Michael Saylor rechnet innerhalb der kommenden zwölf Monate mit einer Rückkehr des Bitcoin über die Marke von 100.000 US-Dollar. Der Mitgründer und Executive Chairman des Softwarekonzerns Strategy sieht den Markt am Beginn eines neuen, vierjährigen Aufwärtszyklus. Die Prognose fällt in eine Phase, in der das Unternehmen seine Bitcoin-Reserven auf 848.517 Einheiten im Oktober 2026 ausbaut, nachdem Strategy im Sommer 2026 zeitweise Bestände veräußert hat.
Zinswende und Charttechnik stützen den Marktzyklus
In einem Interview beim Charles Schwab Network begründet Saylor seine Einschätzung vorrangig mit charttechnischen Indikatoren und der geldpolitischen Lage. Der Kurs drehte an der 200-Wochen-Linie nach oben, die Saylor als typischen Boden eines Krypto-Bärenmarkts einstuft. Von diesem Niveau erholte sich die Notierung um rund 20.000 US-Dollar und lag zuletzt bei etwa 82.400 US-Dollar, was einem Tagesplus von 0,6 bis 1,1 Prozent entspricht.
Einen festen Zielkurs für das laufende Kalenderjahr nennt Saylor nicht. Die Dauer des Bullenmarkts beziffert er auf vier Jahre. Als Bremsfaktoren identifiziert er eine restriktive Geld-, Außen- und Handelspolitik sowie den Kapitalabzug durch den Hype um Künstliche Intelligenz.
Die Zinspolitik fungiere dabei als entscheidende Hürde, während Bitcoin sich gegenwärtig wie ein Hebel auf allgemeine Marktrisiken verhalte.
Gleichzeitig verweist Saylor auf fundamentale Treiber wie Fortschritte im digitalen Kreditwesen, besicherte Darlehen durch Geschäftsbanken und regulatorische Richtlinien. Das Stocken des Gesetzentwurfs zum Digital Asset Clarity Act wertet er als Dämpfer für restriktive Regulierungsansätze. Nach dem Stillstand des Vorhabens erließen Behörden wie das US-Finanzministerium, die CFTC und die SEC Leitlinien für Bereiche wie Tokenisierung, Krypto-Derivate, Prognosemärkte und Digitalwährungen.
Strategiewechsel und Liquiditätsmanagement in der Bilanz
Die Marktposition von Strategy bleibt eng mit Saylor verknüpft, auch wenn die operative Führung seit August 2022 bei CEO Phong Le liegt. Saylor konzentriert sich als Executive Chairman auf die Kapitalallokation und das Bitcoin-Treasury. Im Oktober 2026 belaufen sich die Bestände des Unternehmens auf 848.517 Bitcoin im Gegenwert von rund 69,92 Milliarden US-Dollar.
Gegenüber dem Stand von 840.447 Einheiten im August 2026 signalisieren die Zahlen eine Rückkehr zu offensiveren Zukäufen. Zuvor brach das Unternehmen zwischen Mai und August 2026 mit der bisherigen Doktrin, niemals Bitcoin zu veräußern. Strategy verkaufte in diesem Zeitraum rund 6.948 Bitcoin und erzielte Erlöse von etwa 431,8 Millionen US-Dollar, darunter eine Tranche von 1.690 Einheiten für 108 Millionen US-Dollar.
Die Verkäufe dienten unter anderem der Absicherung von Vorzugsaktien wie der Gattung STRC, die im Sommer 2026 unter dem Ausgabepreis von 100 US-Dollar notierten. Das Management nutzte die Erlöse aus Aktienverkäufen und Krypto-Transaktionen, um eigene Papiere zurückzukaufen und die Liquidität aufzustocken. Die Barreserve wuchs im August 2026 auf 4,80 Milliarden US-Dollar und lag zeitweise bei rund 6,69 Milliarden US-Dollar.
Die Verbindlichkeiten aus Wandelanleihen beliefen sich im Spätsommer 2026 auf etwa 6,71 Milliarden US-Dollar.
Saylor verteidigt die Verkäufe als gezielten Liquiditätsnachweis gegenüber Kritikern. Überdies betont das Management, dass die Bestände aus Krypto-Assets und Barmitteln die Verbindlichkeiten um rund 48 Milliarden US-Dollar übersteigen.
Wall Street bleibt trotz Schuldenlast optimistisch
Im US-Handel legte die Aktie von Strategy nach den jüngsten Äußerungen um 4,9 bis 5 Prozent zu. Das Analysehaus Clear Street hob sein Kursziel vor den anstehenden Quartalszahlen von 201 auf 211 US-Dollar an und bestätigte die Einstufung mit „Buy“. Laut Daten von Koyfin liegt das durchschnittliche Kursziel der Wall Street bei 239,27 US-Dollar.
Von 16 Analysten stufen 15 die Aktie mit einer Kaufempfehlung ein.
Saylor hält parallel an seiner langfristigen Erwartung fest: Über die kommenden zwei Dekaden traut er dem Bitcoin eine durchschnittliche jährliche Rendite von 30 Prozent sowie eine Marktkapitalisierung von 100 Billionen US-Dollar zu.
Fundamentale Klarheit über die Finanzlage bringt der 29. Oktober 2026. Mit der Vorlage der Zahlen für das dritte Quartal muss der Konzern die Zinskosten für die konvertiblen Schulden offenlegen.
Investoren richten den Fokus darauf, ob weitere Krypto-Verkäufe notwendig werden, um die Dividenden der Vorzugsaktien zu bedienen. Der Zwischenbericht liefert den Beleg dafür, wie das Unternehmen sein Treasury-Management künftig ausbalanciert.







