaltsdisziplin.

Die Zinsausgaben im Bundeshaushalt steigen nach den Planungen deutlich: von 30,3 Milliarden Euro für 2026 auf 66,5 Milliarden Euro für 2029.

Geopolitische Risiken und ausländische Investitionen

Die globale Lage bleibt riskant. Am 28. Februar 2026 kam es zu einem Angriff der Vereinigten Staaten und Israels auf den Iran und zur anschließenden Sperrung der Straße von Hormus, was die Energiekosten erhöhen und Lieferketten belasten kann.

Trotz dieser Spannungen zeigt sich die Weltwirtschaft laut Kieler Institut und anderen Quellen bislang resilient. Dies ist gestützt durch die KI-Nachfrage und höhere Verteidigungsausgaben.

Die ausländischen Direktinvestitionen in Deutschland zogen 2025 deutlich an. Sie stiegen um 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr und erreichten rund 86 Milliarden Euro. Investitionen aus den USA fielen 2025 um fast 44 Prozent auf 11,8 Milliarden Euro. Großbritannien war mit 26 Milliarden Euro (plus 284 Prozent zum Vorjahr) größter Einzelinvestor. Andere EU-Länder investierten rund 43 Milliarden Euro.

Blick nach vorn: Zwischen Optimismus und strukturellen Herausforderungen

In den kommenden Monaten wird sich zeigen, ob das Wachstum, das derzeit wesentlich von öffentlichen Ausgaben getragen wird, in eine breiter abgestützte Erholung übergeht. Ratingagenturen beobachten, ob zusätzliche Kredite und Investitionen nachhaltiges Wachstum bringen oder das AAA-Rating gefährden, falls die mittelfristigen Effekte ausbleiben. Der EZB-Rat trifft sich am 9. und 10.

September 2026 in Berlin. Die Entwicklung der Zinspolitik bleibt ein zentraler Punkt.

Die Reform der Schuldenbremse und damit verbundene Fragen der Finanzierung bleiben politisch zentral. Debatten wie die um die Wirtschaftspolitik der AfD in Sachsen-Anhalt zeigen unterschiedliche Ansätze im Umgang mit strukturellen Problemen – etwa Fachkräftemangel und demografischem Wandel. Ob Deutschland es schafft, private Investitionen zu mobilisieren und die Produktivität zu steigern, wird entscheidend für Stabilität und Wettbewerbsfähigkeit sein.