Der globale Indexanbieter MSCI verschärft die Aufnahmekriterien für seine Global Investable Market Indexes und setzt damit Unternehmen mit erheblichen Beständen an digitalen Vermögenswerten unter Druck. Die neuen Regeln für sogenannte nicht-operative Firmen zielen darauf ab, reine Investmentvehikel von Gesellschaften mit einem produktiven Kerngeschäft zu trennen. Im Zentrum der Debatte steht Strategy Inc.

Bei einer Neueinstufung drohen dem Konzern massive Umschichtungen durch passive Benchmark-Fonds.

Zweistufiger Filter gegen Schattenfonds

MSCI begründet den Schritt mit dem Schutz der Indexintegrität. Fonds und reine Beteiligungsgesellschaften bleiben in den Standard-Indizes des Anbieters traditionell außen vor.

Die neue Methodik ersetzt eine Interimsregelung aus dem Oktober 2025, die Unternehmen erfasste, deren Bestände an Digital Assets mindestens 50 Prozent der Gesamtaktiva ausmachten. Das neue Regelwerk führt einen zweistufigen Prüfmechanismus ein. In der ersten Stufe prüft MSCI, ob die operativen Vermögenswerte eines Emittenten mehr als 50 Prozent der Bilanzsumme ausmachen.

Trifft dies zu, behält das Papier seinen Status als reguläres Indexmitglied.

Verfehlt ein Unternehmen diesen Schwellenwert, folgt in Stufe zwei eine Prüfung anhand von fünf Finanzkennzahlen. Dazu zählen operative Ausgaben, operative Cashflows sowie die Abhängigkeit von externer Eigen- oder Fremdkapitalfinanzierung. Verfehlt eine Gesellschaft vier oder mehr dieser fünf Kennzahlen, verliert sie die Indexberechtigung.

Pufferregel verschafft Michael Saylor Zeit

Für Bestandsmitglieder greift eine Übergangsregelung. MSCI schließt bestehende Mitglieder erst dann aus einem Index aus, wenn sie die Vorgaben in zwei aufeinanderfolgenden jährlichen Berichtszeiträumen verfehlen. Bei potenziellen Neuzugängen führt hingegen bereits das Verfehlen in einer einzigen Periode zur Ablehnung.

Das verschafft bestehenden Großhaltern digitaler Vermögenswerte vorerst Handlungsspielraum und widerlegt Berichte über einen automatischen Ausschluss zum Monatsende.

Im Fokus der Finanzmärkte steht vorrangig Strategy Inc. unter der Führung von Executive Chairman Michael Saylor und CEO Phong Le. Das US-Unternehmen hält laut aktuellen Angaben 848.250 Bitcoin mit Stand vom 12. Oktober 2026.

Anfang Oktober baute der Konzern seine Position weiter aus und erwarb am 5. Oktober zunächst 334 Bitcoin für 28,70 Millionen US-Dollar sowie am 12. Oktober weitere 250 Bitcoin für 21,50 Millionen US-Dollar.

Saylor verteidigt die Struktur des Konzerns und verweist auf das operative Softwaregeschäft. Gegenüber Bloomberg Television kritisierte er das Vorgehen des Indexanbieters und bezeichnete die Positionierung als enttäuschend, da MSCI voreingenommene Werte auf digitale Vermögenswerte anwende. In einem Schreiben an MSCI-Chef Henry Fernandez warnte das Management zudem, ein Ausschluss beschädige den Ruf von MSCI als neutraler Anbieter.

MSCI nimmt indes nicht nur Krypto-Spezialisten ins Visier. In einer internen Simulation im Mai 2026 identifizierte der Anbieter unter anderem Metaplanet, das rund 43.000 Bitcoin im Wert von über zwei Milliarden US-Dollar hält. Zudem erfasste die Simulation das britische Unternehmen Yellow Cake, das primär in physisches Uran investiert.

Parallel dazu setzte MSCI weitere Emittenten wie SharpLink Gaming, das Ethereum in der Bilanz hält, auf eine erweiterte Beobachtungsliste.

Mögliche Indexabflüsse belasten den Aktienkurs

Passive Indexfonds, die den MSCI-Referenzen folgen, halten nach Schätzungen rund 13 Millionen Strategy-Aktien. Dies entspricht etwa 3,10 Prozent aller ausstehenden Papiere. Bei einem Ausschluss rechnet Strategy mit einem passiven Verkaufsvolumen von rund 2,80 Milliarden US-Dollar. Das Management betont jedoch, dass diese Summe unter dem durchschnittlichen Tageshandelsvolumen der Aktie liege.

An der Wall Street geriet der Titel dennoch unter Abgabedruck. Am 16. Oktober verlor das Papier zeitweise rund 8,6 Prozent und fiel in New York auf 138,35 US-Dollar.

An der europäischen Handelsplattform Lang und Schwarz lag die Notierung am 16. Oktober 2026 um 10:47 Uhr bei rund 131,58 Euro. Der Bitcoin-Markt reagierte zur gleichen Zeit unbeeindruckt und bewegte sich in einer Spanne von 81.369 bis 82.400 US-Dollar.

Entscheidende Wochen für Krypto-Bilanzen

Die kommenden Wochen entscheiden über die künftige Gewichtung von Krypto-Treasuries an den globalen Kapitalmärkten. Strategy legt am 29. Oktober die Geschäftszahlen für das dritte Quartal 2026 vor. MSCI wiederum veröffentlicht die offizielle Liste der Index-Ausschlüsse im Rahmen der regulären Halbjahresüberprüfung am 11. November.

Erfüllen Emittenten die geforderten Kennzahlen in zwei aufeinanderfolgenden Berichtsjahren nicht, treten die Indexänderungen am 30. November nach dem US-Börsenschluss in Kraft. Marktbeobachter werten die Entscheidung als Präzedenzfall dafür, wie traditionelle Finanzintermediäre Treasury-Strategien mit digitalen Werten künftig einordnen.